{"id":15813,"date":"2015-06-01T07:08:53","date_gmt":"2015-06-01T05:08:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=15813"},"modified":"2015-06-01T07:13:43","modified_gmt":"2015-06-01T05:13:43","slug":"freihandelttip-ist-schon-realitaet-die-eu-unterhaendler-versichern-ttip-und-ceta-werden-keine-europaeische-standards-verwaessern-dabei-wurden-umwelt-und-nahrungssicherheitsregeln-laengst-geschwaec","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2015\/06\/freihandelttip-ist-schon-realitaet-die-eu-unterhaendler-versichern-ttip-und-ceta-werden-keine-europaeische-standards-verwaessern-dabei-wurden-umwelt-und-nahrungssicherheitsregeln-laengst-geschwaec\/","title":{"rendered":"FreihandelTTIP ist schon Realit\u00e4t  Die EU-Unterh\u00e4ndler versichern: TTIP und Ceta werden keine europ\u00e4ische Standards verw\u00e4ssern. Dabei wurden Umwelt- und Nahrungssicherheitsregeln l\u00e4ngst geschw\u00e4cht. von Bas van Beek, Sophia Beunder und Jilles Mast"},"content":{"rendered":"<h2><a href=\"http:\/\/http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2015-05\/ttip-ceta-kosten\"><strong>EIN ZEIT ONLINE ARTIKEL<\/strong><\/a><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schmutzige Luft sind die Einwohner von Muskiz, einem Dorf in der N\u00e4he der spanischen Stadt Bilbao, gew\u00f6hnt. Seit 30 Jahren gehen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer wieder Ascheflocken auf ihre H\u00e4user nieder, ausgesto\u00dfen von den Schornsteinen der Petronor-Raffinerie, die zum multinationalen Konzern Repsol geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Im vergangenen Sommer war es besonders schlimm. &#8220;Ganze Stra\u00dfenz\u00fcge waren von einer dicken Schicht Asche bedeckt: H\u00e4user, Stra\u00dfen und Autos. Die Asche war \u00fcberall&#8221;, sagt Martin Manxto aus Bilbao. Der Grund waren Frachter, die seit Anfang Juni 2014 \u00d6l aus Teersanden in die Hafenstadt brachten. Der erste hatte Anfang Juni 2014 angelegt, mit 600.000 Barrel kanadischem Teersand-\u00d6l an Bord. Die Raffinerie hatte sichtlich Probleme, diese besonders schwere Form des Roh\u00f6ls zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Noch im Jahr 2012 importierte Europa maximal 4.000 Barrel Teersande t\u00e4glich. Aber die Menge wird aller Voraussicht nach stark zunehmen. Die Teersande kommen in unverarbeitetem Zustand aus Kanada, und in Form von Diesel oder Benzin aus den USA. Die kanadische Umweltschutzorganisation Natural Resources Defence Council prognostiziert, dass sich die Einfuhren bis zum Jahr 2020 auf enorme 725.000 Barrel pro Tag erh\u00f6hen werden.<\/p>\n<p>Handelsvertr\u00e4ge wie TTIP und Ceta spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Die Vertr\u00e4ge<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich dienten solche Vertr\u00e4ge dazu, klassische Handelsbarrieren aus dem Weg zu r\u00e4umen, zum Beispiel Quoten und Einfuhrsteuern. Heute aber haben die Verhandlungen ein anderes Ziel. Sie sollen unterschiedliche Regeln einheitlicher machen und so den Handel erleichtern. In den noch laufenden Verhandlungen zu TTIP ist das ein wichtiger Punkt.<br \/>\nDie Autoren<\/p>\n<p>geh\u00f6ren zur Plattform f\u00fcr Authentischen Journalismus (PAJ), einem Zusammenschluss einer Gruppe von jungen Rechercheuren, die durch kritische Berichterstattung zu einer gerechteren und demokratischeren Gesellschaft beitragen m\u00f6chten. Die Recherche zu Ceta und TTIP wurde dank Crowdfunding und Crowdsourcing via www.yournalism.nl realisiert, einer holl\u00e4ndischen Plattform f\u00fcr investigativen Journalismus.