{"id":13738,"date":"2014-02-10T07:13:39","date_gmt":"2014-02-10T05:13:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=13738"},"modified":"2014-02-10T07:17:22","modified_gmt":"2014-02-10T05:17:22","slug":"13738","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2014\/02\/13738\/","title":{"rendered":"taz.de Artikel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/m.taz.de\/uploads\/images\/684x342\/07022014_huehner_baum_dpa.jpg\" target=\"fullImage\" shape=\"rect\"><img decoding=\"async\" title=\"\" alt=\"\" src=\"http:\/\/m.taz.de\/uploads\/images\/310\/07022014_huehner_baum_dpa.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"caption\">Bodenhaltung? Diese H\u00fchner stellen die Frage artgerechter Haltung ganz neu.\u00a0 <span class=\"credit\">Bild:\u00a0 dpa<\/span><\/p>\n<p class=\"article\" style=\"text-align: center;\">Es braucht keine komplexen Theorien, um festzustellen: Die Tiere, die uns heute Fleisch, Eier, Milch, Wolle oder Leder \u201eliefern\u201c, f\u00fchren ein erb\u00e4rmliches Leben. Wenn Privatpersonen ihre Hunde oder Katzen so hielten, w\u00fcrden wir von Tierqu\u00e4lerei sprechen. Und wer Tierqu\u00e4lerei nicht unterst\u00fctzen will, sollte die entsprechenden Produkte nicht konsumieren. So einfach ist es eigentlich.<!--more--><\/p>\n<p class=\"article\">Man m\u00fcsste die Frage, ob wir Tiere nutzen d\u00fcrfen, nicht einmal grunds\u00e4tzlich kl\u00e4ren. Ich bin ja auch nicht gegen Teppiche \u2013 ich bin blo\u00df gegen Kinderarbeit. Wenn mir niemand garantieren kann, dass importierte Teppiche nicht von Kinderhand gekn\u00fcpft wurden, kaufe ich eben keinen Teppich. Ebenso kann ich mich dagegen entscheiden, Fleisch, Milch und Eier zu kaufen. Nicht grunds\u00e4tzlich. Nur pragmatisch.<\/p>\n<p class=\"article\">Aber wir sind ja nicht umsonst Menschen, sprich: vernunftbegabte Wesen, und darum f\u00e4llt uns zu jeder Feststellung eine Ausnahme ein, zu jeder unbequemen Erkenntnis wissen wir ein Aber. Wir lassen unsere Gedanken schweifen und hoffen, dass Tierschutzrichtlinien versch\u00e4rft werden k\u00f6nnen. Von dieser Hoffnung leben die Bio- und Tierschutzsiegel, die sich in letzter Zeit in den Superm\u00e4rkten ausgebreitet haben. Doch man muss sich die dazugeh\u00f6rigen Bestimmungen einmal durchlesen.<\/p>\n<p class=\"article\">Konventionell steht Schweinen zum Beispiel 0,75 Quadratmeter Platz zu. Bei den derzeit \u201egro\u00dfz\u00fcgigsten\u201c Siegeln f\u00fcr Schweinemast sind es 1,5\u00a0Quadratmeter. Das h\u00f6rt sich erst einmal gut an: Ist das nicht doppelt so viel wie konventionell? Ja, aber doppelt so viel wie beinahe null bleibt eben immer noch beinahe null. Nat\u00fcrlich werden auch in der Biohaltung Tiere eingepfercht, k\u00f6nnen sie ihre artgem\u00e4\u00dfen Verhaltensweisen nicht aus\u00fcben, werden Familien auseinandergerissen und sind die Tiere meist bereits so gez\u00fcchtet, dass sie physisch leiden.<\/p>\n<h6>Es gibt keine artgerechte Schlachtung<\/h6>\n<p class=\"article\">Und das sind meiner Meinung nach die Mindestkriterien, denen jede anst\u00e4ndige Tierhaltung gen\u00fcgen m\u00fcsste: Erstens d\u00fcrften Tiere nat\u00fcrlich nicht geschlachtet, also gewaltsam get\u00f6tet werden. Heutzutage werden auch Legehennen nach einer gewissen Zeit geschlachtet und Milchk\u00fche, wenn sie nach wenigen Jahren ausgezehrt sind. Doch egal welche Bet\u00e4ubungsmittel und \u201ehumaneren\u201c Ger\u00e4te man einsetzen mag: Es gibt keine artgerechte Schlachtung. Es gibt kein faires Fleisch. Fleisch ist immer das Fleisch von gewaltsam get\u00f6teten Tieren, von denen keines sein Leben freiwillig abgegeben hat.