{"id":17,"date":"2008-07-13T18:46:50","date_gmt":"2008-07-13T16:46:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/?page_id=17"},"modified":"2008-07-14T11:37:31","modified_gmt":"2008-07-14T09:37:31","slug":"konfrontation-mit-der-realitat","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/konfrontation-mit-der-realitat\/","title":{"rendered":"Konfrontation mit der Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Da es heutzutage leicht ist, mit Hormonersatzbehandlungen sich gewisse Unbill vom Hals zu halten, ist es h\u00f6chst unpopul\u00e4r sich daf\u00fcr zu entscheiden nicht pflegleicht zu sein und seiner Umwelt ein Wesen zuzumuten, das zum Beispiel unmotiviert knallrot anl\u00e4uft vor Hitze fast umkommt und in den Minuten darauf in Schwei\u00df gebadet dasteht und versucht sich seinen Kleidungsst\u00fccken zu entledigen und gleichzeitig Schiss hat, wenn sie zu viel auszieht sich zu erk\u00e4lten. Ich versuchte den irritierten und peinlich ber\u00fchrten Blicken auszuweichen und diese Reaktion auf mich zu ignorieren.<br \/>\nIn der Zeit, als ich, vor Hitze fast explodierte und hinterher unter Wasser stand, musste ich mich sehr oft zahn\u00e4rztlich behandeln lassen und erlebte diese peinlich ber\u00fchrten Blicke des \u00f6fteren im Wartezimmer meiner Zahn\u00e4rztin.<br \/>\nIm Fr\u00fchsommer , es war schon richtig sch\u00f6n hei\u00df, wagte ich nicht, wie nur ein Jahr zuvor, nur mit einer leichten Bluse bekleidet im Wartezimmer herumzusitzen. Das wenigste, was ich trug, war ein warmes Sweatshirt \u00fcber einer Bluse und darunter ein wollenes oder seidenes Unterhemd, das im Notfall meine \u00fcbergro\u00dfe Schwei\u00dfproduktion aufnehmen konnte und um meinen Hals ein Seidentuch, das mich die Verdunstungsk\u00e4lte am Hals nicht so sp\u00fcren lie\u00df. Im Wartezimmer war es mehr als stickig, einer Sauna \u00e4hnlich und ich sa\u00df mittendrin. Nat\u00fcrlich beneidete ich alle Frauen um mich herum gl\u00fchend, die leichtbekleidet ohne Sweatshirt und Wollunterw\u00e4sche auf ihre Behandlung warten konnten.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, was seinerzeit unangenehmer war, die Angst vor dem Bohrer, die bei mir auch nicht gerade klein war, oder in eigener Dunstwolke herumzusitzen und zu vermuten, entweder am Hitzschlag zu sterben oder dem Gegenteil sich f\u00fcrchterlich zu erk\u00e4lten.<br \/>\nAuf der Hin- und R\u00fcckfahrt im Taxi, ging es mir nicht besser.Dort war es genauso hei\u00df und unangenehm wie in der Praxis. Der Taxifahrer, es war selbstverst\u00e4ndlich stets ein Mann und auch nicht von Hitzewellen geplagt, sa\u00df meist verbarrikadiert bei geschlossenen Fenstern. Ich machte auf der kurzen Fahrt launige Konversation, um ihn nicht merken zu lassen, wie es um mich stand. Wie sich denken l\u00e4sst, war ich mehr als froh nach jedem meiner seltenen Ausfl\u00fcge wieder den heimatlichen sicheren Hafen erreicht zu haben.