{"id":16,"date":"2008-07-13T18:43:48","date_gmt":"2008-07-13T16:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/?page_id=16"},"modified":"2011-02-24T10:12:29","modified_gmt":"2011-02-24T09:12:29","slug":"von-aggressionen-und-wutausbruchen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/von-aggressionen-und-wutausbruchen\/","title":{"rendered":"Von Aggressionen und Wutausbr\u00fcchen"},"content":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich sind die Wechseljahre der Frau in den Medien, nach langem und hartn\u00e4ckigem Ignorieren. Ich frage mich, warum nicht schon eher?<br \/>\nGestern las ich zum Beispiel auf der Titelseite der, von mir seit zwanzig Jahren abonierten und seit vierzig Jahren gelesenen, Zeitschrift Brigitte die Schlagzeile: Tabuthema Wechseljahre &#8211; Wie es wirklich ist. Was wirklich hilft.<br \/>\nToll, dachte ich ged\u00e4mpft begeistert, endlich wagen sie sich an den Speck, bewegen sich nicht mehr an der ungef\u00e4hrlichen Oberfl\u00e4che, wie schon so oft. Endlich haben sie mehr Mut zur Realit\u00e4t. Ich wurde jedoch beim Lesen von Artikel zu Artikel, das gesamte Dossier ist etwas umfangreicher, von Zeile zu Zeile entt\u00e4uschter. Der Haupttenor lag mal wieder auf: Wie schaffe ich es die Wechseljahre rumzukriegen, ohne mich und die anderen merken zu lassen, dass ich sie habe?<br \/>\nEine Frau Ende vierzig berichtete von ihren Stimmungsschwankungen und gelegentlichen Wutausbr\u00fcchen, die sie ihrem Mann und ihrer neunj\u00e4hrigen Tochter nicht zumuten wollte und sich aus diesem Grund jetzt hormonell behandeln l\u00e4\u00dft.<br \/>\nIch frage mich, was spricht dagegen, zu seinen Gef\u00fchlen zu stehen? Warum sollte man Wut, ob sie nun durch die Wechseljahre bedingt sind oder nicht, nicht zeigen d\u00fcrfen? Was ist schon schlimm an ein paar Tellern oder Tassen, die durch die Gegend fliegen? Nicht nur Kinder und Partner haben ein Recht auf Wut. Wut ist nicht nur destruktiv, sie kann auch reinigen und Wut oder andere massive Gef\u00fchle haben immer einen realen Hintergrund, der betrachtet werden m\u00f6chte. Es w\u00e4re fatal, sie mit was auch immer zu unterdr\u00fccken. Es w\u00fcrde nur auf ein Verschieben der Probleme hinaus laufen. Irgendwann kommen sie leider durch die Hintert\u00fcr wieder hinein. Also raus mit ihnen und sich dranmachen, dass was Wut macht zu beseitigen und zu \u00e4ndern. Probleme lassen sich nicht einfach zum Verschwinden bringen, wenn man sich ein paar Ersatzhormone einpfeift. Wechseljahre sind nun mal ein Langzeitprojekt. Es \u00e4ndern sich peu \u00e0 peu die Priorit\u00e4ten von Frau und dies nicht von Ungef\u00e4hr, denn auch ihre Hormonzusammensetzung verschiebt sich, vom gr\u00f6\u00dferen \u00d6strogenanteil zum gr\u00f6\u00dferen Testosteronanteil. Zwangsl\u00e4ufig erh\u00f6ht sich dadurch auch ihre Aggressivit\u00e4t und ihr Wunsch sich durchzusetzen. Sich anzupassen und nachzugeben ist nun zweitrangig.<br \/>\nEs kann nun durchaus m\u00f6glich sein, dass soviel Durchsetzungswunsch oder Willen den Herren der Sch\u00f6pfung gegen den Strich geht, doch was soll\u2019s?<br \/>\nIch finde es weitaus ges\u00fcnder f\u00fcr Frauen, ihre aggressiven Anteile zu leben, als sie auf Teufel komm raus bis zum Ende ihrer Tage zu verstecken.<br \/>\n\u00dcbrigens, dieser gr\u00f6\u00dfere Durchsetzungswillen ist Garant zur Selbstverwirklichung, auch mal ihre eigenen, nicht nur die Tr\u00e4ume und Vorstellungen des Partners in die Tat umzusetzen.<br \/>\nDie Vorstufe daf\u00fcr ist Wut, die Stimmungsschwankungen und auch die Traurigkeit. Die ganze Palette an Gef\u00fchlswirrnissen, die Frau in den Wechseljahren erlebt und die auch ich gelegentlich immer noch erlebe.<br \/>\nIch mute meiner Umgebung zu, dies zu ertragen, genau wie ich es auch selbst ertragen mu\u00df.<br \/>\nIm \u00dcbrigen sind an mir auch seinerzeit nicht die seelischen Auswirkungen der Pubert\u00e4t meiner Tochter und die meines Sohnes, (die sich gerade auf dem H\u00f6hepunkt befinden) vorbei gegangen. Also kann ich wohl mit recht erwarten, dass sie auch mich ertragen.