<\/p>\n<p>Handelskommissarin Cecilia Malmstr\u00f6m besteht darauf: Die Vereinheitlichung der Regeln &#8220;wird nicht auf Kosten von Umwelt, Gesundheit, Sicherheit oder Verbraucherschutz geschehen&#8221;. Doch trotz ihrer Beteuerungen sind die europ\u00e4ischen Klima- und Nahrungssicherheitsregeln wegen der Verhandlungen schon verw\u00e4ssert worden. Die Teersande, die nach Europa einsickern, sind daf\u00fcr nur ein Beispiel.<\/p>\n<p>Teersande<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Vorkommen von Teersanden \u2013 einer Mischung aus Sand, Ton und Erd\u00f6l \u2013 befinden sich in der kanadischen Provinz Alberta. \u00d6l aus Teersand ist besonders klimasch\u00e4dlich, denn durch die Verbrennung wird viel mehr Kohlendioxid frei als durch die Verbrennung konventionellen \u00d6ls.<\/p>\n<p>Nicht nur das Klima leide durch die Teersandindustrie, sondern auch die Bev\u00f6lkerung, sagt Allan Adam, das Oberhaupt der Athabasca Chipewyan First Nation. Die Trinkwasservorr\u00e4te seines Stamms seien gro\u00dffl\u00e4chig verschmutzt. &#8220;Wenn unsere Kinder im See schwimmen, bekommen sie Hautausschlag. Als ich klein war, konnte ich aus unseren Fl\u00fcssen trinken. Heute ist das undenkbar.&#8221; Die Menschen h\u00e4tten Gesundheitsprobleme, die Krebsrate sei gestiegen. &#8220;Die Industrie behauptet, sie sei nicht die einzige Ursache&#8221;, sagt Adam. &#8220;Aber unsere Untersuchungen kommen zu einem anderen Schluss.&#8221;<\/p>\n<p>Kanada ist der gr\u00f6\u00dfte Exporteur von \u00d6lsanden weltweit. In den vergangenen Jahren hat das Land viel in den Ausbau seiner Produktionskapazit\u00e4ten investiert, und es sucht nach neuen Exportm\u00e4rkten. Europa, auf den Import von Erd\u00f6l und seiner Derivate angewiesen, scheint vielversprechend.<\/p>\n<p>Bevor die Teersande aus Kanada in Europa ankommen, werden sie in Raffinerien in den USA weiterverarbeitet. Die meisten befinden sich in der N\u00e4he des Golfs von Mexiko. Auch f\u00fcr sie geht es um ein Riesengesch\u00e4ft: Im Jahr 2012 war der Benzin- und Dieselhandel mit Europa 32 Milliarden Dollar wert.<br \/>\nann mit all den anderen Handelsbereichen werden, wozu noch ein Wirtschaftsministerium, wozu ein Umweltministerium, alles kann per Erpressung geregelt werden. Nehmen wir uns heraus, das Trinkwasser sch\u00fctzen zu wollen, kann das Schiedsgericht einem z.B. US-Frackingunternehmen, Schadensersatz in Milliardenh\u00f6he gew\u00e4hren.<br \/>\nAch ja, wenn dann zuvor ein Anruf kommt, kann es sein, dass wir pl\u00f6tzlich zu was ganz anderem verpflichtet werden, um das abzuwenden, &#8220;sal\u00fc, je suis&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EIN ZEIT ONLINE ARTIKEL &nbsp; Schmutzige Luft sind die Einwohner von Muskiz, einem Dorf in der N\u00e4he der spanischen Stadt Bilbao, gew\u00f6hnt. Seit 30 Jahren gehen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer wieder Ascheflocken auf ihre H\u00e4user nieder, ausgesto\u00dfen von den Schornsteinen der Petronor-Raffinerie, die zum multinationalen Konzern Repsol geh\u00f6rt. Im vergangenen Sommer war es besonders schlimm. &#8220;Ganze Stra\u00dfenz\u00fcge waren von einer dicken Schicht Asche bedeckt: H\u00e4user, Stra\u00dfen und Autos. Die Asche war \u00fcberall&#8221;, sagt Martin Manxto aus Bilbao. Der Grund waren Frachter, die seit Anfang Juni 2014 \u00d6l aus Teersanden in die Hafenstadt brachten. Der