{"id":152,"date":"2008-04-20T17:33:05","date_gmt":"2008-04-20T15:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2008\/04\/20\/mein-fahrrad-und-ich\/"},"modified":"2022-08-24T06:52:18","modified_gmt":"2022-08-24T04:52:18","slug":"mein-fahrrad-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2008\/04\/mein-fahrrad-und-ich\/","title":{"rendered":"Mein Fahrrad und ich"},"content":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber vierzig Jahren, seit ich mein erstes Rad erstand, der Marke Ursus, ein Klapprad, bin ich begeisterte Fahrradfahrerin.<br \/>\nIm Sommer 2001 fiel mir dies nicht mehr ganz so leicht mit etwas zu schnellem, unausgeglichenen, zappeligen Puls und einer K\u00f6rpertemperatur kurz unterhalb 37 Grad. Die Vorboten der Schweissausbr\u00fcche und der Hitzewallungen hatten mich im Griff. Aber ich fuhr trotz allem stur weiter bis, ja, bis zu dem Tag im Herbst, als mir mein Rad in einer recht noblen Gegend Bremens w\u00e4hrend eines Besuchs bei meiner \u00c3rztin geklaut wurde. Jetzt sa\u00df ich wirklich auf dem Trockenen. Das war kein kleiner Schock. Sich beschissen zu f\u00fchlen und zus\u00e4tzlich platt gelegt werden durch ein gestohlenes Rad. Der Hammer musste erst einmal verkraftet werden.<!--more--><br \/>\nHektisch begann ich nach einem Ersatzrad zu suchen. Aber immer, wenn man etwas zu \u00fcbertrieben schnell haben will, klappt es nicht. So auch dies Mal. Ich fand zwar etwas ann\u00e4hernd Gleichwertiges, jedoch musste dieses Rad extra f\u00fcr mich hergestellt werden. Das brauchte Zeit. Kurz nach dieser Entdeckung packte mich eine Grippe mit anschlie\u00dfender Lungenentz\u00c3\u00bcndung. Gleichzeitig und anschlie\u00dfend hatten mich die Wechseljahre im Griff.<br \/>\nZwar \u00fcberhaupt noch nicht in der Lage Rad zu fahren, bestellte ich beim Fahrradh\u00e4ndler um die Ecke ein Fahrrad. Drei Wochen dauerte es, bis mein Mann es abholen konnte. Ein ganz schlichtes silberfarbenes Rad, mein Fahrrad&#8230;.. Ich hatte wieder ein eigenes Rad!!!<br \/>\nDas Dumme war nur, ich war noch l\u00e4ngst nicht fit genug, um es auszuprobieren und die Strasse einmal auf und ab zu fahren, geschweige denn, eine kurze Tour damit zu machen. Das war zwar schmerzlich, jedoch war das Gef\u00fchl, \u00fcberhaupt wieder ein Rad zu haben viel wichtiger. Es stand da und wartete auf mich, bis ich es wieder benutzen konnte.<br \/>\nMeinem Mann war dies mehr als unverst\u00e4ndlich. Ein Rad zu kaufen und einfach nur hinzustellen war f\u00fcr ihn der blanke Irrsinn.<br \/>\nNoch ein ganzes Jahr brauchte es, bis ich im Sommer darauf eines Vormittags den Mut fand, unbemerkt von meiner Familie mich auf mein neues Fahrrad zu setzen und einmal ganz kurz um den Block zu fahren. Das klappte noch ganz gut, ohne viel Schwei\u00df. Ein paar Tage sp\u00e4ter traute ich mich dann etwa zwei Kilometer zu fahren und schwitzte dabei wie ein Tier. Ich kam v\u00f6llig schwei\u00dfnass zu Hause an. Es war ganz sch\u00f6n frustrierend. So schwer es mir auch fiel, ich musste warten, bis es meinem K\u00f6rper gefiel, weniger Schwei\u00dfausbr\u00fcche zu haben.<br \/>\nWieder stand mein Rad ein ganzes Jahr ungenutzt herum, bis zum kommenden Sommer, 2004. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fuhr zu meinen Zahnarztterminen einen Kilometer hin und mit einem kleinen Umweg hinterher wieder zur\u00fcck nach Hause. Das war genau die Strecke, die ich ohne gro\u00df unter Wasser zu stehen bew\u00e4ltigen konnte. Mein Mut wurde gr\u00f6\u00dfer und ich wagte mit meinem Mann zwei sonnt\u00e4gliche Radausfl\u00fcge, die nicht so glimpflich f\u00fcr mich abliefen und mich wieder zur\u00fcck warfen. Es war deprimierend. Ich kam mir mehr als bescheuert vor, nicht wie noch ein paar Jahre zuvor normale Strecken bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Nach jeder Fahrt war ich mehr als ersch\u00f6pft.