<br \/>\nEs ist im \u00dcbrigen recht erstaunlich, dass bisher kein Mittel gefunden wurde, oder sich darum bem\u00fcht wurde eins zu finden, um die Auswirkungen der Pubert\u00e4t f\u00fcr alle Beteiligten zu mildern.<br \/>\nIch finde es nur Recht und billig, dass Frauen in den Wechseljahren sich, wenn n\u00f6tig, seelisch genauso austoben k\u00f6nnen, wie ihre Kinder, ohne dass dies mit Naser\u00fcmpfen und Augenbrauenerheben von unserer Gesellschaft bedacht wird &#8211;<br \/>\nWie ist es um die Chefredakteure\/Innen unserer Frauen Zeitschriften bestellt, wenn sie immer noch nicht den Mut haben, die Dinge so zu fokussieren und zu schildern, wie es der Realit\u00e4t entspricht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich sind die Wechseljahre der Frau in den Medien, nach langem und hartn\u00e4ckigem Ignorieren. Ich frage mich, warum nicht schon eher? Gestern las ich zum Beispiel auf der Titelseite der, von mir seit zwanzig Jahren abonierten und seit vierzig Jahren gelesenen, Zeitschrift Brigitte die Schlagzeile: Tabuthema Wechseljahre &#8211; Wie es wirklich ist. Was wirklich hilft. Toll, dachte ich ged\u00e4mpft begeistert, endlich wagen sie sich an den Speck, bewegen sich nicht mehr an der ungef\u00e4hrlichen Oberfl\u00e4che, wie schon so oft. Endlich haben sie mehr Mut zur Realit\u00e4t. Ich wurde jedoch beim Lesen von Artikel zu Artikel, das gesamte Dossier ist etwas umfangreicher, von Zeile zu Zeile entt\u00e4uschter. Der Haupttenor lag mal wieder auf: Wie schaffe ich es die Wechseljahre rumzukriegen, ohne mich und die anderen merken zu lassen, dass ich sie habe? Eine Frau Ende vierzig berichtete von ihren Stimmungsschwankungen und gelegentlichen Wutausbr\u00fcchen, die sie ihrem Mann und ihrer neunj\u00e4hrigen Tochter nicht zumuten wollte und sich aus diesem Grund jetzt hormonell behandeln l\u00e4\u00dft. Ich frage mich, was spricht dagegen, zu seinen Gef\u00fchlen zu stehen? Warum sollte man Wut, ob sie nun durch die Wechseljahre bedingt sind oder nicht, nicht zeigen d\u00fcrfen? Was ist schon schlimm an ein paar Tellern oder Tassen, die durch die Gegend fliegen? Nicht nur Kinder und Partner haben ein Recht auf Wut. Wut ist nicht nur destruktiv, sie kann auch reinigen und Wut oder andere massive Gef\u00fchle haben immer einen realen Hintergrund, der betrachtet werden m\u00f6chte. Es w\u00e4re fatal, sie mit was auch immer zu unterdr\u00fccken. Es w\u00fcrde nur auf ein Verschieben der Probleme hinaus laufen. Irgendwann kommen sie leider durch die Hintert\u00fcr wieder hinein. Also raus mit ihnen und sich dranmachen, dass was Wut macht zu beseitigen und zu \u00e4ndern. Probleme lassen sich nicht einfach zum Verschwinden bringen, wenn man sich ein paar Ersatzhormone einpfeift. Wechseljahre sind nun mal ein Langzeitprojekt. Es \u00e4ndern sich peu \u00e0 peu die Priorit\u00e4ten von Frau und dies nicht von Ungef\u00e4hr, denn auch ihre Hormonzusammensetzung verschiebt sich, vom gr\u00f6\u00dferen \u00d6strogenanteil zum gr\u00f6\u00dferen Testosteronanteil. Zwangsl\u00e4ufig erh\u00f6ht sich dadurch auch ihre Aggressivit\u00e4t und ihr Wunsch sich durchzusetzen. Sich anzupassen und nachzugeben ist nun zweitrangig. Es kann nun durchaus m\u00f6glich sein, dass soviel Durchsetzungswunsch oder Willen den Herren der Sch\u00f6pfung gegen den Strich geht, doch was soll\u2019s? Ich finde es weitaus ges\u00fcnder f\u00fcr Frauen, ihre aggressiven Anteile zu leben, als sie auf Teufel komm raus bis zum Ende ihrer Tage zu verstecken. \u00dcbrigens, dieser gr\u00f6\u00dfere Durchsetzungswillen ist Garant zur Selbstverwirklichung, auch mal ihre eigenen, nicht nur die Tr\u00e4ume und Vorstellungen des Partners in die Tat umzusetzen. Die Vorstufe daf\u00fcr ist Wut, die Stimmungsschwankungen und auch die Traurigkeit. 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