{"id":16987,"date":"2016-01-11T06:18:57","date_gmt":"2016-01-11T04:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=16987"},"modified":"2016-01-11T06:18:57","modified_gmt":"2016-01-11T04:18:57","slug":"die-uebergriffe-auf-frauen-haben-auch-etwas-mit-dem-islam-zu-tun-sagt-hamed-abdel-samad-die-strenge-sexualmoral-die-hierarchisierung-und-geschlechterapartheid-schlage-sich-oft-ins-gegenteil-um-ein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2016\/01\/die-uebergriffe-auf-frauen-haben-auch-etwas-mit-dem-islam-zu-tun-sagt-hamed-abdel-samad-die-strenge-sexualmoral-die-hierarchisierung-und-geschlechterapartheid-schlage-sich-oft-ins-gegenteil-um-ein\/","title":{"rendered":"Die \u00dcbergriffe auf Frauen haben auch etwas mit dem Islam zu tun, sagt Hamed Abdel-Samad. Die strenge Sexualmoral, die Hierarchisierung und Geschlechterapartheid schlage sich oft ins Gegenteil um. Eine Religion, die die Frau entweder als Besitz oder Gefahr sieht, ist Teil des Problems"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Hamed Abdel-Samad fordert eine offene Debatte \u00fcber die konservative Sexualmoral im Islam \" src=\"http:\/\/www.cicero.de\/sites\/default\/files\/styles\/large\/public\/field\/image\/40688526.jpg?itok=v3hhtVdO\" alt=\"Hamed Abdel-Samad fordert eine offene Debatte \u00fcber die konservative Sexualmoral im Islam \" \/><\/p>\n<p>Ein Cicero Artikel<\/p>\n<div class=\"author-ref\"><span class=\"field-cc-author\">Von <a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/autoren\/abdel-samad-hamed\"> Hamed Abdel-Samad<\/a><\/span><span class=\"article-date\">8. Januar 2016<\/span><\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div>\n<div class=\"image-container\"><\/div>\n<p>28 Kommentare<\/p>\n<p>Man muss nicht zu jedem Thema Stellung beziehen. Vor allem, wenn noch nicht alle Fakten und Details auf dem Tisch liegen. Ich habe mich bis jetzt zu den Ereignissen in K\u00f6ln nicht ge\u00e4u\u00dfert, weil mir dieses Thema emotional nahegeht, und ich lieber meine Meinung sage, statt mein Empfinden publik zu machen. Dennoch will ich ein paar Worte zum Thema der sexuellen Bel\u00e4stigung insgesamt verlieren.<\/p>\n<p>Ich komme aus \u00c4gypten, wo sexuelle Bel\u00e4stigung f\u00fcr Frauen ein unertr\u00e4gliches Ausma\u00df erreicht hatte, weil man dieses Ph\u00e4nomen am Anfang entweder verschwiegen oder verharmlost hatte. Zum einen wollte man nicht zugeben, dass in einer vermeintlich moralisch-religi\u00f6sen Gesellschaft viele Frauen sexuell bel\u00e4stigt werden. Zum anderen hatte man Angst um den Tourismus, der eine der Hauptquellen des Einkommens des Landes ist. Man ging sogar noch weiter und machte die Opfer selbst f\u00fcr das Ph\u00e4nomen verantwortlich. Wegen ihrer Art, sich zu kleiden. Die Verlogenheit und die Angst um das eigene Image hatten dazu gef\u00fchrt, dass aus einem kleinen Ph\u00e4nomen eine Epidemie geworden ist. \u00dcber 95 Prozent aller \u00c4gypterinnen berichten heute von allt\u00e4glichen Erfahrungen mit sexueller Bel\u00e4stigung und N\u00f6tigung.<br \/>\nDas hat nichts mit dem Islam zu tun?<!--more--><\/p>\n<p>Ich habe in meinen B\u00fcchern versucht, die Ursachen dieser Epidemie zu erkl\u00e4ren. Vor allem bin ich der Frage nachgegangen, inwieweit das Ph\u00e4nomen mit dem Islam zu tun hat.