{"id":8,"date":"2008-07-13T18:39:26","date_gmt":"2008-07-13T16:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/?page_id=8"},"modified":"2008-07-14T11:32:14","modified_gmt":"2008-07-14T09:32:14","slug":"ich-ging-ein-zweites-mal-durch-den-scheuersack","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/Homepage\/blog2\/ich-ging-ein-zweites-mal-durch-den-scheuersack\/","title":{"rendered":"Ich ging ein zweites Mal durch den Scheuersack"},"content":{"rendered":"<p>Es sollten noch beinahe etwa zehn Jahre ins Land gehen, um etwas mehr zu mir und zu meinen Gef\u00fchlen zu stehen oder mich besser zu begreifen. Der zweite Scheuersack, durch den ich gehen musste, begann 2001. Es begann langsam. Wieder bemerkte ich nicht, dass ich mich \u00fcberforderte.<br \/>\nAls wir 1996 begannen in D\u00e4nemark unsereUrlaube zu verbringen, f\u00fchlte ich mich eigentlich wieder ganz fit, seelisch und k\u00f6rperlich. Gelegentliche Zust\u00e4nde von undefinierbarer Trauer und auch Angstzust\u00e4nde durchlebte ich zwar, brachte ich aber nicht direkt in Verbindung mit den Wechseljahren. Meine Periode hatte ich noch, wenn auch seltener. Weiter fehlte mir nichts und so steigerte ich das, was ich glaubte so t\u00e4glich &#8211; monatlich leisten zu m\u00fcssen. Bis zum Jahre 2001 steigerten sich unsere D\u00e4nemark-Urlaube auf drei im Jahr und damit auch der Stress. Die Sache verselbstst\u00e4ndigte sich und wurde zu einem Teufelskreis.<br \/>\nEigentlich hatte ich zu mir selber finden wollen. Was ich jedoch fand war Stress, den ich selbst verursacht hatte.<br \/>\nAnfang 2001 merkte ich dann pl\u00f6tzlich, dass mir dann doch nicht mehr alles so leicht fiel. Mir war auch nicht bewusst, dass ich vor etwas davon lief.<br \/>\nIch bekam st\u00e4rkere Angstzust\u00e4nde im Fr\u00fchjahr, dazu Herzklopfen und Herzrasen, ich vertrug keine W\u00e4rme. Ich f\u00fchlte mich \u00fcberhaupt nicht mehr leistungsf\u00e4hig.<br \/>\nIm Sommer-Urlaub 2001 in D\u00e4nemark spitzte sich die Situation zu. Da ich ja schon mit mir selbst nicht im Reinen war, brachte jedes zus\u00e4tzliche Problem das Fass zum \u00dcberlaufen: Der elektrische Herd gab w\u00e4hrend des Kochens den Geist auf und der K\u00fchlschrank machte heftig rappelnd und mit veitstanz\u00e4hnlichen Spr\u00fcngen wegen der Hitze schlapp &#8211; ich bekam einen Nervenzusammenbruch einen Tag vor der R\u00fcckfahrt!<br \/>\nIch f\u00fchlte mich absolut miserabel, machte aber zu Hause weiter wie bisher, z.B. Fahrradausfl\u00fcge mit den Kindern, ich w\u00fcnschte mir nichts sehnlicher als endlich richtig \u201cabzuschwitzen\u201d, da ich mich seit Monaten in einem Zustand befand, den man am besten als \u201cpermanente Hitzewallung\u201d beschreiben kann. Im Herbst wurde mir dieser Wunsch dann erf\u00fcllt &#8211; ich bekam Schwei\u00dfausbr\u00fcche &#8211; zun\u00e4chst nur nachts und dies bewirkte, dass ich nicht mehr durchschlafen konnte, was mich immer mehr schw\u00e4chte. Trotzdem erledigte ich wie gewohnt alles, als h\u00e4tte sich nichts ge\u00e4ndert, was mich verdammt viel Kraft kostete.<br \/>\nZu meiner allgemeinen desolaten Konstitution kamen die Ereignisse des 11. September hinzu. Dies gab mir endg\u00fcltig den Rest. Dieser Anschlag traf mich bis ins Mark. Ich f\u00fchlte mich jetzt nicht nur meinem eigenen k\u00f6rperlichem Terror ausgeliefert, sondern jetzt auch noch dem Terror der Attent\u00e4ter.