{"id":23294,"date":"2022-09-27T07:09:25","date_gmt":"2022-09-27T05:09:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=23294"},"modified":"2022-09-27T07:09:25","modified_gmt":"2022-09-27T05:09:25","slug":"die-unbequeme-bipolare-klimaschaukel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2022\/09\/die-unbequeme-bipolare-klimaschaukel\/","title":{"rendered":"Die unbequeme bipolare Klimaschaukel"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man es genau betrachtet, ist es\u00a0schon ein bisschen seltsam, was sich da an unseren Polen abspielt. Die Arktis\u00a0hat sich in den letzten Jahrzehnten\u00a0erw\u00e4rmt, w\u00e4hrend die Temperaturen <a href=\"http:\/\/notalotofpeopleknowthat.wordpress.com\/2012\/09\/20\/arctic-v-antarctic-temperatures\/\">in der Antarktis eher gefallen<\/a> sind. Der gr\u00f6nl\u00e4ndische Eisschild ist geschrumpft, w\u00e4hrend das antarktische Inlandeis gewachsen ist. Und schlie\u00dfich ist da noch das arktische Meereis, das zur\u00fcckgegangen ist, wohingegen das antarktische Meereis zugenommen hat. Irgendwie scheint hier doch\u00a0ein System vorzuherrschen, das in der \u00f6ffentlichen Diskussion bislang viel zu kurz gekommen ist.\u00a0Es geh\u00f6rt schon eine geh\u00f6rige Portion Naivit\u00e4t dazu,\u00a0all dies\u00a0als Zufall und Wetterrauschen abzutun, nur um seine liebgewonnenen Modelle nicht \u00e4ndern zu m\u00fcssen, die\u00a0solch\u00a0gegens\u00e4tzliche Entwicklungen einfach nicht vorsehen.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Ph\u00e4nomen m\u00fcssen wir zum Gl\u00fcck\u00a0gar nichts\u00a0Neues erfinden, sondern lediglich in\u00a0den Pressemitteilungen des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) bl\u00e4ttern, das im Jahr 2006 von einer faszinierenden \u201eKlimaschaukel\u201c berichtet, die zwischen den beiden Polen der Erde hin- und herschwingt. Immer wenn es im Norden kalt war, erw\u00e4rmte sich der S\u00fcden und umgekehrt. Das <a href=\"http:\/\/www.awi.de\/de\/aktuelles_und_presse\/pressemitteilungen\/detail\/item\/ocean_current_links_northern_and_southern_hemisphere_in_ice_age\/?cHash=74a6bf89329820c54f3f2b02f61c0494\">AWI<\/a> schrieb damals:<\/p>\n<blockquote><p><em>Obwohl Klimazeitreihen gr\u00f6nl\u00e4ndischer und antarktischer Eiskerne sehr unterschiedlich aussehen, sind das Klima der Arktis und Antarktis direkt miteinander verbunden. Die jetzt im Wissenschaftsmagazin nature ver\u00f6ffentlichten Untersuchungen an einem Eiskern aus der Antarktis weisen auf eine prinzipielle Verkn\u00fcpfung beider Hemisph\u00e4ren durch eine \u201ebipolare Klimaschaukel\u201c hin. Selbst k\u00fcrzere und schw\u00e4chere Temperaturver\u00e4nderungen im S\u00fcden sind durch die \u00c4nderungen der Meeresstr\u00f6mungen im Atlantik direkt mit den schnellen Temperaturspr\u00fcngen im Norden verkn\u00fcpft. Die Antarktis erw\u00e4rmte sich in der Zeit von 20.000 bis 55.000 Jahren vor heute immer dann, wenn der Norden kalt und der Export von warmem Wasser aus dem S\u00fcdozean reduziert war. Umgekehrt begann die Antarktis sich jedes Mal dann abzuk\u00fchlen, wenn w\u00e4hrend W\u00e4rmeereignissen im Norden vermehrt warmes Wasser in den Nordatlantik str\u00f6mte. Dieses Ergebnis weist auf eine prinzipielle Verkn\u00fcpfung beider Hemisph\u00e4ren durch eine \u201ebipolare Klimaschaukel\u201c hin, sobald sich die Ozeanzirkulation im Atlantik \u00e4ndert.