{"id":21199,"date":"2020-01-26T05:46:06","date_gmt":"2020-01-26T03:46:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=21199"},"modified":"2020-01-26T05:54:25","modified_gmt":"2020-01-26T03:54:25","slug":"greta-thunberg-wie-laecherlich-deutschlands-bekanntester-umweltchemiker-michael-braungart-ueber-den-weltuntergang-kompostierbare-sportschuhe-und-robert-habecks-umhaengetasche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2020\/01\/greta-thunberg-wie-laecherlich-deutschlands-bekanntester-umweltchemiker-michael-braungart-ueber-den-weltuntergang-kompostierbare-sportschuhe-und-robert-habecks-umhaengetasche\/","title":{"rendered":"Genau das ist die L\u00f6sung! Alles kompostierbar oder recyclebar machen, denn die Natur kennt keinen Abfall, und in den gro\u00dfen Kreislauf zur\u00fcck bringen&#8230;.."},"content":{"rendered":"<p>Flensburger Tageblatt &#8211; 18.01.2020<\/p>\n<p>W\u00fcrde sich \u00fcber den Chemienobelpreis freuen: Vordenker Michael Braungart. EPEA<\/p>\n<p>\u201eGreta Thunberg? Wie l\u00e4cherlich\u201c Deutschlands bekanntester Umweltchemiker Michael Braungart \u00fcber den Weltuntergang, kompostierbare Sportschuhe und Robert Habecks Umh\u00e4ngetasche<\/p>\n<p>Hamburg Er schwamm in der Nordsee, um D\u00fcnns\u00e4urefrachter zu stoppen, kletterte auf Schornsteine, um auf Umwelts\u00fcnden von Chemiekonzernen aufmerksam zu machen und gr\u00fcndete die Gr\u00fcnen mit: Michael Braungart begann als Greenpeace-Aktivist, heute arbeitet der 61-J\u00e4hrige aus einem B\u00fcro in Hamburg heraus an nichts weniger als einer Revolution, die Umwelt und Menschheit retten sollen. Markus Lorenz sprach mit dem Vordenker und \u00dcberzeugungst\u00e4ter.<\/p>\n<p>Herr Braungart, wollen Sie die Welt retten? Ach nein, die Welt muss nicht gerettet werden.<\/p>\n<p>Nanu? Man k\u00f6nnte den Eindruck haben, Sie tun alles daf\u00fcr . . . ?<\/p>\n<p>Die Leute machen die Katastrophe einfach nur gr\u00f6\u00dfer, damit sie selber wichtiger erscheinen. Es geht weder ums \u00dcberleben des Planeten noch der Menschheit.<!--more--><\/p>\n<p>Gar keine Angst vor den Folgen von Klimawandel und Umweltzerst\u00f6rung? Es stimmt schon, dass wir alles verlieren werden, was uns bei Tieren und Pflanzen besonders liebensw\u00fcrdig erscheint. Koalab\u00e4ren, Gorillas, Zebras, Giraffen, Wale, Delfine \u2013 alles wird aussterben. Aber viele S\u00e4ugetiere werden erhalten bleiben, ebenso die Kakerlaken etc. Wir verlieren aber durch Verteilungsk\u00e4mpfe das, was wir in 10 000 Jahren Zivilisation an W\u00fcrde geschaffen haben. Schlimm genug.<\/p>\n<p>Also: M\u00fcssen wir dringend handeln?<\/p>\n<p>Ja. Oder besser: Wir wollen handeln. Der Kampf gegen Umweltzerst\u00f6rung ist n\u00e4mlich kein Moralthema. Donald Trump ist f\u00fcr mich mit seinem Ausstieg aus dem Klimaabkommen der viel ehrlichere L\u00fcgner. Wir verschaffen den Leuten zurzeit den Eindruck, als t\u00e4ten wir etwas. In Wahrheit stehen unsere Ma\u00dfnahmen in keinem Verh\u00e4ltnis zu dem, was getan werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Die Deutschen halten sich f\u00fcr vorbildliche Umweltsch\u00fctzer. Sie nicht? Wir denken, es reicht, wenn wir ein bisschen weniger zerst\u00f6ren: weniger Auto fahren, weniger M\u00fcll, weniger Wasserverbrauch. Damit sch\u00fctzen wir aber nichts, wir machen nur weniger kaputt. Es ist so, als wenn wir sagen: \u201eIch schlage mein Kind nur noch f\u00fcnfmal statt zehnmal.\u201c Wenn eine Plastikverpackung statt acht nur 7,6 Gramm wiegt, denken wir, das sei ein Fortschritt. Wir machen das Falsche perfekt, anstatt zu fragen: Was ist das Richtige?