{"id":2504,"date":"2009-04-01T19:25:20","date_gmt":"2009-04-01T17:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=2504"},"modified":"2025-05-17T12:46:44","modified_gmt":"2025-05-17T10:46:44","slug":"das-bad-in-persilauge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2009\/04\/das-bad-in-persilauge\/","title":{"rendered":"Das Bad in Persilauge"},"content":{"rendered":"<p>Vor nichts hatte mein Vater so gro\u00dfe Abneigung wie sich Wasser in die Badewanne laufen zu lassen und darin zu baden. Diese Abneigung schien un\u00fcberwindlich zu sein und keine \u00dcberredungsk\u00fcnste seitens meiner Mutter oder der Hinweis angesichts zweier B\u00e4der, die wir unser Eigen nannten, fruchteten das Geringste. Er wusch sich zwar jeden Morgen, wie gr\u00fcndlich ist mir nicht bekannt, jedoch mit mehr Wasser als ein Waschbecken voll, wollte er ums Verrecken nicht Bekanntschaft machen. <!--more-->Die entspannende Wirkung eines\u00a0 wunderbar duftenden, warmen Bades lie\u00df ihn scheinbar v\u00f6llig kalt. Die sp\u00f6ttische Bemerkung meiner Mutter, dass die beste Unterw\u00e4sche einen K\u00f6rper nicht von Schmutz befreien k\u00f6nnte, prallte an ihm ab.<br \/>\nSowohl meine Mutter als auch ich lie\u00dfen allerdings nicht locker, wollten den Grund f\u00fcr seine Badeangst heraus bekommen. Nach l\u00e4ngerem Nachstochern, vielen ironischen Bemerkungen bez\u00fcglich seines langsam etwas merkw\u00fcrdigen Geruchs, den er jedoch f\u00fcr v\u00f6llig in Ordnung und f\u00fcr ein durchaus positives m\u00e4nnliches Attribut hielt, kam er endlich raus mit der Sprache. \u00c4u\u00dferst aufgebracht platzte es aus ihm heraus, er h\u00e4tte Angst sich nach dem Baden zu erk\u00e4lten. Sein durch das warme Bad erhitzter K\u00f6rper sei daf\u00fcr h\u00f6chst anf\u00e4llig, deshalb, wenn er als Kind aus der Badewanne stieg, h\u00e4tte ihn seine Mutter sofort in ein am Ofen erw\u00e4rmtes Handtuch geh\u00fcllt und abgetrocknet und danach h\u00e4tte sie ihm erw\u00e4rmte Unterw\u00e4sche angezogen. Er sei nicht gewillt sich heute, da ihm niemand mehr diesen Liebesdienst zukommen lie\u00dfe, eine Erk\u00e4ltung oder noch Schlimmeres zuzuziehen.<br \/>\nDen Einwand, dass auch wir anderen Menschen nicht st\u00fcrben, wenn wir nicht nach dem Bad in w\u00e4rmende T\u00fccher und W\u00e4sche geh\u00fcllt w\u00fcrden, lie\u00df er nicht gelten. Meine Mutter allerdings interessierten diese Erkl\u00e4rungen nicht die Bohne. Sie sagte ihm klipp und klar, dass sie nicht gewillt sei einen dauerhaft m\u00fcffelnden Menschen neben sich zu ertragen. So setzte sie meinem Vater weiterhin zu, bis es ihm eines Tages zu bunt wurde und er sich Badewasser einlie\u00df und von meiner Mutter ein Mittel mit dem sie W\u00e4sche wusch verlangte. Was er damit wolle, wollte sie wissen. Selbstverst\u00e4ndlich als Badezusatz verwenden, war seine lapidare, \u00e4uerst kurze Antwort. Er brauche, da er ja in unseren Augen sehr schmutzig sei, etwas wirklich Wirksames, um sich zu s\u00e4ubern. Mit diesen Worten und der Packung Persil verschwand er im Bad. Wir konnten es nicht glauben, dass jemand sich freiwillig so etwas antat und starrten ihm ungl\u00e4ubig hinterher.<br \/>\nNach dieser Badeorgie in Seifenlauge, die etwas l\u00e4nger als normal dauerte, erschien er zum Fr\u00fchst\u00fcck als sei nichts Besonderes geschehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor nichts hatte mein Vater so gro\u00dfe Abneigung wie sich Wasser in die Badewanne laufen zu lassen und darin zu baden. 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