<br \/>\nAnfang Oktober bekam ich zun\u00e4chst einen Husten, der zu einer Lungenentz\u00fcndung wurde, von der ich mich Monate lang nicht erholte. Ich hatte w\u00e4hrend dieser Lungenentz\u00fcndung und auch noch danach die f\u00fcrchterlichsten Schwei\u00dfausbr\u00fcche, die man sich vorstellen kann. Mehrmals in der Nacht musste ich vollkommen die Kleidung und den Bettbezug wechseln. Die Matratze war durchgeweicht. Ich trank f\u00fcnf Liter Mineralwasser am Tag, um den Fl\u00fcssigkeitsverlust auszugleichen. Ich schlief kaum noch, weil ich mir rund um die Uhr die Seele aus dem Leib schwitzte. Ich war reduziert auf meine K\u00f6rperfunktionen, auf ein schwitzendes, trinkendes, sehr wenig essendes und kraftloses Wesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sollten noch beinahe etwa zehn Jahre ins Land gehen, um etwas mehr zu mir und zu meinen Gef\u00fchlen zu stehen oder mich besser zu begreifen. Der zweite Scheuersack, durch den ich gehen musste, begann 2001. Es begann langsam. Wieder bemerkte ich nicht, dass ich mich \u00fcberforderte. Als wir 1996 begannen in D\u00e4nemark unsereUrlaube zu verbringen, f\u00fchlte ich mich eigentlich wieder ganz fit, seelisch und k\u00f6rperlich. Gelegentliche Zust\u00e4nde von undefinierbarer Trauer und auch Angstzust\u00e4nde durchlebte ich zwar, brachte ich aber nicht direkt in Verbindung mit den Wechseljahren. Meine Periode hatte ich noch, wenn auch seltener. Weiter fehlte mir nichts und so steigerte ich das, was ich glaubte so t\u00e4glich &#8211; monatlich leisten zu m\u00fcssen. Bis zum Jahre 2001 steigerten sich unsere D\u00e4nemark-Urlaube auf drei im Jahr und damit auch der Stress. Die Sache verselbstst\u00e4ndigte sich und wurde zu einem Teufelskreis. Eigentlich hatte ich zu mir selber finden wollen. Was ich jedoch fand war Stress, den ich selbst verursacht hatte. Anfang 2001 merkte ich dann pl\u00f6tzlich, dass mir dann doch nicht mehr alles so leicht fiel. Mir war auch nicht bewusst, dass ich vor etwas davon lief. Ich bekam st\u00e4rkere Angstzust\u00e4nde im Fr\u00fchjahr, dazu Herzklopfen und Herzrasen, ich vertrug keine W\u00e4rme. Ich f\u00fchlte mich \u00fcberhaupt nicht mehr leistungsf\u00e4hig. Im Sommer-Urlaub 2001 in D\u00e4nemark spitzte sich die Situation zu. Da ich ja schon mit mir selbst nicht im Reinen war, brachte jedes zus\u00e4tzliche Problem das Fass zum \u00dcberlaufen: Der elektrische Herd gab w\u00e4hrend des Kochens den Geist auf und der K\u00fchlschrank machte heftig rappelnd und mit veitstanz\u00e4hnlichen Spr\u00fcngen wegen der Hitze schlapp &#8211; ich bekam einen Nervenzusammenbruch einen Tag vor der R\u00fcckfahrt! Ich f\u00fchlte mich absolut miserabel, machte aber zu Hause weiter wie bisher, z.B. Fahrradausfl\u00fcge mit den Kindern, ich w\u00fcnschte mir nichts sehnlicher als endlich richtig \u201cabzuschwitzen\u201d, da ich mich seit Monaten in einem Zustand befand, den man am besten als \u201cpermanente Hitzewallung\u201d beschreiben kann. Im Herbst wurde mir dieser Wunsch dann erf\u00fcllt &#8211; ich bekam Schwei\u00dfausbr\u00fcche &#8211; zun\u00e4chst nur nachts und dies bewirkte, dass ich nicht mehr durchschlafen konnte, was mich immer mehr schw\u00e4chte. Trotzdem erledigte ich wie gewohnt alles, als h\u00e4tte sich nichts ge\u00e4ndert, was mich verdammt viel Kraft kostete. Zu meiner allgemeinen desolaten Konstitution kamen die Ereignisse des 11. September hinzu. Dies gab mir endg\u00fcltig den Rest. Dieser Anschlag traf mich bis ins Mark. Ich f\u00fchlte mich jetzt nicht nur meinem eigenen k\u00f6rperlichem Terror ausgeliefert, sondern jetzt auch noch dem Terror der Attent\u00e4ter. Anfang Oktober bekam ich zun\u00e4chst einen Husten, der zu einer Lungenentz\u00fcndung wurde, von der ich mich Monate lang nicht erholte. Ich hatte w\u00e4hrend dieser Lungenentz\u00fcndung und auch noch danach die f\u00fcrchterlichsten Schwei\u00dfausbr\u00fcche, die man sich vorstellen kann. Mehrmals in der Nacht musste ich vollkommen die Kleidung und den Bettbezug wechseln. Die Matratze war durchgeweicht. Ich trank f\u00fcnf Liter Mineralwasser am Tag, um den Fl\u00fcssigkeitsverlust auszugleichen. Ich schlief kaum noch, weil ich mir rund um die Uhr die Seele aus dem Leib schwitzte. 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