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/weatherplanets.wordpress.com\/\">Jens Christian Heuer<\/a>\u00a0schreibt hierzu in einem\u00a0Blog-Kommentar:<\/p>\n<blockquote><p><em>Diese f\u00fcr die Vergangenheit nachgewiesene Klimaschaukel sollte eigentlich auch heute noch funktionieren. Tats\u00e4chlich verhalten sich die arktische und antarktische Meeresseisausdehnung in den letzten Jahrzehnten genau spiegelverkehrt (siehe Beitrag auf <\/em><a href=\"http:\/\/stevengoddard.wordpress.com\/2012\/09\/16\/correlation-between-arctic-and-antarctic-sea-ice-anomalies\/\">Real Science<\/a><em>). Die Klimaschaukel k\u00f6nnte also sowohl in gr\u00f6\u00dferen als auch kleineren zeitlichen Ma\u00dfst\u00e4ben wirksam werden.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>In einem Blog-Artikel weist <a href=\"http:\/\/www.staatvanhetklimaat.nl\/2012\/10\/05\/is-the-arctic-really-so-much-more-interesting-than-the-antarctic\/\">Marcel Crok<\/a> auf ein interessantes Paper von Petr Chylek und Kollegen aus den <a href=\"http:\/\/www.agu.org\/pubs\/crossref\/2010\/2010GL042793.shtml\">Geophysical Research Letters<\/a> von 2010 hin, in dem die Autoren f\u00fcr die letzten 100 Jahre ebenfalls eine\u00a0Klimaschaukel zwischen Arktis und Antarktis beschreiben (<em>Abbildung 1<\/em>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6234\" title=\"bipolar-seesaw\" src=\"https:\/\/kaltesonne.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/bipolar-seesaw.jpg\" sizes=\"(max-width: 372px) 100vw, 372px\" srcset=\"https:\/\/kaltesonne.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/bipolar-seesaw.jpg 372w, https:\/\/kaltesonne.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/bipolar-seesaw-300x205.jpg 300w, https:\/\/kaltesonne.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/bipolar-seesaw-175x120.jpg 175w, https:\/\/kaltesonne.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/bipolar-seesaw-230x157.jpg 230w\" alt=\"\" width=\"372\" height=\"255\" \/><\/p>\n<p><em>Abbildung 1: Trendbereinigte Temperaturentwicklung der Arktis (blau) und Antarktis (rot), gegl\u00e4ttet durch ein laufendes 11-Jahres-\u00a0(d\u00fcnne Linien) bzw. 17-Jahres-Mittel (dicke Linien). Quelle:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.agu.org\/pubs\/crossref\/2010\/2010GL042793.shtml\">Chylek et al. (2010)<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Klimaschaukel\u00a0liegt auf der Hand: Offensichtlich\u00a0gibt es nat\u00fcrliche Umverteilungsprozesse, die Energie von einer Polarregion in die andere umschaufeln k\u00f6nnen.\u00a0Ein gewisser Teil der Erw\u00e4rmung in der Nordpolarregion k\u00f6nnte daher auf den Schaukelmechanismus\u00a0zur\u00fcckgehen. In den IPCC-Modellen ist die Klimaschaukel noch nicht korrekt eingearbeitet, so dass die nat\u00fcrliche Schaukel-Komponente der Arktiserw\u00e4rmung bislang nicht korrekt zugeordnet und in ihrer Wirkung f\u00e4lschlicherweise anthropogenen Faktoren zugeschlagen wurde. Also an die Arbeit, liebe Modellierer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man es genau betrachtet, ist es\u00a0schon ein bisschen seltsam, was sich da an unseren Polen abspielt. Die Arktis\u00a0hat sich in den letzten Jahrzehnten\u00a0erw\u00e4rmt, w\u00e4hrend die Temperaturen in der Antarktis eher gefallen sind. Der gr\u00f6nl\u00e4ndische Eisschild ist geschrumpft, w\u00e4hrend das antarktische Inlandeis gewachsen ist. Und schlie\u00dfich ist da noch das arktische Meereis, das zur\u00fcckgegangen ist, wohingegen das antarktische Meereis zugenommen hat. Irgendwie scheint hier doch\u00a0ein System vorzuherrschen, das in der \u00f6ffentlichen Diskussion bislang viel zu kurz gekommen ist.