{"id":19,"date":"2008-07-13T18:47:52","date_gmt":"2008-07-13T16:47:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/?page_id=19"},"modified":"2008-07-14T11:38:38","modified_gmt":"2008-07-14T09:38:38","slug":"ich-musste-haare-lassen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/ich-musste-haare-lassen\/","title":{"rendered":"Ich musste Haare lassen"},"content":{"rendered":"<p>Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Kurz vor Weihnachten 2001, bemerkte ich, dass, wenn ich mir, wie es meine Gewohnheit ist, mit allen f\u00fcnf Fingern der linken Hand durch meine Kurzhaarfrisur strich, um sie ohne Kamm in Ordnung zu bringen, an meinen Fingern, das eine oder andere Haar h\u00e4ngen blieb. Dies war an sich noch nicht beunruhigend, jedoch hatte ich den Eindruck bei jedem Strich, wurden es ein wenig mehr Haare. Ich w\u00fcnschte, dies w\u00fcrde aufh\u00f6ren, was es nicht tat. Ich begann den Zustand meiner Haare argw\u00f6hnisch zu beobachten. Morgens, nach dem Aufwachen hatte ich den Eindruck, dass sich besonders viele Haare verabschiedeten. Ich konnte mir ganze B\u00fcschel aus der Kopfhaut ziehen. Wenn dies so weiter ging, vermutete ich, h\u00e4tte ich bald kahle Stellen auf dem Kopf. Grauenhafte Vorstellung. Was sollte das? Woher kam dies? Es verwirrte mich, brachte mich zur Verzweiflung. Es hatte schon obzessive Z\u00fcge, wie ich meine sich verabschiedende Haarpracht belauerte. Ich betrachtete sie fast dauernd, mal von der Seite im Profil, mal von vorne, unten mit und ohne Zuhilfenahme eines Zweitspiegels. Mal von vorne mit Lampenbeleuchtung, mal schr\u00e4g von der Seite im grellen schonungslosen Vormittagslicht. Es lie\u00df sich nicht vertuschen, im Bereich der Stirn, des Vorderkopfes wurden meine Haare sp\u00e4rlicher. Die Tortur wollte irgendwie kein Ende nehmen. Erst diese grauenhaften Schwei\u00dfausbr\u00fcche, und jetzt nachdem das besser geworden war, verabschiedeten sich meine Haare, meine sch\u00f6nen dichten Haare.<\/p>\n<p>Ich nervte meine Familie schrecklich, weil ich immer und immer wieder von ihnen wissen wollte, wie stark mein Haarausfall von au\u00dfen sichtbar war, wie ich auf meine Umwelt wirkte. Nat\u00fcrlich glaubte ich ihnen nicht, wenn sie mich zu tr\u00f6sten versuchten, alles sei nicht so tragisch, wie ich es vermutete.<\/p>\n<p>Ich versuchte, herumzutricksen, mir meine Haare so zu frisieren, dass es nicht gar so auffiel, was nicht so recht klappen wollte und erwog schlie\u00dflich mir eine Per\u00fccke zu besorgen, wenn, ja wenn ich noch mehr Haare verlor. Wann war dieser Zeitpunkt? Ich wusste es nicht. Gab es \u00fcberhaupt den richtigen Zeitpunkt?<\/p>\n<p>Ich konnte die Haare, die mich verlassen wollten nicht dadurch zur\u00fcckhalten, dass ich sie argw\u00f6hnisch belauerte. Also beschloss ich irgendwann, mich mit diesem Zustand zu arrangieren. Irgendwann war es mir zu bl\u00f6d mich zu beobachten. Und siehe da, der Haarausfall stagnierte irgendwann. Es dauerte nat\u00fcrlich noch ganz sch\u00f6n lange bis mein Haarschopf wieder dichter wurde und bis dahin war es mir, nicht nur wegen der Schwei\u00dfausbr\u00fcche nicht sehr angenehm unter Menschen zu gehen.