<br \/>\nZwei Jahre sp\u00e4ter, als ich mich schon wieder traute, gemeinsam mit meinem Mann, samst\u00e4gliche Eink\u00e4ufe im Supermarkt zu erledigen, ging es mir zwar schon besser, meine Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche waren etwas reduziert, jedoch konnte es durchaus passieren, dass ich kurz vor Ende des Einkaufs, wir marschierten gerade durch die Kasse, pl\u00f6tzlich im Schwei\u00df gebadet dastand und so wie ich war, unm\u00f6glich mit dem vollen Einkaufskorb den Supermarkt verlassen konnte, um zu unserem Auto zu gehen. Vor allem im Winter in der kalten Jahreszeit ging das nicht, denn mein Kopf, mein Hals und mein Haar f\u00fchlten sich klatschnass an. Ich kam mir mehr als bl\u00f6d vor, mich mit Kapuze und Umschlagtuch fest einzumummeln, um den Weg zum Auto heil zu \u00fcberstehen. Ich glaubte, jeder m\u00fcsse mein Verhalten seltsam finden und merken, was mit mir los sei.<br \/>\nEs brauchte schon einige Zeit, um diesbez\u00fcglich mehr Selbstbewusstsein aufzubauen um einfach das zu tun, was sinnvoll war und was ich brauchte. Auch um meine Minderwertigkeitskomplexe in den Griff zu bekommen brauchte es viel Zeit. Ich betrachtete das, was mich st\u00e4ndig zu jeder Zeit beuteln konnte, als gro\u00dfes Hindernis als Behinderung, etwas das mich von meinen \u00fcbrigen Mitmenschen trennte, etwas das nicht wenig einsam machte. Ich begann etwa gleichaltrige Frauen verstohlen von der Seite zu betrachten, wenn ich an der Kasse im Supermarkt stand . Wie kamen meine Altersgenossinnen mit den Wechseljahresbeschwerden, die sie doch wohl haben, mussten klar? Anzumerken war ihnen jedenfalls nichts. Hatten sie auch Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche in den unpassensten Momenten? Vielleicht so wie ich genau dann, wenn ich meine gekauften Waren aufs Band packen musste und von da wieder zur\u00fcck in den Einkaufskorb? Und dann zu allem \u00dcberfluss mit rotem Kopf und, sp\u00fcrend wie mir der Schwei\u00df ausbrach, bezahlen zu m\u00fcssen.<br \/>\nIch registrierte nur, dass ich mich mit etwas herumschlagen musste, dass ich bei keiner anderen Frau, auch bei intensivster Betrachtung nicht, beobachten konnte. Ich war also allein auf weiter Flur, und das zu erkennen und einzusehen zu m\u00fcssen, ist schon hart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da es heutzutage leicht ist, mit Hormonersatzbehandlungen sich gewisse Unbill vom Hals zu halten, ist es h\u00f6chst unpopul\u00e4r sich daf\u00fcr zu entscheiden nicht pflegleicht zu sein und seiner Umwelt ein Wesen zuzumuten, das zum Beispiel unmotiviert knallrot anl\u00e4uft vor Hitze fast umkommt und in den Minuten darauf in Schwei\u00df gebadet dasteht und versucht sich seinen Kleidungsst\u00fccken zu entledigen und gleichzeitig Schiss hat, wenn sie zu viel auszieht sich zu erk\u00e4lten. Ich versuchte den irritierten und peinlich ber\u00fchrten Blicken auszuweichen und diese Reaktion auf mich zu ignorieren. In der Zeit, als ich, vor Hitze fast explodierte und hinterher unter Wasser stand, musste ich mich sehr oft zahn\u00e4rztlich behandeln lassen und erlebte diese peinlich ber\u00fchrten Blicke des \u00f6fteren im Wartezimmer meiner Zahn\u00e4rztin. Im Fr\u00fchsommer , es war schon richtig sch\u00f6n hei\u00df, wagte ich nicht, wie nur ein Jahr zuvor, nur mit einer leichten Bluse bekleidet im Wartezimmer herumzusitzen. Das wenigste, was ich trug, war ein warmes Sweatshirt \u00fcber einer Bluse und darunter ein wollenes oder seidenes Unterhemd, das im Notfall meine \u00fcbergro\u00dfe Schwei\u00dfproduktion aufnehmen konnte und um meinen Hals ein Seidentuch, das mich die Verdunstungsk\u00e4lte am Hals nicht so sp\u00fcren