{"id":20,"date":"2008-07-13T18:48:24","date_gmt":"2008-07-13T16:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/?page_id=20"},"modified":"2008-07-14T11:39:07","modified_gmt":"2008-07-14T09:39:07","slug":"mein-fahrrad-und-ich","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/mein-fahrrad-und-ich\/","title":{"rendered":"Zum Sport im Klimakterium oder Mein Fahrrad und ich"},"content":{"rendered":"<p>Seit etwa drei\u00dfig Jahren, seit ich mein erstes Rad erstand, ein Klapprad, bin ich begeisterte Fahrradfahrerin. Es war ein Rad ohne G\u00e4nge und recht lahm, aber es bedeutete schneller vorw\u00e4rts kommen zu k\u00f6nnen als zu laufen und vor allem, es bedeutete Unabh\u00e4ngigkeit. Meinem Mann fuhr ich viel zu langsam, er hatte im Gegensatz zu mir ein normal gro\u00dfes Rad, womit es keine Kunst war schneller voran zu kommen.<br \/>\nDer erste klimakterische Einbruch 1994 machte mir und meinem Fahrrad einen Strich durch die Rechnung. Ein Gl\u00fcck war meine Fahrradpause nur kurz.<br \/>\nBis Herbst 2001 war ich mobil und k\u00f6rperlich so fit, dass ich meine so geliebten Fahrradausfl\u00fcge mit meinen beiden Kindern machen konnte. Im Sommer \u201801 fiel mir das nicht mehr ganz so leicht, mit etwas zu schnellem, unausgeglichenen Puls und einer K\u00f6rpertemperatur kurz unterhalb 37 C\u00b0. Ich war viel schneller ersch\u00f6pft als in den Jahren zuvor. Die Vorboten des Schwitzens hatten mich voll im Griff. Aber ich fuhr trotzdem stur weiter bis, ja, bis zu dem Tag im Herbst, als mir mein Rad in einer recht noblen Gegend Bremens w\u00e4hrend eines Besuchs bei meiner hom\u00f6opathischen \u00c4rztin geklaut wurde. Jetzt sa\u00df ich wirklich auf dem Trockenen. Das war kein kleiner Schock. Sich beschissen f\u00fchlen und gleichzeitig platt gelegt werden durch ein gestohlenes Rad. Der Hammer musste erst einmal verkraftet werden.<br \/>\nHektisch begann ich nach einem Ersatzrad zu suchen. Aber immer, wenn man etwas zu \u00fcbertrieben schnell haben will, klappt es nicht. So auch dies Mal. Ich fand zwar etwas ann\u00e4hernd Gleichwertiges, jedoch musste dieses Rad extra f\u00fcr mich hergestellt und zusammengebaut werden. Das brauchte Zeit. Kurz nach dieser Entdeckung packte mich eine Grippe mit anschlie\u00dfender Lungenentz\u00fcndung. Gleichzeitig und anschlie\u00dfend hatten mich die Wechseljahre dieses Mal aber wirklich voll im Griff.<br \/>\nZwar \u00fcberhaupt noch nicht in der Lage Rad zu fahren lie\u00df ich mir im Fr\u00fchjahr 02 ein schickes neues Rad extra f\u00fcr mich herstellen.Das Dumme war nur, ich war noch l\u00e4ngst nicht wieder fit genug, um es auszuprobieren und auch nur die Strasse einmal auf und ab zu fahren, geschweige denn, eine kurze Tour damit zu machen. Das war zwar schmerzlich, jedoch war das Gef\u00fchl, \u00fcberhaupt wieder ein Rad zu haben viel wichtiger.<br \/>\nEs stand da und wartete auf mich, bis ich es wieder benutzen konnte, so dachte ich mir. Meinem Mann war dies mehr als unverst\u00e4ndlich. Ein Rad zu kaufen und einfach nur hinzustellen war f\u00fcr ihn der blanke Irrsinn. Wie M\u00e4nner nun mal sind!