<\/p>\n<p>Heute, sieben Jahre sp\u00e4ter, ist mein Haarwuchs wieder eheblich dichter, aber dennoch ist er nicht mehr so, wie vor sieben Jahren. Aber was ist schon heute so wie vor sieben Jahren? Alles hat sich ver\u00e4ndert und damit auch meine Haare, die ganz nebenbei noch ein wenig grauer geworden sind, wie seinerzeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Kurz vor Weihnachten 2001, bemerkte ich, dass, wenn ich mir, wie es meine Gewohnheit ist, mit allen f\u00fcnf Fingern der linken Hand durch meine Kurzhaarfrisur strich, um sie ohne Kamm in Ordnung zu bringen, an meinen Fingern, das eine oder andere Haar h\u00e4ngen blieb. Dies war an sich noch nicht beunruhigend, jedoch hatte ich den Eindruck bei jedem Strich, wurden es ein wenig mehr Haare. Ich w\u00fcnschte, dies w\u00fcrde aufh\u00f6ren, was es nicht tat. Ich begann den Zustand meiner Haare argw\u00f6hnisch zu beobachten. Morgens, nach dem Aufwachen hatte ich den Eindruck, dass sich besonders viele Haare verabschiedeten. Ich konnte mir ganze B\u00fcschel aus der Kopfhaut ziehen. Wenn dies so weiter ging, vermutete ich, h\u00e4tte ich bald kahle Stellen auf dem Kopf. Grauenhafte Vorstellung. Was sollte das? Woher kam dies? Es verwirrte mich, brachte mich zur Verzweiflung. Es hatte schon obzessive Z\u00fcge, wie ich meine sich verabschiedende Haarpracht belauerte. Ich betrachtete sie fast dauernd, mal von der Seite im Profil, mal von vorne, unten mit und ohne Zuhilfenahme eines Zweitspiegels. Mal von vorne mit Lampenbeleuchtung, mal schr\u00e4g von der Seite im grellen schonungslosen Vormittagslicht. Es lie\u00df sich nicht vertuschen, im Bereich der Stirn, des Vorderkopfes wurden meine Haare sp\u00e4rlicher. Die Tortur wollte irgendwie kein Ende nehmen. Erst diese grauenhaften Schwei\u00dfausbr\u00fcche, und jetzt nachdem das besser geworden war, verabschiedeten sich meine Haare, meine sch\u00f6nen dichten Haare. Ich nervte meine Familie schrecklich, weil ich immer und immer wieder von ihnen wissen wollte, wie stark mein Haarausfall von au\u00dfen sichtbar war, wie ich auf meine Umwelt wirkte. Nat\u00fcrlich glaubte ich ihnen nicht, wenn sie mich zu tr\u00f6sten versuchten, alles sei nicht so tragisch, wie ich es vermutete. Ich versuchte, herumzutricksen, mir meine Haare so zu frisieren, dass es nicht gar so auffiel, was nicht so recht klappen wollte und erwog schlie\u00dflich mir eine Per\u00fccke zu besorgen, wenn, ja wenn ich noch mehr Haare verlor. Wann war dieser Zeitpunkt? Ich wusste es nicht. Gab es \u00fcberhaupt den richtigen Zeitpunkt? Ich konnte die Haare, die mich verlassen wollten nicht dadurch zur\u00fcckhalten, dass ich sie argw\u00f6hnisch belauerte. Also beschloss ich irgendwann, mich mit diesem Zustand zu arrangieren. Irgendwann war es mir zu bl\u00f6d mich zu beobachten. Und siehe da, der Haarausfall stagnierte irgendwann. Es dauerte nat\u00fcrlich noch ganz sch\u00f6n lange bis mein Haarschopf wieder dichter wurde und bis dahin war es mir, nicht nur wegen der Schwei\u00dfausbr\u00fcche nicht sehr angenehm unter Menschen zu gehen. Heute, sieben Jahre sp\u00e4ter, ist mein Haarwuchs wieder eheblich dichter, aber dennoch ist er nicht mehr so, wie vor sieben Jahren. 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