<br \/>\nEines Morgens merkte ich mit Erschrecken, der Fahrradklau hatte wieder mal zugeschlagen, der Platz, an dem mein Fahrrad gestanden hatte, war erschreckend leer. Es war weg! Einfach weg! Ich konnte es zun\u00e4chst kaum fassen. Wieder hatte ich kein Fahrrad. Es hatte wohl entschieden zu lange unbenutzt in unserem Vorgarten herumgestanden.<br \/>\nBei eBay ersteigerte ich v\u00f6llig \u00fcberst\u00fcrzt ein neues Rad, mit dem ich nicht klar kam und es schlie\u00dflich mit dem meiner Tochter tauschte. Der Schock sa\u00df.<br \/>\nIch machte mich also daran, mein neues Rad regelm\u00e4\u00dfig zu benutzen. Die erste Tour f\u00fchrte mich zum Fahrradh\u00e4ndler, um mir einen Lenkerkorb zu kaufen. Von da an fuhr ich zwei oder drei Mal die Woche kleine Strecken, um mich zu testen und auch meine Kondition ganz, ganz langsam zu verbessern. Ich begann wirklich noch einmal ganz von vorn mit dem Radfahren und es klappte pl\u00f6tzlich irgendwie. Ich verl\u00e4gerte meine Touren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Mal ging es besser, mal schlechter. Wenn es mir zu anstrengend wurde und wird, gestatte ich mir mein Fahrrad ein k\u00fcrzeres oder l\u00e4ngeres St\u00fcck zu schieben.<br \/>\nInzwischen bin ich sportlicher denn je. Drehe t\u00e4glich, wenn es das Wetter zul\u00e4sst meine Touren und sie werden immer l\u00e4nger. Ich habe mir mein Fahrrad zur\u00fcck erobert.<br \/>\nJetzt zum Schluss noch etwas Grunds\u00e4tzliches zum Sport\u009d in den Wechseljahren. Sportliche Bewegung ist wirklich sinnvoll, jedoch hat alles, wie meine Geschichte glaube ich deutlich gemacht hat, seine Zeit. Jemand, der bei jeder Gelegenheit vor Schwei\u00df trieft und dessen Kreislauf auch ohne k\u00f6rperliche Bewegung auf Hochtouren l\u00e4uft, hat bestimmt keinen Spa\u00df an Sport und auch keine Energie zu gr\u00f6\u00dferer k\u00f6rperlicher Bet\u00e4tigung und sollte dies dann auch unterlassen. Schwei\u00dfausbr\u00fcche werden auch nicht verhindert oder weniger durch Sport, welcher Art auch immer. Im Gegenteil, Sport ist erst dann m\u00f6glich, wenn der K\u00f6rper nicht schon durch Hitzewallungen und Schwei\u00dfausbr\u00fcche auf Hochtouren l\u00e4uft.<br \/>\nMit anderen Worten, ich konnte deshalb mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Fahrradtraining beginnen, weil meine Hormonumstellung schon so weit gediehen war, dass mein K\u00f6rper mir dies gestattete. Mein Organismus ger\u00e4t, w\u00e4hrend meiner Touren immer noch mal mehr, mal weniger stark in Wallung, besonders in der warmen Jahreszeit, aber dies h\u00e4lt sich insgesamt in Grenzen, was es vor ein paar Jahren noch nicht tat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber vierzig Jahren, seit ich mein erstes Rad erstand, der Marke Ursus, ein Klapprad, bin ich begeisterte Fahrradfahrerin. Im Sommer 2001 fiel mir dies nicht mehr ganz so leicht mit etwas zu schnellem, unausgeglichenen, zappeligen Puls und einer K\u00f6rpertemperatur kurz unterhalb 37 Grad. Die Vorboten der Schweissausbr\u00fcche und der Hitzewallungen hatten mich im Griff. Aber ich fuhr trotz allem stur weiter bis, ja, bis zu dem Tag im Herbst, als mir mein Rad in einer recht noblen Gegend Bremens w\u00e4hrend eines Besuchs bei meiner \u00c3rztin geklaut wurde. Jetzt sa\u00df ich wirklich auf dem Trockenen. Das war kein kleiner Schock. Sich beschissen zu f\u00fchlen und zus\u00e4tzlich platt gelegt werden durch ein gestohlenes Rad. Der Hammer musste erst einmal verkraftet werden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=152"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23219,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/152\/revisions\/23219"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}