<br \/>\nNoch ein ganzes Jahr brauchte es, bis ich im Sommer darauf eines Vormittags den Mut fand, unbemerkt von meiner Familie mich auf mein neues Fahrrad zu setzen und einmal ganz kurz um den Block zu fahren. Das klappte noch ganz gut, ohne viel Schwei\u00df. Ein paar Tage sp\u00e4ter traute ich mich dann etwa zwei Kilometer zu fahren, was ich nicht h\u00e4tte tun sollen und schwitzte promt dabei wie ein Tier. Ich kam v\u00f6llig schwei\u00dfnass zu Hause an. Es war ganz sch\u00f6n frustrierend. So schwer es mir auch fiel, ich musste eben warten, bis es meinem K\u00f6rper gefiel, weniger Schwei\u00dfausbr\u00fcche zu haben.<br \/>\nWieder stand mein Rad ein ganzes Jahr ungenutzt herum, bis zum kommenden Sommer, 2004. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fuhr zu meinen Zahnarztterminen einen Kilometer hin und mit einem kleinen Umweg hinterher wieder zur\u00fcck nach Hause. Das war genau die Strecke, die ich ohne gro\u00df unter Wasser zu stehen fahren konnte. Mein Mut wurde gr\u00f6\u00dfer und ich wagte mit meinem Mann zwei sonnt\u00e4gliche Radausfl\u00fcge, die nicht so glimpflich f\u00fcr mich abliefen und mich wieder zur\u00fcck warfen. Es war deprimierend. Ich kam mir mehr als bescheuert vor, nicht wie noch ein paar Jahre zuvor normale Strecken bew\u00e4ltigen zu k\u00f6\u00b6nnen. Nach jeder Fahrt war ich mehr als ersch\u00f6pft.<br \/>\nDas war\u2019s, bis zum Sommer vergangenen Jahres.<br \/>\nEines Morgens merkte ich mit Erschrecken, der Fahrradklau hatte wieder mal zugeschlagen, der Platz, an dem mein Fahrrad gestanden hatte, war erschreckend leer. Es war weg! Ich konnte es zun\u00e4chst nicht fassen. Wieder hatte ich kein Fahrrad.<br \/>\nEs hatte einfach zu lange \u2018fahrbereit\u2019 und unbenutzt in unserem Vorgarten gestanden.<br \/>\nDer Schock sa\u00df erneut. Noch einmal wollte ich dies ganz sicher nicht erleben.<br \/>\nIch machte mich also daran, mein neu erstandenes doch diesmal gebrauchtes Rad regelm\u00e4\u00dfig zu benutzen. Die erste Tour machte ich gleich zum Fahrradh\u00e4ndler, um mir einen Lenkerkorb zu kaufen. Von da an fuhr ich zwei oder drei Mal die Woche kleine Strecken, um mich zu testen und meine Kondition ganz, ganz langsam zu verbessern.<br \/>\nIch begann wirklich noch einmal ganz von vorn mit dem Fahrradfahren wie ein Kind das Laufen lernt und es klappte pl\u00f6tzlich irgendwie. Ich verl\u00e4ngerte meine Touren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Mal ging es besser, mal schlechter. Wenn es mir zu anstrengend wurde und wird, gestatte ich mir mein Fahrrad ein k\u00fcrzeres oder l\u00e4ngeres St\u00fcck zu schieben.<br \/>\nInzwischen fahre ich meine f\u00fcnf bis sieben Kilometer pro Tag und bin wie ich meine sportlicher als ich es je war.<br \/>\nJetzt zum Schluss muss noch etwas Grunds\u00e4tzliches zum angeblich \u201dalles leichter machenden Sport\u201d in den Wechseljahren raus. Sport und Bewegung ist wirklich l\u00f6blich und sinnvoll, jedoch hat alles, wie meine Geschichte deutlich gemacht hat, seine Zeit. Jemand, der bei jeder Gelegenheit vor Wasser und Schwei\u00df trieft, hat bestimmt keinen Spa\u00df und keine Energie an gr\u00f6\u00dferer k\u00f6rperlicher Bet\u00e4tigung. Schwei\u00dfausbr\u00fcche werden auch nicht geringer und weniger durch Sport, welcher Art auch immer. Im Gegenteil, Sport ist erst dann m\u00f6glich, wenn der K\u00f6rper nicht schon durch Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche auf Hochtouren l\u00e4uft. Mit anderen Worten, ich konnte deshalb mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Fahrradtraining beginnen, weil meine Hormonumstellung schon so weit gediehen war, mein K\u00f6rper mir dies gestattete. Gewaltaktionen bringen gar nichts, sie bewirken leider nur das Gegenteil.