<\/p>\n<p class=\"article\">Also keine Schlachtung. Und zweitens: genug Platz und M\u00f6glichkeit, die nat\u00fcrlichen Verhaltensweisen auszu\u00fcben. Und zwar richtig! Viele Reformer fordern Stroh in den Schweinest\u00e4llen und \u201eBesch\u00e4ftigungsmaterial\u201c f\u00fcr die Tiere. Aber Tiere brauchen nichts zur Besch\u00e4ftigung, sie brauchen (und haben ein Recht auf) das Ausleben ihrer nat\u00fcrlichen Verhaltensweisen. K\u00fcrzlich wurde gemeldet, dass Schweine lieber mit auf dem Boden verschiebbaren Kugeln \u201espielen\u201c als mit von der Decke h\u00e4ngenden Metallketten. Kein Wunder! Es ist in Schweinen biologisch das Bed\u00fcrfnis angelegt zu w\u00fchlen. Sie wollen Hunderte von Metern durch den Wald ziehen, eine gewaltige Menge Boden umgraben und ihre Nahrung suchen, statt nur die Schnauze in den Trog zu stecken.<\/p>\n<p class=\"article\">Drittens wollen sie mit ihrem Nachwuchs zusammen sein, bis er ein entsprechendes Alter erreicht hat, wollen Sozialverb\u00e4nde bilden und in ihnen verbleiben. Wer einer Kuh das Kalb und einer Schweinemutter die Saugferkel wegnimmt, f\u00fcgt diesen Tierm\u00fcttern eines der schlimmsten \u00dcbel zu, das man einem Lebewesen antun kann. Ebenso ist es eine Grausamkeit gegen diese Tierkinder \u2013 \u00fcbrigens nicht nur die S\u00e4ugetiere! Jedes H\u00fchnerk\u00fcken, ob \u201eMasthuhn\u201c oder \u201eLegehuhn\u201c, wird im Brutschrank ausgebr\u00fctet, w\u00e4chst ohne Mutter auf und findet in der W\u00e4rmelampe keinen vollwertigen Ersatz f\u00fcr die Mutter, die es hudern w\u00fcrde. Auch hier: Es ist in ihnen biologisch angelegt! Kein Landwirt, kein Biologe wird leugnen, dass in Tierm\u00fcttern der Muttertrieb und in Jungtieren ein Bed\u00fcrfnis nach der Mutter fest verankert ist. Es ist keine \u201eVermenschlichung\u201c, daran zu erinnern. Trotzdem berauben wir sie ihrer Familien, standardm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<h6>Ein Planet f\u00fcr die G\u00fclle<\/h6>\n<p class=\"article\">K\u00f6nnte man also eine ganz neue Form der Mensch-Nutztier-Beziehung erfinden, bei denen diese drei essenziellen Punkte eingehalten w\u00fcrden? Nun, manches k\u00f6nnte man vielleicht machen \u2013 wenn man w\u00fcsste, wohin zum Beispiel mit all den K\u00e4lbern, ohne die die Milchk\u00fche ja keine Milch geben, die man aber auch in Frieden aufwachsen lassen wollte. Das riecht nach \u00dcberbev\u00f6lkerung und w\u00e4re im gro\u00dfen Ma\u00dfstab schon aus Platzgr\u00fcnden nicht machbar. Wenn wir all die Tiere, die wir nutzen, frei oder zumindest relativ frei herumlaufen lassen wollen, ohne sie f\u00fcr die Nutzung empfindlich einzusperren, br\u00e4uchten wir mindestens einen zweiten Planeten. (Vielleicht einen dritten f\u00fcr die G\u00fclle.)<\/p>\n<p class=\"article\">Letztlich scheitert der Konjunktiv \u2013 man k\u00f6nnte es anders machen \u2013 eben doch immer wieder an der \u00dcbertragung in die Wirklichkeit. Man kann eben nicht. In Gro\u00dfbritannien hat man Versuche angestellt, ob man Schweine \u201ewie frei\u201c halten k\u00f6nnte. Man bot ihnen viel Raum zum Schlafen, W\u00fchlen, Rumlaufen, Abkoten. Das Modell war aus Gr\u00fcnden des Platzes (Platz ist Geld) und des Arbeitsaufwands (Zeit ist auch Geld) \u00f6konomisch jedoch nicht zu realisieren. Es ist rein rechnerisch, technisch, r\u00e4umlich unm\u00f6glich, Tiere so zu halten, dass sie ein gutes Leben haben, nicht aus \u00f6konomischen Zw\u00e4ngen heraus z\u00fcchterisch \u201eoptimiert\u201c werden \u2013 und trotzdem noch \u201enebenher\u201c etwas abwerfen.<\/p>\n<p class=\"article\">Denn sie werfen ja au\u00dfer dem Dung nichts freiwillig ab. Bei der Nahrung, die wir von den Tieren haben m\u00f6chten, handelt es sich um unmittelbare k\u00f6rperliche Produkte \u2013 nicht um etwas, das man aus fremdem Material formt oder sonst wie produziert. Die gro\u00dfen Mengen an Eiwei\u00df, Fett, Kalzium, die Energie, die zum Beispiel f\u00fcr ein Ei erforderlich ist, haben die H\u00fchner eben nicht \u00fcbrig. Sie zus\u00e4tzlich zu mobilisieren, kostet physiologisch viel Kraft. Die Tiere m\u00fcssen sich \u201e\u00fcbersch\u00fcssige\u201c Milchmengen und Eier sozusagen \u201eaus den Rippen schneiden\u201c. Der m\u00fctterliche K\u00f6rper wird sowohl beim Eierlegen als auch beim Milchgeben stark belastet, es ist f\u00fcr den K\u00f6rper ein Zustand erh\u00f6hter Leistung, kein Normalzustand.