lie\u00df. Im Wartezimmer war es mehr als stickig, einer Sauna \u00e4hnlich und ich sa\u00df mittendrin. Nat\u00fcrlich beneidete ich alle Frauen um mich herum gl\u00fchend, die leichtbekleidet ohne Sweatshirt und Wollunterw\u00e4sche auf ihre Behandlung warten konnten. Ich wei\u00df nicht, was seinerzeit unangenehmer war, die Angst vor dem Bohrer, die bei mir auch nicht gerade klein war, oder in eigener Dunstwolke herumzusitzen und zu vermuten, entweder am Hitzschlag zu sterben oder dem Gegenteil sich f\u00fcrchterlich zu erk\u00e4lten. Auf der Hin- und R\u00fcckfahrt im Taxi, ging es mir nicht besser.Dort war es genauso hei\u00df und unangenehm wie in der Praxis. Der Taxifahrer, es war selbstverst\u00e4ndlich stets ein Mann und auch nicht von Hitzewellen geplagt, sa\u00df meist verbarrikadiert bei geschlossenen Fenstern. Ich machte auf der kurzen Fahrt launige Konversation, um ihn nicht merken zu lassen, wie es um mich stand. Wie sich denken l\u00e4sst, war ich mehr als froh nach jedem meiner seltenen Ausfl\u00fcge wieder den heimatlichen sicheren Hafen erreicht zu haben. Zwei Jahre sp\u00e4ter, als ich mich schon wieder traute, gemeinsam mit meinem Mann, samst\u00e4gliche Eink\u00e4ufe im Supermarkt zu erledigen, ging es mir zwar schon besser, meine Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche waren etwas reduziert, jedoch konnte es durchaus passieren, dass ich kurz vor Ende des Einkaufs, wir marschierten gerade durch die Kasse, pl\u00f6tzlich im Schwei\u00df gebadet dastand und so wie ich war, unm\u00f6glich mit dem vollen Einkaufskorb den Supermarkt verlassen konnte, um zu unserem Auto zu gehen. Vor allem im Winter in der kalten Jahreszeit ging das nicht, denn mein Kopf, mein Hals und mein Haar f\u00fchlten sich klatschnass an. Ich kam mir mehr als bl\u00f6d vor, mich mit Kapuze und Umschlagtuch fest einzumummeln, um den Weg zum Auto heil zu \u00fcberstehen. Ich glaubte, jeder m\u00fcsse mein Verhalten seltsam finden und merken, was mit mir los sei. Es brauchte schon einige Zeit, um diesbez\u00fcglich mehr Selbstbewusstsein aufzubauen um einfach das zu tun, was sinnvoll war und was ich brauchte. Auch um meine Minderwertigkeitskomplexe in den Griff zu bekommen brauchte es viel Zeit. Ich betrachtete das, was mich st\u00e4ndig zu jeder Zeit beuteln konnte, als gro\u00dfes Hindernis als Behinderung, etwas das mich von meinen \u00fcbrigen Mitmenschen trennte, etwas das nicht wenig einsam machte. Ich begann etwa gleichaltrige Frauen verstohlen von der Seite zu betrachten, wenn ich an der Kasse im Supermarkt stand . Wie kamen meine Altersgenossinnen mit den Wechseljahresbeschwerden, die sie doch wohl haben, mussten klar? Anzumerken war ihnen jedenfalls nichts. Hatten sie auch Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche in den unpassensten Momenten? Vielleicht so wie ich genau dann, wenn ich meine gekauften Waren aufs Band packen musste und von da wieder zur\u00fcck in den Einkaufskorb? Und dann zu allem \u00dcberfluss mit rotem Kopf und, sp\u00fcrend wie mir der Schwei\u00df ausbrach, bezahlen zu m\u00fcssen. Ich registrierte nur, dass ich mich mit etwas herumschlagen musste, dass ich bei keiner anderen Frau, auch bei intensivster Betrachtung nicht, beobachten konnte. 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