{"id":30,"date":"2007-06-27T09:28:34","date_gmt":"2007-06-27T07:28:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/06\/27\/zweimal-jemarkenplatz-bitte\/"},"modified":"2008-08-17T10:10:17","modified_gmt":"2008-08-17T08:10:17","slug":"zweimal-jemarkenplatz-bitte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/06\/zweimal-jemarkenplatz-bitte\/","title":{"rendered":"Zweimal Jemarkenplatz bitte!&#8230;.."},"content":{"rendered":"<p>Ende der F\u00c3\u00bcnfziger waren mein Freund Engelbert und ich zum ersten Mal dran mit der Kinderl\u00c3\u00a4hmungsimpfung. Es war seinerzeit noch keine Schluckimpfung, wie ein paar Jahre sp\u00c3\u00a4ter, sondern eine h\u00c3\u00b6chst unangenehme Sache mit der Injektionsnadel. Unsere M\u00c3\u00bctter entschlossen sich, uns beiden Kinder sozusagen in einem Abwasch gemeinsam impfen zu lassen. \u00c3\u0153berdies vermuteten sie wohl, w\u00c3\u00bcrde uns die Sache leichter fallen und den Angstpegel senken.<!--more--><br \/>\nAn einem strahlend sch\u00c3\u00b6nen Fr\u00c3\u00bchsommernachmittag, machten sie sich mit uns auf den Weg zur Impfstelle.<!--more--> Die war einige Stra\u00c3\u0178enbahnhaltestellen entfernt, im Stadtteil Magarethenh\u00c3\u00b6he, einer Kruppsiedlung, mit alten Einfamilienh\u00c3\u00a4usern im Fach-werkstil und romantischen Vorg\u00c3\u00a4rten mit Kletterrosen davor.<br \/>\nUnsere Linie kam, wir stiegen ein und gingen zum L\u00c3\u00b6sen unserer Fahrscheine zur Stra\u00c3\u0178enbahnschaffnerin, die neben der hinteren T\u00c3\u00bcr jeden Wagens etwas erh\u00c3\u00b6ht, hinter einem kleinen Tresen, sa\u00c3\u0178.<br \/>\nElsa Pohl war mit ihrem Sohn vor uns dran. Sie forderte ihren Fahrschein sehr laut und in reinstem, breitestem Ostpreu\u00c3\u0178isch, denn sie stammte aus dem obersten Teil Ostpreu\u00c3\u0178ens, aus K\u00c3\u00b6nigsberg.<br \/>\nSie posaunte ihr Fahrziel derart laut heraus, da\u00c3\u0178 ich vermutete, da\u00c3\u0178 jeder, der sich in der Stra\u00c3\u0178enbahn befand, mitbekommen hatte, wohin sie wollte und aus welchem Fleckchen Deutsch-lands sie stammte. Ich bewunderte die Mutter meines Freun-des f\u00c3\u00bcr ihre Unbefangenheit. Oder war es Absicht? Als sie die Fahrscheine forderte und bezahlte, blickten sich fast alle, im Wagen befindlichen, Fahrg\u00c3\u00a4ste neugierig zu ihr um und starrten sie an. Ihr schien dies v\u00c3\u00b6llig egal zu sein, oder sie lie\u00c3\u0178 es sich nicht anmerken.<br \/>\nNach ihr waren wir dran. Bei meiner Mutter und mir ging es w\u00c3\u00a4hrend des Fahrscheinkaufs schon etwas weniger laut zu, obwohl meine Mutter Zeit ihres Lebens auch nicht zu den Lei-sesten und Zur\u00c3\u00bcckhaltesten geh\u00c3\u00b6rte.<br \/>\nWir Vier fuhren einige Stationen und stiegen am Ziel aus.<br \/>\nNach dem Impfen, \u00c3\u00bcber das nichts Bemerkenswertes zu be-richten ist, ging die Fahrt retour nach Hause. Wir stiegen in die Linie zehn ein und das Schauspiel in der Stra\u00c3\u0178enbahn be-gann von vorn. Wieder forderte die Mutter meines Freundes ihren Fahrschein in voller Lautst\u00c3\u00a4rke, wie auch schon auf der Hinfahrt: \u00e2\u20ac\u017e<em>ZWEIMAL JEMMARRRKENPLAETZ!<\/em>\u00e2\u20ac\u0153 dr\u00c3\u00b6hnte es: Aus dem G bei Gemarkenplatz wurde ein J in reinstem Ost-preu\u00c3\u0178isch. Alle zuckten ob der Lautst\u00c3\u00a4rke erneut zusammen und blickten erstaunt die schlanke und ansonsten v\u00c3\u00b6llig unauff\u00c3\u00a4llige Frau an, aus deren Mund dies gekommen war. Es war schon ein Erlebnis mit Elsa Pohl Stra\u00c3\u0178enbahn zu fahren. Die-ser Vorfall h\u00c3\u00a4tte mich peinlich ber\u00c3\u00bchren k\u00c3\u00b6nnen, was aber mitnichten der Fall war.<br \/>\nEs war f\u00c3\u00bcr mich ein absolutes Erlebnis und kostenlose Thea-tervorstellung dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende der F\u00c3\u00bcnfziger waren mein Freund Engelbert und ich zum ersten Mal dran mit der Kinderl\u00c3\u00a4hmungsimpfung. Es war seinerzeit noch keine Schluckimpfung, wie ein paar Jahre sp\u00c3\u00a4ter, sondern eine h\u00c3\u00b6chst unangenehme Sache mit der Injektionsnadel. 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