<\/p>\n<p class=\"article\">Und genau deshalb sind die Hochleistungstiere, obwohl sie genau daf\u00fcr gez\u00fcchtet wurden, schon nach wenigen Jahren am Ende ihrer Kr\u00e4fte. Es gibt also bereits biologische Gr\u00fcnde, warum man Tieren nicht einfach etwas nehmen kann, ohne ihnen eben etwas wegzunehmen.<\/p>\n<h6>Arbeitsteilung ist unumkehrbar<\/h6>\n<p class=\"article\">Spielen wir im Geiste eine letzte Strategie durch: K\u00f6nnten wir die Produktion von Milch und Eiern vielleicht auf das Niveau von vor anderthalb Jahrhunderten herunterfahren, mit den Tieren leben wie zum Beispiel fr\u00fchere Kleinbauern oder Nomaden? Wir sind aber keine Gesellschaft von Kleinbauern und Nomaden!<\/p>\n<p class=\"article\">Die Industriegesellschaft ist ungleich st\u00e4rker arbeitsteilig organisiert. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielten auch arme Stadtbewohner in ihrem Hinterhof Tiere, und die Arbeit mit diesen Tieren lohnte, weil jeder Haushalt kleine Mengen f\u00fcr sich und h\u00f6chstens einige wenige andere Haushalte entnahm. Das waren Zeiten, in denen die Menschen ihre Kleider mit der Hand wuschen und zigfach flickten; dieses Verh\u00e4ltnis von Arbeitszeit zu Ertrag ist f\u00fcr uns heute undenkbar.<\/p>\n<p class=\"article\">In fr\u00fcheren Zeiten der Menschheit und noch bis in die fr\u00fche Neuzeit waren 95 und mehr Prozent der Bev\u00f6lkerung Bauern. Ein Landwirt erzeugte um 1900 mit seiner Arbeit Nahrungsmittel f\u00fcr etwa vier Menschen, 1960 waren es 17 Menschen und heute sind es sogar 133. Diese Leistungssteigerung lie\u00df sich nur durch den technologischen Umbau und die Industrialisierung der Landwirtschaft erreichen \u2013 dazu z\u00e4hlen auch die Haltung und bereits die Zucht der Tiere. Allein diese Zucht aber f\u00fchrt zu gro\u00dfen k\u00f6rperlichen Belastungen f\u00fcr die Tiere. Wir k\u00f6nnen dieses Leistungsverh\u00e4ltnis nicht beliebig zur\u00fcckdrehen.<\/p>\n<p class=\"article\">Praktisch ist es schlicht nicht m\u00f6glich, tierische Nahrungsmittel in der bisherigen Menge \u201efair\u201c zu erwirtschaften \u2013 auch nicht ann\u00e4hernd in diesen Mengen. Was heute jeden Tag verzehrt wird, w\u00e4re eine Kostbarkeit wie etwa Tr\u00fcffel. Man w\u00fcrde einmal die Woche ein paar Gramm K\u00e4se essen. Ja, so etwas k\u00f6nnte man vielleicht machen. Aber w\u00e4re das dann noch eine ovolaktische Ern\u00e4hrungsweise und nicht eine pflanzliche Ern\u00e4hrung mit Ausnahmen in Form schmerzlich teurer Delikatessen? W\u00fcrde man das bisschen K\u00e4se dann nicht einfach ganz weglassen? Und wieso fangen wir damit nicht heute schon an?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bodenhaltung? Diese H\u00fchner stellen die Frage artgerechter Haltung ganz neu.\u00a0 Bild:\u00a0 dpa Es braucht keine komplexen Theorien, um festzustellen: Die Tiere, die uns heute Fleisch, Eier, Milch, Wolle oder Leder \u201eliefern\u201c, f\u00fchren ein erb\u00e4rmliches Leben. Wenn Privatpersonen ihre Hunde oder Katzen so hielten, w\u00fcrden wir von Tierqu\u00e4lerei sprechen. Und wer Tierqu\u00e4lerei nicht unterst\u00fctzen will, sollte die entsprechenden Produkte nicht konsumieren. So einfach ist es eigentlich.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,40,51,64],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13738"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13738"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13741,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13738\/revisions\/13741"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}