<\/p>\n<p>Was ist das Richtige? Alles neu zu denken, zuerst das Denken selbst, dann die Produkte. Die Natur kennt keinen Abfall. Alles geht in den Kreislauf zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ihr Gegenkonzept lautet \u201eCradle to Cradle\u201c, also \u201eVon der Wiege zur Wiege\u201c. Was ist gemeint? Alle Dinge, die verschlei\u00dfen \u2013 also Reifen, Schuhsohlen, Bremsbel\u00e4ge \u2013 m\u00fcssen so gemacht sein, dass sie in biologische Systeme zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Alles, was nur genutzt wird, wie Waschmaschinen und Fernseher, muss in technische Systeme zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das funktioniert? Ja. Dem liegt zugrunde, die Menschen nicht als Belastung f\u00fcr die Natur zu verstehen, sondern als Chance. Mit Cradle to Cradle schaffen wir solche Produkte. Zum Beispiel eine Eiscremeverpackung, die nur im gefrorenen Zustand eine Verpackung ist. Bei Raumtemperatur schmilzt sie und ist binnen zwei Stunden komplett abgebaut. Da wird das Wegschmei\u00dfen zum lustvollen Vorgang.<\/p>\n<p>So l\u00e4sst sich doch l\u00e4ngst nicht alles herstellen? Doch. Es gibt weltweit schon mehr als 11 000 Cradle-to-Cradle-Produkte nahezu aller Art: kompostierbare Sportschuhe, Schlafanz\u00fcge aus Biobaumwolle mit unsch\u00e4dlichen Farbaufdrucken, unsch\u00e4dliche Reinigungsmittel, Bierdosen, die r\u00fcckstandslos eingeschmolzen werden, Teebeutel, die sich im Meer schnell zersetzen, Kosmetikt\u00fccher, deren Abbau ich einstellen kann. In der Schweiz gibt es ein Unternehmen, das essbare M\u00f6belstoffe produziert. Die Zuschnitte gehen als Torfersatz in G\u00e4rtnereien.<\/p>\n<p>Aber wer isst M\u00f6belstoffe? Ich. Im japanischen TV habe ich das schon oft getan. Ich schneide den Stoff vor der Kamera in St\u00fccke, tue sie in ein M\u00fcsli und verspeise das.<\/p>\n<p>Sind Sie ein Revolution\u00e4r? Jedenfalls braucht es eine neue industrielle Revolution. Ich bin Chemiker und Verfahrenstechniker und wei\u00df, dass daf\u00fcr eine solide Wissenschaft n\u00f6tig ist. Ich will die Dinge \u00e4ndern. Daf\u00fcr arbeite ich mit gro\u00dfer, langer Geduld. Ich habe 24 Jahre an einem kompostierbaren Leder gearbeitet und 22 Jahre, um ein kompostierbares Papier hinzukriegen. Es klappt. Meine B\u00fccher drucke ich auf Papier, das man essen kann, so unsch\u00e4dlich ist es.<\/p>\n<p>Wie sieht die Produktwelt von morgen aus? Moderne Produkte sind alle Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Das bedeutet? Niemand braucht eine Waschmaschine, wir brauchen saubere W\u00e4sche. Heutige Waschmaschinen enthalten 150 billige, giftige Kunststoffe, die mehr Benzol abgeben als ein Kind an einer Tankstelle aufnehmen w\u00fcrde. Verleiht der Hersteller die Ger\u00e4te aber f\u00fcr ein paar Jahre, hat er das gr\u00f6\u00dfte Interesse daran, dass sie lange halten und wir das beste Material verwenden.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re ein anderes Wirtschaftssystem . . . ?<\/p>\n<p>Mir geht es darum, die Marktwirtschaft ernst zu nehmen. Im Moment ist es so, dass die Konzerne die Gewinne privatisieren, die Kosten f\u00fcr M\u00fcllentsorgung, Umweltzerst\u00f6rung und krankmachende Stoffe aber verallgemeinern.<\/p>\n<p>Haben Wirtschaft und Verbraucher verstanden? Einige. Wir haben viel erreicht. Wenn wir in dem Tempo weitermachen, wird 2050 alles Cradle to Cradle sein.<\/p>\n<p>Wie sind Sie Umweltchemiker geworden? Ich hatte eine sehr innige Beziehung zu meiner Chemielehrerin (lacht). Ich habe dann Chemie studiert und mich ge\u00e4rgert, wie primitiv die praktizierte Chemie war.