erste hatte Anfang Juni 2014 angelegt, mit 600.000 Barrel kanadischem Teersand-\u00d6l an Bord. Die Raffinerie hatte sichtlich Probleme, diese besonders schwere Form des Roh\u00f6ls zu verarbeiten. Noch im Jahr 2012 importierte Europa maximal 4.000 Barrel Teersande t\u00e4glich. Aber die Menge wird aller Voraussicht nach stark zunehmen. Die Teersande kommen in unverarbeitetem Zustand aus Kanada, und in Form von Diesel oder Benzin aus den USA. Die kanadische Umweltschutzorganisation Natural Resources Defence Council prognostiziert, dass sich die Einfuhren bis zum Jahr 2020 auf enorme 725.000 Barrel pro Tag erh\u00f6hen werden. Handelsvertr\u00e4ge wie TTIP und Ceta spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Die Vertr\u00e4ge Urspr\u00fcnglich dienten solche Vertr\u00e4ge dazu, klassische Handelsbarrieren aus dem Weg zu r\u00e4umen, zum Beispiel Quoten und Einfuhrsteuern. Heute aber haben die Verhandlungen ein anderes Ziel. Sie sollen unterschiedliche Regeln einheitlicher machen und so den Handel erleichtern. In den noch laufenden Verhandlungen zu TTIP ist das ein wichtiger Punkt. Die Autoren geh\u00f6ren zur Plattform f\u00fcr Authentischen Journalismus (PAJ), einem Zusammenschluss einer Gruppe von jungen Rechercheuren, die durch kritische Berichterstattung zu einer gerechteren und demokratischeren Gesellschaft beitragen m\u00f6chten. Die Recherche zu Ceta und TTIP wurde dank Crowdfunding und Crowdsourcing via www.yournalism.nl realisiert, einer holl\u00e4ndischen Plattform f\u00fcr investigativen Journalismus. Handelskommissarin Cecilia Malmstr\u00f6m besteht darauf: Die Vereinheitlichung der Regeln &#8220;wird nicht auf Kosten von Umwelt, Gesundheit, Sicherheit oder Verbraucherschutz geschehen&#8221;. Doch trotz ihrer Beteuerungen sind die europ\u00e4ischen Klima- und Nahrungssicherheitsregeln wegen der Verhandlungen schon verw\u00e4ssert worden. Die Teersande, die nach Europa einsickern, sind daf\u00fcr nur ein Beispiel. Teersande Die gr\u00f6\u00dften Vorkommen von Teersanden \u2013 einer Mischung aus Sand, Ton und Erd\u00f6l \u2013 befinden sich in der kanadischen Provinz Alberta. \u00d6l aus Teersand ist besonders klimasch\u00e4dlich, denn durch die Verbrennung wird viel mehr Kohlendioxid frei als durch die Verbrennung konventionellen \u00d6ls. Nicht nur das Klima leide durch die Teersandindustrie, sondern auch die Bev\u00f6lkerung, sagt Allan Adam, das Oberhaupt der Athabasca Chipewyan First Nation. Die Trinkwasservorr\u00e4te seines Stamms seien gro\u00dffl\u00e4chig verschmutzt. &#8220;Wenn unsere Kinder im See schwimmen, bekommen sie Hautausschlag. Als ich klein war, konnte ich aus unseren Fl\u00fcssen trinken. Heute ist das undenkbar.&#8221; Die Menschen h\u00e4tten Gesundheitsprobleme, die Krebsrate sei gestiegen. &#8220;Die Industrie behauptet, sie sei nicht die einzige Ursache&#8221;, sagt Adam. &#8220;Aber unsere Untersuchungen kommen zu einem anderen Schluss.&#8221; Kanada ist der gr\u00f6\u00dfte Exporteur von \u00d6lsanden weltweit. In den vergangenen Jahren hat das Land viel in den Ausbau seiner Produktionskapazit\u00e4ten investiert, und es sucht nach neuen Exportm\u00e4rkten. Europa, auf den Import von Erd\u00f6l und seiner Derivate angewiesen, scheint vielversprechend. Bevor die Teersande aus Kanada in Europa ankommen, werden sie in Raffinerien in den USA weiterverarbeitet. Die meisten befinden sich in der N\u00e4he des Golfs von Mexiko. 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