{"id":11160,"date":"2012-10-08T11:35:47","date_gmt":"2012-10-08T10:35:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=11160"},"modified":"2012-10-08T11:39:01","modified_gmt":"2012-10-08T10:39:01","slug":"viehtrieb-mit-hindernissen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2012\/10\/viehtrieb-mit-hindernissen\/","title":{"rendered":"Viehtrieb mit Hindernissen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Der katholische Pfarrer des Ortes hatte es nicht weit bis zu uns, er mu\u00dfte nur um die Ecke gehen, sein Pfarrhau stand in Sichtweite. Bei diesen Gespr\u00e4chen, die er mit meiner Mutter f\u00fchrte, ging es beileibe nicht um Dinge des Glaubens, es waren ganz normale Gespr\u00e4che, die sich um alles m\u00f6gliche drehten. Er hatte wohl sehr schnell gemerkt, da\u00df er mit irgendwelchen Bekehrungsversuchen bei einer Spottdrossel, wie meiner Mutter sie war, kein Gl\u00fcck damit gehabt h\u00e4tte.<br \/>\nIch nahm dies nur ganz am Rande zur Kenntnis, denn ich war gewohnt, da\u00df meine Mutter Menschen wie ein klebriges Fliegenband anzog.<br \/>\nIch spielte mit Anita und ihrer Schwester Jetta lieber im halb verfallenen Schuppen neben ihrem Haus Mutter und Kind. Unsere Einrichtung bestand aus Kartoffels\u00e4cken und unser Geschirr besorgten wir uns auf der \u00f6rtlichen M\u00fcllkippe, <!--more-->die sich an der Nims, einem schmalen Fl\u00fc\u00dfchen befand. Beides befand sich nicht weit von unserem Haus entfernt, wir mu\u00dften lediglich eine Wiese \u00fcberqueren. W\u00e4hrend dieses Abenteuers kreiste hoch \u00fcber uns bedrohlich der M\u00e4usebussard.<br \/>\nWir nahmen uns Scherben von zerbrochenen Tellern mit oder Tassen mit Sprung, trugen diese Sch\u00e4tze in unseren Schuppen. Nat\u00fcrlich war es Kindern strikt verboten zur M\u00fcllkippe zu gehen und an die Nims. Aber wir machten es heimlich, so da\u00df die Erwachsenen nicht Wind davon bekamen.<br \/>\nAnita durfte nicht jeden Nachmittag mit mir spielen, sie mu\u00dfte auch auf dem elterlichen Hof mitarbeiten, wie alle Bauernkinder seinerzeit.<br \/>\nDie Gelegenheiten, an denen sie ausschlie\u00dflich mit mir spielen durfte, waren selten. Meist mu\u00dfte sie den Stall ausmisten oder dasVieh, die K\u00fche,<br \/>\nSchweine und H\u00fchner f\u00fcttern.<br \/>\nIm Sommer wurden von ihr die K\u00fche auf die Weide getrieben und sie abends auch wiederzur\u00fcck in den Stall gebracht. Gelegentlich durfte ich sie auf dem Viehtrieb begleiten. Allerdings sollte ich, bevor ich dies tat, meiner Mutter Bescheid sagen, da wir eine \u00e4u\u00dferst stark, meist von amerikanischen Soldaten<br \/>\nbefahrene Stra\u00dfe \u00fcberqueren mu\u00dften.<br \/>\nEines Tages stach mich der Hafer und ich sagte meiner Mutter nichts von dem, was ich vorhatte. Wir marschierten einfach mit den K\u00fchen los und trieben sie auf die Weide. Keinen Gedanken verschwendete ich an meine Mutter und an ihre m\u00f6glichen Sorgen. Als wir mit den K\u00fchen die Hauptstra\u00dfe und<br \/>\nunsere Schule linkerhand passiert hatten, mu\u00dften<br \/>\nwir an einer unbenutzten schon halbverfallenen Scheune vorbei.<br \/>\nVon dieser Scheune ging das hartn\u00e4ckige Ger\u00fccht,es hielte sich dort ein dubioser Landstreicher, der eine Menge auf dem Kerbholz hatte, auf.<br \/>\nWir gruselten uns schrecklich vor dieser Scheune und trieben die K\u00fche, die Scheune sch\u00f6n im Blick behaltend, um vor m\u00f6glichen \u00dcberraschungen<br \/>\nsicher zu sein, so schnell wie m\u00f6glich daran vorbei.<br \/>\nWir blieben den ganzen Tag mit den K\u00fchen auf der Weide. Sp\u00e4tnachmittags nach dem Heimtrieb empfing mich meine Mutter ziemlich aufgel\u00f6st und mit<br \/>\ndrohendem Blick. Ich ahnte schon, da\u00df es diesmal etwas setzen w\u00fcrde und hatte recht damit. Es passierte nur ganz selten, aber diesmal wurde<br \/>\nich nach Strich und Faden mit einem kleinen Teppichklopfer von ihr vertrimmt.<br \/>\nLange Zeit nahm ich meiner Mutter dies sehr \u00fcbel. Ich verstand \u00fcberhaupt nicht, warum sie sich so aufregte, denn ich war ja nicht allein \u00fcber die Stra\u00dfe gegangen, sondern in Begleitung meiner Freundin Anita und vor allem zusammen mit zwanzig K\u00fchen. Was h\u00e4tte mir dabei schon passieren k\u00f6nnen.<br \/>\nIch begriff seinerzeit \u00fcberhaupt nicht, worum es meiner Mutter ging.<br \/>\nIhr Einflu\u00df auf mich wurde kleiner und dies wollte sie mit allen Mitteln r\u00fcckg\u00e4ngig machen.<br \/>\nIch hatte dort in der Eifel so viel Freiheit wienoch nie zuvor in meinem Leben und ich kostete dies weidlich aus. Ich gewann an Selbst\u00e4ndigkeit, Sicherheit und Selbstvertrauen. Kurz, der Aufenthalt auf dem Land tat mir unerh\u00f6rt gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><em>Mehr Geschichten in meinem Buch<\/em><\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><em><strong>Die Katze in der roten Baskenm\u00fctze<\/strong><\/em><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong><em>Mit einem Klick auf das Cover rechts k\u00f6nnen sie es erstehen!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der katholische Pfarrer des Ortes hatte es nicht weit bis zu uns, er mu\u00dfte nur um die Ecke gehen, sein Pfarrhau stand in Sichtweite. Bei diesen Gespr\u00e4chen, die er mit meiner Mutter f\u00fchrte, ging es beileibe nicht um Dinge des Glaubens, es waren ganz normale Gespr\u00e4che, die sich um alles m\u00f6gliche drehten. Er hatte wohl sehr schnell gemerkt, da\u00df er mit irgendwelchen Bekehrungsversuchen bei einer Spottdrossel, wie meiner Mutter sie war, kein Gl\u00fcck damit gehabt h\u00e4tte. 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