<br \/>\nMein Organismus ger\u00e4t, w\u00e4hrend meiner Touren immer noch mal mehr, mal weniger stark in Wallung, aber dies h\u00e4lt sich insgesamt in Grenzen, was es vor ein paar Jahren noch nicht tat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit etwa drei\u00dfig Jahren, seit ich mein erstes Rad erstand, ein Klapprad, bin ich begeisterte Fahrradfahrerin. Es war ein Rad ohne G\u00e4nge und recht lahm, aber es bedeutete schneller vorw\u00e4rts kommen zu k\u00f6nnen als zu laufen und vor allem, es bedeutete Unabh\u00e4ngigkeit. Meinem Mann fuhr ich viel zu langsam, er hatte im Gegensatz zu mir ein normal gro\u00dfes Rad, womit es keine Kunst war schneller voran zu kommen. Der erste klimakterische Einbruch 1994 machte mir und meinem Fahrrad einen Strich durch die Rechnung. Ein Gl\u00fcck war meine Fahrradpause nur kurz. Bis Herbst 2001 war ich mobil und k\u00f6rperlich so fit, dass ich meine so geliebten Fahrradausfl\u00fcge mit meinen beiden Kindern machen konnte. Im Sommer \u201801 fiel mir das nicht mehr ganz so leicht, mit etwas zu schnellem, unausgeglichenen Puls und einer K\u00f6rpertemperatur kurz unterhalb 37 C\u00b0. Ich war viel schneller ersch\u00f6pft als in den Jahren zuvor. Die Vorboten des Schwitzens hatten mich voll im Griff. Aber ich fuhr trotzdem stur weiter bis, ja, bis zu dem Tag im Herbst, als mir mein Rad in einer recht noblen Gegend Bremens w\u00e4hrend eines Besuchs bei meiner hom\u00f6opathischen \u00c4rztin geklaut wurde. Jetzt sa\u00df ich wirklich auf dem Trockenen. Das war kein kleiner Schock. Sich beschissen f\u00fchlen und gleichzeitig platt gelegt werden durch ein gestohlenes Rad. Der Hammer musste erst einmal verkraftet werden. Hektisch begann ich nach einem Ersatzrad zu suchen. Aber immer, wenn man etwas zu \u00fcbertrieben schnell haben will, klappt es nicht. So auch dies Mal. Ich fand zwar etwas ann\u00e4hernd Gleichwertiges, jedoch musste dieses Rad extra f\u00fcr mich hergestellt und zusammengebaut werden. Das brauchte Zeit. Kurz nach dieser Entdeckung packte mich eine Grippe mit anschlie\u00dfender Lungenentz\u00fcndung. Gleichzeitig und anschlie\u00dfend hatten mich die Wechseljahre dieses Mal aber wirklich voll im Griff. Zwar \u00fcberhaupt noch nicht in der Lage Rad zu fahren lie\u00df ich mir im Fr\u00fchjahr 02 ein schickes neues Rad extra f\u00fcr mich herstellen.Das Dumme war nur, ich war noch l\u00e4ngst nicht wieder fit genug, um es auszuprobieren und auch nur die Strasse einmal auf und ab zu fahren, geschweige denn, eine kurze Tour damit zu machen. Das war zwar schmerzlich, jedoch war das Gef\u00fchl, \u00fcberhaupt wieder ein Rad zu haben viel wichtiger. Es stand da und wartete auf mich, bis ich es wieder benutzen konnte, so dachte ich mir. Meinem Mann war dies mehr als unverst\u00e4ndlich. Ein Rad zu kaufen und einfach nur hinzustellen war f\u00fcr ihn der blanke Irrsinn. Wie M\u00e4nner nun mal sind! Noch ein ganzes Jahr brauchte es, bis ich im Sommer darauf eines Vormittags den Mut fand, unbemerkt von meiner Familie mich auf mein neues Fahrrad zu setzen und einmal ganz kurz um den Block zu fahren. Das klappte noch ganz gut, ohne viel Schwei\u00df. Ein paar Tage sp\u00e4ter traute ich mich dann etwa zwei Kilometer zu fahren, was ich nicht h\u00e4tte tun sollen und schwitzte promt dabei wie ein Tier. Ich kam v\u00f6llig schwei\u00dfnass zu Hause an. Es war ganz sch\u00f6n frustrierend. So schwer es mir auch fiel, ich musste eben warten, bis es meinem K\u00f6rper gefiel, weniger Schwei\u00dfausbr\u00fcche zu haben. Wieder stand mein Rad ein ganzes Jahr ungenutzt herum, bis zum kommenden Sommer, 2004. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fuhr zu meinen Zahnarztterminen einen Kilometer hin und mit einem kleinen Umweg hinterher wieder zur\u00fcck nach Hause. Das war genau die Strecke, die ich ohne gro\u00df unter Wasser zu stehen fahren konnte. Mein Mut wurde gr\u00f6\u00dfer und ich wagte mit meinem Mann zwei sonnt\u00e4gliche Radausfl\u00fcge, die nicht so glimpflich f\u00fcr mich abliefen und mich wieder zur\u00fcck warfen. Es war deprimierend. Ich kam mir mehr als bescheuert vor, nicht wie noch ein paar Jahre zuvor normale Strecken bew\u00e4ltigen zu k\u00f6\u00b6nnen. Nach jeder Fahrt war ich mehr als ersch\u00f6pft. Das war\u2019s, bis zum Sommer vergangenen Jahres. Eines Morgens merkte ich mit Erschrecken, der Fahrradklau hatte wieder mal zugeschlagen, der Platz, an dem mein Fahrrad gestanden hatte, war erschreckend leer. Es war weg! Ich konnte es zun\u00e4chst nicht fassen. Wieder hatte ich kein Fahrrad. Es hatte einfach zu lange \u2018fahrbereit\u2019 und unbenutzt in unserem Vorgarten gestanden. Der Schock sa\u00df erneut. Noch einmal wollte ich dies ganz sicher nicht erleben. Ich machte mich also daran, mein neu erstandenes doch diesmal gebrauchtes Rad regelm\u00e4\u00dfig zu benutzen. Die erste Tour machte ich gleich zum Fahrradh\u00e4ndler, um mir einen Lenkerkorb zu kaufen. Von da an fuhr ich zwei oder drei Mal die Woche kleine Strecken, um mich zu testen und meine Kondition ganz, ganz langsam zu verbessern. Ich begann wirklich noch einmal ganz von vorn mit dem Fahrradfahren wie ein Kind das Laufen lernt und es klappte pl\u00f6tzlich irgendwie. Ich verl\u00e4ngerte meine Touren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Mal ging es besser, mal schlechter. Wenn es mir zu anstrengend wurde und wird, gestatte ich mir mein Fahrrad ein k\u00fcrzeres oder l\u00e4ngeres St\u00fcck zu schieben. Inzwischen fahre ich meine f\u00fcnf bis sieben Kilometer pro Tag und bin wie ich meine sportlicher als ich es je war. Jetzt zum Schluss muss noch etwas Grunds\u00e4tzliches zum angeblich \u201dalles leichter machenden Sport\u201d in den Wechseljahren raus. Sport und Bewegung ist wirklich l\u00f6blich und sinnvoll, jedoch hat alles, wie meine Geschichte deutlich gemacht hat, seine Zeit. Jemand, der bei jeder Gelegenheit vor Wasser und Schwei\u00df trieft, hat bestimmt keinen Spa\u00df und keine Energie an gr\u00f6\u00dferer k\u00f6rperlicher Bet\u00e4tigung. Schwei\u00dfausbr\u00fcche werden auch nicht geringer und weniger durch Sport, welcher Art auch immer. Im Gegenteil, Sport ist erst dann m\u00f6glich, wenn der K\u00f6rper nicht schon durch Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche auf Hochtouren l\u00e4uft. Mit anderen Worten, ich konnte deshalb mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Fahrradtraining beginnen, weil meine Hormonumstellung schon so weit gediehen war, mein K\u00f6rper mir dies gestattete. Gewaltaktionen bringen gar nichts, sie bewirken leider nur das Gegenteil. 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