<\/p>\n<p>Und haben begonnen, gegen die Chemieindustrie zu protestieren? Nach der Sandoz-Katastrophe 1986 habe ich die Greenpeace-Aktion gegen die Rheinverschmutzung geleitet. Der Werkschutz hat uns verpr\u00fcgelt, davon habe ich heute noch R\u00fcckenschmerzen. Wir sind in der Nordsee geschwommen, um die D\u00fcnns\u00e4urefrachter aufzuhalten. Letztlich erfolgreich.<\/p>\n<p>Wie wurde die Industrie f\u00fcr Sie vom Gegner zum Partner? Der Wendepunkt kam Weihnachten 1986. Wir sind auf den vereisten Schornstein von Ciba-Geigy in Basel gestiegen. Der Werksleiter sagte: \u201eDas ist zu gef\u00e4hrlich. Kommen sie runter, ich garantiere ihnen, dass sie morgen wieder hoch d\u00fcrfen.\u201c Wir sind nat\u00fcrlich oben geblieben, aber das Spiel hatte sich ge\u00e4ndert. Als ich sp\u00e4ter in Hamburg meine Firma EPEA gegr\u00fcndet habe, sind die Ciba-Manager gekommen und wollten mit mir zusammenarbeiten. Ich war einverstanden, weil ich mit der Industrie rausfinden wollte, wie ein anderes Verh\u00e4ltnis von Menschen zur Natur aussehen kann. Daraus ist Cradle to Cradle entstanden. Finanziert von der Schweizerischen Chemie.<\/p>\n<p>Warum in Hamburg? Weil die Stadt die besten Voraussetzungen daf\u00fcr hat. Hier war es immer so, dass die Menschen aus eigenem Antrieb gehandelt habe und nicht nur das getan haben, was die K\u00f6nige verlangt haben.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen begeistert sein von Fridays for Future? Es ist gut, dass die jungen Leute etwas tun, aber das ist mir zu viel Panikmache. Wenn sich 1945 ein Kind auf den Rathausmarkt gestellt und geklagt h\u00e4tte: \u201eWas hinterlasst Ihr uns f\u00fcr eine Welt?\u201c, dann h\u00e4tte ich das verstanden. Aber heute . . .<\/p>\n<p>Greta Thunberg ist die Heldin der Klimaschutzbewegung, was spricht dagegen? Sie kann nur Schwarz-Wei\u00df sehen. Ich habe bei Greenpeace mein Leben eingesetzt, um Gift aufzuhalten. Ich habe Dreck eingeatmet ohne Ende, radioaktive St\u00e4ube. Und dann sitzt da jemand vor dem Parlament, geht nicht zur Schule, wird als gro\u00dfe Widerstandsk\u00e4mpferin gefeiert und f\u00fcr den Nobelpreis vorgeschlagen. Wie l\u00e4cherlich. Ich gebe zu, das provoziert mich.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen sind dank Klimadebatte im H\u00f6henflug und k\u00f6nnten das Rathaus erobern. Dann w\u00e4re der Gang durch die Institutionen der ehemaligen Umweltk\u00e4mpfer auch in Hamburg vollendet. Wird Umweltpolitik dann besser?<\/p>\n<p>Ach, die Gr\u00fcnen. Ich habe die Partei mal mit gegr\u00fcndet. Der Vater von Winfried Kretschmann war mein Grundschullehrer. Die Gr\u00fcnen sind eine wunderbare Wellness-Partei. Aber deren Politik hat mit der Realit\u00e4t nichts zu tun. 1994 habe ich f\u00fcr die Gr\u00fcnen PVC-Verbotsantr\u00e4ge geschrieben. Und heute treffe ich Robert Habeck mit einer Umh\u00e4ngetasche aus Lkw-Plane mit PVC in Berlin am Bahnhof. Es gibt viele Gr\u00fcne, die sich bem\u00fchen, aber die haben schlicht keine Ahnung. Sie bleiben auf halber Strecke stehen und erreichen nichts.<\/p>\n<p>Sie sind mit der ehemaligen Greenpeace-Chefin Monika Griefahn verheiratet. Wie m\u00fcssen wir uns so eine Ehe vorstellen ? Alles nur \u00f6ko? Nein. Mein Lebensmotto lautet: \u201eEntschieden, aber nicht konsequent\u201c (lacht ). F\u00fcrs Essen gilt: Bei tierischen Fetten immer Bio kaufen. Dann hat man schon 70 Prozent der Belastung ausgeschlossen. Das gilt auch f\u00fcr Paprika und Rucola, da habe noch in jeder Probe Giftstoffe gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flensburger Tageblatt &#8211; 18.01.2020 W\u00fcrde sich \u00fcber den Chemienobelpreis freuen: Vordenker Michael Braungart. EPEA \u201eGreta Thunberg? 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