<\/p>\n<p>Ich war in \u00c4gypten und Marokko Zeuge einiger F\u00e4lle kollektiver Bel\u00e4stigung. Fast ausnahmslos handelte es sich dabei nicht um religi\u00f6se Jugendliche, sondern um kleine Gruppen, die oft unter Drogeneinfluss standen. Es ist einem gl\u00e4ubigen Muslim untersagt, eine fremde Frau anzufassen, sogar wenn sie die eigene Verlobte ist. Strenggl\u00e4ubigen Muslimen ist es sogar untersagt, einer Frau die Hand zu geben. Salafisten in \u00c4gypten meinen sogar, dass ein Mann im Bus den Sitz nicht einnehmen darf, den eine Frau gerade verlassen hat, weil die W\u00e4rme ihres K\u00f6rpers ihn sexuell erregen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, kann man nicht sagen, dass die sexuelle Bel\u00e4stigung nichts mit dem Islam zu tun hat. Denn diese strenge Sexualmoral, die Hierarchisierung und die Geschlechterapartheid schl\u00e4gt sich auch oft ins Gegenteil um. Eine Religion, die die Frau entweder als Besitz des Mannes oder als eine Gefahr f\u00fcr seine Moral sieht, ist mitverantwortlich.<\/p>\n<p>Vor 40 Jahren trug kaum eine Frau in Kairo ein Kopftuch. \u00d6ffentliche sexuelle Bel\u00e4stigung gab es damals so gut wie nie. Heute ist kaum eine Frau unverschleiert und dennoch werden Frauen auf offener Stra\u00dfe bedr\u00e4ngt und begrapscht. Das gilt f\u00fcr Iran, Afghanistan, Pakistan und genauso f\u00fcr die meisten anderen islamischen L\u00e4nder, die auf der Top-Liste der sexuellen Bel\u00e4stigung in der Welt ganz oben stehen. Auch im reichen Saudi-Arabien ist das Ph\u00e4nomen weit verbreitet. Man k\u00f6nnte hier einen direkten Zusammenhang zwischen Verschleierung und sexueller Bel\u00e4stigung vermuten. Es hat mit dem real existierenden Islam zu tun, aber nicht nur. Denn auch in Indien ist diese Epidemie weit verbreitet. Es hat in erster Linie mit Hierarchie zu tun und mit einer Kultur, in der Frauen als minderwertig angesehen werden. Deshalb darf Indien nicht als Beispiel benutzt werden, um das Problem unter Muslimen zu relativieren.<br \/>\nPornosternchen aus dem Internet<\/p>\n<p>Die junge Generation in der islamischen Welt ist in einer Dualit\u00e4t aufgewachsen. Zuhause und in der Moschee wird sie moralisch streng erzogen. M\u00e4nner und Frauen haben kaum eine Chance, eine gesunde, symmetrische Beziehung zueinander aufzubauen. Im Internet dagegen erleben sie eine Welt, in der es keine Grenzen zwischen Mann und Frau, in der es keine festgeschriebene Moral gibt. Islamische L\u00e4nder sind beim Konsum von Porno-Videos ganz oben auf der Liste. Diese Dualit\u00e4t schafft ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis der M\u00e4nner zu Frauen. Von dieser Dualit\u00e4t sind auch viele junge Muslime betroffen, die in geschlossenen Communities in Europa leben und dennoch den Verf\u00fchrungen einer offenen Gesellschaft ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Wir erleben seit Jahren Aufl\u00f6sungserscheinungen in der arabischen Welt. Das f\u00fchrt zu mehr Individualisierung. Durch Aufl\u00f6sungs- und Individualisierungsprozesse wurden vier Ph\u00e4nomene beschleunigt: der Terrorismus, die Protestbewegung, die Auswanderung und die sexuelle Bel\u00e4stigung. Alle vier Ph\u00e4nomene sind zur\u00fcckzuf\u00fchren auf den rasanten gesellschaftlichen Wandel. Weder der Staat noch die Familie k\u00f6nnen Versprechen gegen\u00fcber den eigenen Untertanen beziehungsweise Mitgliedern noch erf\u00fcllen. Weder Staat noch Familie haben ihre Untertanen mehr im Griff. Alle vier Gruppen f\u00fchlen sich von den eigenen L\u00e4ndern und von der ganzen Welt um ihr Recht auf ein w\u00fcrdiges Leben beraubt. Also gehen sie auf die Stra\u00dfe oder ins Meer und wollen mit der eigenen Hand das holen, was ihnen vermeintlich zusteht.