\u00a0Es geh\u00f6rt schon eine geh\u00f6rige Portion Naivit\u00e4t dazu,\u00a0all dies\u00a0als Zufall und Wetterrauschen abzutun, nur um seine liebgewonnenen Modelle nicht \u00e4ndern zu m\u00fcssen, die\u00a0solch\u00a0gegens\u00e4tzliche Entwicklungen einfach nicht vorsehen. Auf der Suche nach einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Ph\u00e4nomen m\u00fcssen wir zum Gl\u00fcck\u00a0gar nichts\u00a0Neues erfinden, sondern lediglich in\u00a0den Pressemitteilungen des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) bl\u00e4ttern, das im Jahr 2006 von einer faszinierenden \u201eKlimaschaukel\u201c berichtet, die zwischen den beiden Polen der Erde hin- und herschwingt. Immer wenn es im Norden kalt war, erw\u00e4rmte sich der S\u00fcden und umgekehrt. Das AWI schrieb damals: Obwohl Klimazeitreihen gr\u00f6nl\u00e4ndischer und antarktischer Eiskerne sehr unterschiedlich aussehen, sind das Klima der Arktis und Antarktis direkt miteinander verbunden. Die jetzt im Wissenschaftsmagazin nature ver\u00f6ffentlichten Untersuchungen an einem Eiskern aus der Antarktis weisen auf eine prinzipielle Verkn\u00fcpfung beider Hemisph\u00e4ren durch eine \u201ebipolare Klimaschaukel\u201c hin. Selbst k\u00fcrzere und schw\u00e4chere Temperaturver\u00e4nderungen im S\u00fcden sind durch die \u00c4nderungen der Meeresstr\u00f6mungen im Atlantik direkt mit den schnellen Temperaturspr\u00fcngen im Norden verkn\u00fcpft. Die Antarktis erw\u00e4rmte sich in der Zeit von 20.000 bis 55.000 Jahren vor heute immer dann, wenn der Norden kalt und der Export von warmem Wasser aus dem S\u00fcdozean reduziert war. Umgekehrt begann die Antarktis sich jedes Mal dann abzuk\u00fchlen, wenn w\u00e4hrend W\u00e4rmeereignissen im Norden vermehrt warmes Wasser in den Nordatlantik str\u00f6mte. Dieses Ergebnis weist auf eine prinzipielle Verkn\u00fcpfung beider Hemisph\u00e4ren durch eine \u201ebipolare Klimaschaukel\u201c hin, sobald sich die Ozeanzirkulation im Atlantik \u00e4ndert. Jens Christian Heuer\u00a0schreibt hierzu in einem\u00a0Blog-Kommentar: Diese f\u00fcr die Vergangenheit nachgewiesene Klimaschaukel sollte eigentlich auch heute noch funktionieren. Tats\u00e4chlich verhalten sich die arktische und antarktische Meeresseisausdehnung in den letzten Jahrzehnten genau spiegelverkehrt (siehe Beitrag auf Real Science). Die Klimaschaukel k\u00f6nnte also sowohl in gr\u00f6\u00dferen als auch kleineren zeitlichen Ma\u00dfst\u00e4ben wirksam werden. In einem Blog-Artikel weist Marcel Crok auf ein interessantes Paper von Petr Chylek und Kollegen aus den Geophysical Research Letters von 2010 hin, in dem die Autoren f\u00fcr die letzten 100 Jahre ebenfalls eine\u00a0Klimaschaukel zwischen Arktis und Antarktis beschreiben (Abbildung 1). &nbsp; Abbildung 1: Trendbereinigte Temperaturentwicklung der Arktis (blau) und Antarktis (rot), gegl\u00e4ttet durch ein laufendes 11-Jahres-\u00a0(d\u00fcnne Linien) bzw. 17-Jahres-Mittel (dicke Linien). Quelle: Chylek et al. (2010). &nbsp; Die Bedeutung der Klimaschaukel\u00a0liegt auf der Hand: Offensichtlich\u00a0gibt es nat\u00fcrliche Umverteilungsprozesse, die Energie von einer Polarregion in die andere umschaufeln k\u00f6nnen.\u00a0Ein gewisser Teil der Erw\u00e4rmung in der Nordpolarregion k\u00f6nnte daher auf den Schaukelmechanismus\u00a0zur\u00fcckgehen. In den IPCC-Modellen ist die Klimaschaukel noch nicht korrekt eingearbeitet, so dass die nat\u00fcrliche Schaukel-Komponente der Arktiserw\u00e4rmung bislang nicht korrekt zugeordnet und in ihrer Wirkung f\u00e4lschlicherweise anthropogenen Faktoren zugeschlagen wurde. 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