{"id":16577,"date":"2015-10-30T07:43:11","date_gmt":"2015-10-30T05:43:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=16577"},"modified":"2015-10-30T07:43:11","modified_gmt":"2015-10-30T05:43:11","slug":"bund-analyse-das-zulassungsverfahren-fuer-glyphosat-gehoert-reformiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2015\/10\/bund-analyse-das-zulassungsverfahren-fuer-glyphosat-gehoert-reformiert\/","title":{"rendered":"BUND-Analyse: Das Zulassungsverfahren f\u00fcr Glyphosat geh\u00f6rt reformiert"},"content":{"rendered":"<p>Studie<br \/>\nBUND-Analyse: Das Zulassungsverfahren f\u00fcr Glyphosat geh\u00f6rt reformiert<\/p>\n<p>Pestizideinsatz; Foto: Erich Westendarp \/ pixelio.de<br \/>\n&#8220;Wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen&#8221; \u2013 doch weiterhin als Spritzmittel zugelassen? Glyphosat-Einsatz in der Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Wie kommt es, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als &#8220;wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen&#8221; einstuft, das f\u00fcr die gesundheitliche Bewertung des Wirkstoffes in der EU zust\u00e4ndige Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) jedoch Unbedenklichkeit attestiert? Ein Grund ist: Die Beh\u00f6rde folgt in ihrer Einsch\u00e4tzung eng der Pestizidindustrie, wie eine neue BUND-Analyse aufdeckt.<\/p>\n<p>In der Analyse zeigt sich, dass die Zulassungsbeh\u00f6rden jede kritische Distanz zur Industrie vermissen lassen, obwohl sie eigentlich dem Verbraucher- und Umweltschutz verpflichtet sind. Gemeinsam mit den Herstellern spielt das BfR die Gesundheitsgefahren von Glyphosat immer wieder herunter. Jede neue Ver\u00f6ffentlichung, die auf eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung hinweist, wird als unwissenschaftlich diskreditiert. Dies ist m\u00f6glich, da die Hersteller im derzeitigen Zulassungsverfahren bei unabh\u00e4ngigen Studien eine Vorauswahl treffen und \u00fcber die Relevanz der Studien urteilen d\u00fcrfen. De facto diskreditieren sie so alle unabh\u00e4ngigen Studien.<br \/>\nGlyphosat sch\u00e4digt Regenw\u00fcrmer \u2013 Beh\u00f6rden spielen die Gefahr herunter<!--more--><br \/>\nRegenwurm auf der Hand; Foto: Michael Wallraf \/ pitopia.de<\/p>\n<p>Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel beeintr\u00e4chtigen die Aktivit\u00e4t und Fortpflanzung von Regenw\u00fcrmern gravierend. Dies geht aus einer Studie eines Forscherteams der Universit\u00e4t f\u00fcr Bodenkultur (BOKU) hervor. Brisant dabei ist: Die Zulassungsbeh\u00f6rden behaupten das Gegenteil. Denn sie ziehen auch in dieser Frage zur Risiko\u00adabsch\u00e4tzung vor allem Industriestudien heran.<\/p>\n<p>Deshalb hat Global 2000, die \u00f6sterreichische Partnerorganisation des BUND, Ende Oktober 2015 die Untersuchungsmethode der BOKU-Studie mit denen der im Zulassungsverfahren zugrunde gelegten Industriestudien verglichen. Ergebnis: Mit den realit\u00e4tsfernen Versuchsanordnungen im Zulassungsverfahren lie\u00dfen sich &#8220;auch in hundert Jahren noch keine negativen Auswirkungen der untersuchten Produkte auf Regenw\u00fcrmer nachweisen&#8221;. Die BOKU-Studie dagegen ist eine wirklichkeitsnahe Feldstudie \u2013 und sie beweist, dass Regenw\u00fcrmer durch Glyphosat massiv gesch\u00e4digt werden. Und damit auch die Umwelt, denn Regenw\u00fcrmer sind eine Schl\u00fcsselspezies f\u00fcr Bodengesundheit und Fruchtbarkeit.