<\/p>\n<p>Viele junge Araber verlassen ihre zugrunde gehenden L\u00e4nder und kommen nach Europa. Die Mehrheit von ihnen will nur in Frieden und Wohlstand leben. Aber viele von ihnen kommen auch mit der Seuche der Dualit\u00e4t im Gep\u00e4ck: mit der Hoffnung auf Europa und der Verachtung seiner Werte. Mit konservativer Moralvorstellung und dem Wunsch nach Freiheit und Freiz\u00fcgigkeit. Da ihnen im Westen dann pl\u00f6tzlich die Gemeinschaft fehlt, die ihr moralisches Verhalten \u00fcberwachen kann, flippen sie aus, organisieren sich in Kleingruppen und bilden Ersatzgemeinschaften. Die einen werden Salafisten, die anderen werden Dealer, Stra\u00dfendiebe oder Frauenbegrapscher. Die einen sehen in den europ\u00e4ischen M\u00e4nnern nur die Kreuzritter, die den Islam zerst\u00f6ren wollen, die anderen sehen in den Frauen nur die Pornosternchen, die sie fr\u00fcher im Internet gesehen haben.<br \/>\nWir m\u00fcssen reden!<\/p>\n<p>Deutschland darf nun den Fehler nicht wiederholen, den \u00c4gypten begangen hat. Aus Angst vor Generalverdacht und Missbrauch vom rechten Rand h\u00e4lt man Hinweise zur\u00fcck. Nat\u00fcrlich, nicht alle Muslime und nicht alle Fl\u00fcchtlinge d\u00fcrfen f\u00fcr das Verbrechen einer kleinen Gruppe verantwortlich gemacht werden, aber genau diese Mehrheit der Muslime ist nun gefragt, sich endlich diesen Problemen der eigenen Communities zu widmen. Statt nach jedem Vorfall die eigentlichen Opfer zu vergessen und sich selbst und ihren friedlichen Islam als Opfer zu titulieren! Ich w\u00fcnsche mir mehr Ehrlichkeit in Bezug auf die Sexualmoral und das Gewaltpotential im Islam.<\/p>\n<p>Und wenn Deutschland nicht will, dass die Themen Islam und Fl\u00fcchtlinge vom rechten Rand instrumentalisiert werden, dann muss man endlich diese Themen in die Mitte der Gesellschaft tragen und offen und ehrlich dar\u00fcber reden! Ob Fundamentalismus oder sexuelle Bel\u00e4stigung, ob Integrationsverweigerung oder Kriminalit\u00e4t \u2013 wir haben ernsthafte Probleme. Vertuschen und Sch\u00f6nreden macht alles nur noch schlimmer!<\/p>\n<p>Frau Merkel, Herr Innenminister, \u00fcbernehmen Sie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Cicero Artikel Von Hamed Abdel-Samad8. Januar 2016 28 Kommentare Man muss nicht zu jedem Thema Stellung beziehen. Vor allem, wenn noch nicht alle Fakten und Details auf dem Tisch liegen. Ich habe mich bis jetzt zu den Ereignissen in K\u00f6ln nicht ge\u00e4u\u00dfert, weil mir dieses Thema emotional nahegeht, und ich lieber meine Meinung sage, statt mein Empfinden publik zu machen. Dennoch will ich ein paar Worte zum Thema der sexuellen Bel\u00e4stigung insgesamt verlieren. Ich komme aus \u00c4gypten, wo sexuelle Bel\u00e4stigung f\u00fcr Frauen ein unertr\u00e4gliches Ausma\u00df erreicht hatte, weil man dieses Ph\u00e4nomen am Anfang entweder verschwiegen oder verharmlost hatte. Zum einen wollte man nicht zugeben, dass in einer vermeintlich moralisch-religi\u00f6sen Gesellschaft viele Frauen sexuell bel\u00e4stigt werden. Zum anderen hatte man Angst um den Tourismus, der eine der Hauptquellen des Einkommens des Landes ist. Man ging sogar noch weiter und machte die Opfer selbst f\u00fcr das Ph\u00e4nomen verantwortlich. Wegen ihrer Art, sich zu kleiden. Die Verlogenheit und die Angst um das eigene Image hatten dazu gef\u00fchrt, dass aus einem kleinen Ph\u00e4nomen eine Epidemie geworden ist. \u00dcber 95 Prozent aller \u00c4gypterinnen berichten heute von allt\u00e4glichen Erfahrungen mit sexueller Bel\u00e4stigung und N\u00f6tigung. 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