{"id":17201,"date":"2016-03-04T07:31:09","date_gmt":"2016-03-04T05:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=17201"},"modified":"2016-03-04T07:31:09","modified_gmt":"2016-03-04T05:31:09","slug":"dieser-schrottreaktor-gehoert-abgeschaltet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2016\/03\/dieser-schrottreaktor-gehoert-abgeschaltet\/","title":{"rendered":"Dieser Schrottreaktor geh\u00f6rt abgeschaltet&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im franz\u00f6sischen AKW Fessenheim gab es 2014 eine \u00dcberschwemmung. Die Betreiberfirma stellte das Ereignis als harmlos dar. Doch nach Recherchen von WDR und &#8220;S\u00fcddeutscher Zeitung&#8221; k\u00f6nnte es einer der dramatischsten AKW-Unf\u00e4lle in Westeuropa gewesen sein.<\/p>\n<p>Von J\u00fcrgen D\u00f6schner, WDR<\/p>\n<p>Am 9. April 2014 um 17 Uhr gehen gleich mehrere Alarmsignale auf der Leitwarte des Reaktorblocks 1 in Fessenheim ein: Wassereinbruch auf mehreren Ebenen, Defekte an elektrischen Isolierungen, Ausfall eines der beiden Systeme zur Reaktorschnellabschaltung. Der Versuch, den Reaktor ordnungsgem\u00e4\u00df herunterzufahren scheitert &#8211; die Steuerst\u00e4be lassen sich nicht bewegen.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Es betrifft hier den Reaktorkern, also die Seele, die Zentrale der Anlage&#8221;, sagt Manfred Mertins, der seit Jahrzehnten als Sachverst\u00e4ndiger f\u00fcr Reaktorsicherheit t\u00e4tig ist. Er war lange Mitarbeiter der Gesellschaft f\u00fcr Reaktor- und Anlagensicherheit, GRS, die im Auftrag der Bundesregierung die Sicherheit von Atomkraftwerken beurteilt. &#8220;Wenn ich hier unterstelle, dass ein System schon ausgefallen war, muss ich sagen: Damit war die Abschaltung nicht mehr in dem vorgesehenen Umfang sichergestellt&#8221;, so Mertins. &#8220;Also insofern ein sehr ernstes Ereignis.&#8221;<br \/>\nTemperatur aus dem Ruder gelaufen<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Atomaufsicht schrieb wenige Tage nach dem Unfall an die Leitung des Kraftwerks einen Brief. Der Inhalt ist auch f\u00fcr Mertens erschreckend. &#8220;Es gibt eine Information, dass f\u00fcr etwa drei Minuten die Temperatur im Reaktorkern aus dem Ruder gelaufen ist. Das ist sicherlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass man keine Informationen mehr \u00fcber die Regelung im Kern hatte.&#8221; Die Mannschaft habe in diesem Moment den Reaktor quasi blind gefahren, sagt Mertins.<\/p>\n<p>Eine dramatische Situation, so sah es damals wohl auch der Kraftwerksbetreiber. Eiligst richtete er einen Krisenstab ein. Der entschied sich f\u00fcr eine ungew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahme: Um den Reaktor herunterzufahren, wird Bor in den Reaktorbeh\u00e4lter gegeben. Man zieht sozusagen die Notbremse, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Ein in Westeuropa einmaliger Vorgang, sagt Mertins.<br \/>\n&#8220;Es h\u00e4tte kein Wasser eindringen d\u00fcrfen&#8221;<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Folgen, auch die Ursachen des Unfalls erschrecken den Experten. Denn offenbar sind die diversen Steuersysteme ausgefallen, weil Wasser durch die Ummantelung von Elektrokabeln in verschiedene R\u00e4ume und in sicherheitsrelevante Schaltk\u00e4sten gelangen konnte. &#8220;Es h\u00e4tte kein Wasser eindringen d\u00fcrfen, insbesondere in die Leittechnikschr\u00e4nke des Reaktorschutzes. Dass ein Strang komplett ausgefallen ist, das geht gar nicht!&#8221;<\/p>\n<p>Sendungsbild<\/p>\n<p>#kurzerkl\u00e4rt<br \/>\nDie Gefahr benachbarter Atomkraftwerke<\/p>\n<p>Die Sicherheit seiner Atomkraftwerke beurteilt jeder EU-Staat alleine. Doch Radioaktivit\u00e4t h\u00e4lt sich nicht an L\u00e4ndergrenzen. Die Gefahr f\u00fcr Deutschland durch Kraftwerke in den Nachbarl\u00e4ndern erkl\u00e4rt Charlotte Gn\u00e4ndiger. | video<\/p>\n<p>Sowohl die franz\u00f6sische Atomaufsichtsbeh\u00f6rde ASN als auch die Betreiberfirma EDF haben seinerzeit die ganze Dramatik der Ereignisse vom 9. April 2014 der \u00d6ffentlichkeit vorenthalten. Der Ausfall der Steuerst\u00e4be und die so genannte &#8220;Notborierung&#8221; wurden nicht einmal der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde IAEA in Wien mitgeteilt.<br \/>\n&#8220;Dieser Schrottreaktor geh\u00f6rt abgeschaltet&#8221;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Vorsitzende der Gr\u00fcnen, Simone Peter ist das AKW Fessenheim nicht nur wegen dieses Vorfalls eine tickende Zeitbombe. &#8220;Ein Betreiber, der wie ein Hasardeur agiert, eine Aufsicht, die beide Augen zudr\u00fcckt, und ein AKW, das aus dem letzten Loch pfeift. Das ist nicht hinnehmbar&#8221;, sagt sie. &#8220;Das ist eine akute Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung auch in Deutschland. Dieser Schrottreaktor geh\u00f6rt abgeschaltet.&#8221;<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Vorsitzende fordert wegen der H\u00e4ufung von Zwischenf\u00e4llen in grenznahen Atomkraftwerken nun eine Neubewertung der Atomkraft in Europa und schl\u00e4gt einen europ\u00e4ischen Atomgipfel vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im franz\u00f6sischen AKW Fessenheim gab es 2014 eine \u00dcberschwemmung. Die Betreiberfirma stellte das Ereignis als harmlos dar. Doch nach Recherchen von WDR und &#8220;S\u00fcddeutscher Zeitung&#8221; k\u00f6nnte es einer der dramatischsten AKW-Unf\u00e4lle in Westeuropa gewesen sein. Von J\u00fcrgen D\u00f6schner, WDR Am 9. April 2014 um 17 Uhr gehen gleich mehrere Alarmsignale auf der Leitwarte des Reaktorblocks 1 in Fessenheim ein: Wassereinbruch auf mehreren Ebenen, Defekte an elektrischen Isolierungen, Ausfall eines der beiden Systeme zur Reaktorschnellabschaltung. Der Versuch, den Reaktor ordnungsgem\u00e4\u00df herunterzufahren scheitert &#8211; die Steuerst\u00e4be lassen sich nicht bewegen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,75,40,51,64],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17201"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17201"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17202,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17201\/revisions\/17202"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}