<\/p>\n<p>Mehr Informationen zur Untersuchung von Global 2000<br \/>\nDie Bewertung von Glyphosat wird von der Industrie gesteuert<\/p>\n<p>Das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) in Berlin; Foto: BfR \/ CC BY-SA 3.0<br \/>\nDas Bundesinstitut f\u00fcr Risiko-bewertung (BfR) in Berlin; Foto: BfR \/ CC BY-SA 3.0<\/p>\n<p>Die Einsch\u00e4tzung der WHO-Experten, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist, st\u00fctzt sich ausschlie\u00dflich auf unabh\u00e4ngige Studien. Das BfR folgt der Beurteilung durch die Industrie. Es hat f\u00fcr die Bewertung des Wirkstoffes fast ausschlie\u00dflich Hersteller-Studien herangezogen, die wiederum vor der \u00d6ffentlichkeit geheim gehalten werden.<\/p>\n<p>Das BfR ber\u00fccksichtigt wichtige unabh\u00e4ngige Studien, die die Glyphosat-Gefahren benennen, nicht oder wertet sie fehlerhaft aus, wie auch eine Untersuchung des Toxikologen Peter Clausing im Auftrag der Organisationen Campact und dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) zeigt. Der BfR-Bericht ist die wesentliche Grundlage f\u00fcr die Entscheidung, ob Glyphosat in der EU f\u00fcr weitere zehn Jahre oder l\u00e4nger zugelassen wird.<\/p>\n<p>Der BUND fordert das BfR auf, auf die Pestizidhersteller einzuwirken, ihre Studien offenzulegen und so eine \u00dcberpr\u00fcfung durch unabh\u00e4ngige Wissenschaftler zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat der BUND in einem Brief an die &#8220;Glyphosat-Taskforce&#8221;, ein Zusammeschluss der Pestizidindustrie, die Hersteller aufgefordert, die f\u00fcr das Zulassungsverfahren eingereichten Studien umgehend zu ver\u00f6ffentlichen.<br \/>\nZudem muss das Zulassungsverfahren f\u00fcr die Zukunft radikal reformiert werden:<\/p>\n<p>Die EU-Gesetzgebung muss so ge\u00e4ndert werden, dass Risikobewertungen im Zulassungsverfahren nur noch von unabh\u00e4ngigen wissenschaftlichen Instituten durchgef\u00fchrt werden, nicht mehr von den Herstellern selbst.<br \/>\nDiese Studien m\u00fcssen \u00fcber einen industrieunabh\u00e4ngig verwalteten Fonds finanziert werden, der sich aus Geb\u00fchren der antragstellenden Firmen speist.<\/p>\n<p>Mehr Informationen<\/p>\n<p>BUND-Analyse &#8220;&#8216;Note &#8216;Mangelhaft&#8217;: Das EU-Zulassungsverfahren f\u00fcr Glyphosat&#8221; herunterladen (PDF)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie BUND-Analyse: Das Zulassungsverfahren f\u00fcr Glyphosat geh\u00f6rt reformiert Pestizideinsatz; Foto: Erich Westendarp \/ pixelio.de &#8220;Wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen&#8221; \u2013 doch weiterhin als Spritzmittel zugelassen? Glyphosat-Einsatz in der Landwirtschaft. Wie kommt es, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als &#8220;wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen&#8221; einstuft, das f\u00fcr die gesundheitliche Bewertung des Wirkstoffes in der EU zust\u00e4ndige Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) jedoch Unbedenklichkeit attestiert? Ein Grund ist: Die Beh\u00f6rde folgt in ihrer Einsch\u00e4tzung eng der Pestizidindustrie, wie eine neue BUND-Analyse aufdeckt. In der Analyse zeigt sich, dass die Zulassungsbeh\u00f6rden jede kritische Distanz zur Industrie vermissen lassen, obwohl sie eigentlich dem Verbraucher- und Umweltschutz verpflichtet sind. Gemeinsam mit den Herstellern spielt das BfR die Gesundheitsgefahren von Glyphosat immer wieder herunter. Jede neue Ver\u00f6ffentlichung, die auf eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung hinweist, wird als unwissenschaftlich diskreditiert. 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