{"id":3174,"date":"2009-09-19T05:10:26","date_gmt":"2009-09-19T03:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=3174"},"modified":"2009-09-19T06:13:42","modified_gmt":"2009-09-19T04:13:42","slug":"die-katze-in-der-roten-baskenmuetze-titelgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2009\/09\/die-katze-in-der-roten-baskenmuetze-titelgeschichte\/","title":{"rendered":"&#8220;Die Katze in der roten Baskenm\u00c3\u00bctze&#8221; Titelgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Meine Mutter beruhigte die Tatsache, mich im Kindergarten untergebracht zu haben, mich erf\u00c3\u00bcllte es nicht mit Begeisterung. Zun\u00c3\u00a4chst glaubte ich noch, der Kindergarten sei eine Schulvariante, doch diese Idee wurde mir sehr schnell ausgetrieben. Es stellte sich rasch heraus, da\u00c3\u0178 ich das \u00c3\u00a4lteste Kind in dem winzigen Kindergarten war und da\u00c3\u0178 mir deshalb die Aufgabe zugewiesen wurde, mit den Nonnen gemeinsam die kleineren Kinder zu betreuen.<!--more--> Dies bedeutete, sie zu f\u00c3\u00bcttern und wenn sie ihr gro\u00c3\u0178es oder kleines Gesch\u00c3\u00a4ft verrichtet hatten, die Nachtt\u00c3\u00b6pfe zu leeren. Mit anderen Worten, ich fungierte als nichtbezahlte Hilfskinderg\u00c3\u00a4rtnerin.<br \/>\nIn der Zeit, wo ich nicht Kinderschei\u00c3\u0178e und die fl\u00c3\u00bcssige Variante entfernen mu\u00c3\u0178te, durfte ich etwas nicht weniger Stumpfsinniges tun, n\u00c3\u00a4mlich Buchumschl\u00c3\u00a4ge aus Pappe anfertigen und diese mit gro\u00c3\u0178en Stichen umn\u00c3\u00a4hen.<br \/>\nSo hatte ich mir den Kindergarten nicht vorgestellt. Ich geh\u00c3\u00b6rte nicht zu den still Dienenden. Dies war nichts f\u00c3\u00bcr ein phantasievolles wissbegieriges Kind wie mich.<br \/>\nMeine Anwesenheit in dieser Einrichtung war deshalb auch nicht von Dauer. Ich jammerte und queeste so lange herum, bis meine Mutter es leid war und mich abmeldete.<br \/>\nEin Gutes hatte dieser Kontakt mit den Nonnen  f\u00c3\u00bcr mich dennoch gehabt, er brachte mir den katholischen Glauben n\u00c3\u00a4her, vor allen Dingen das Drumherum interessierte mich sehr. Meine Langeweile war f\u00c3\u00bcrs erste wie weggeblasen.<br \/>\nIch hatte im Kindergarten einen kleinen Altar samt Blumenstr\u00c3\u00a4u\u00c3\u0178en, Christus am Kreuz und bunten Marienbildnissen entdeckt. Gelegentlich hielten die Nonnen inne, bekreuzigten sich, knicksten und legten beide Handfl\u00c3\u00a4chen aneinander. Sie verharrten einige Minuten so, bis sie ihre Arbeit wieder aufnahmen. Ich wu\u00c3\u0178te nichts vom katholischen Glauben, mich faszinierte lediglich der bunte Altar und das Ritual des Betens.<br \/>\nDa\u00c3\u0178 dies alles irgendwie mit dem lieben Gott zu tun haben mu\u00c3\u0178te, vermutete ich schon. Ich mu\u00c3\u0178 zur Ehrenrettung der Nonnen erw\u00c3\u00a4hnen, da\u00c3\u0178 sie niemals den Versuch starteten, mich, das evangelische Kind zu missionieren, zu bekehren.<br \/>\nIch versuchte Zuhause sofort auch so einen Altar zu bekommen. Da man so etwas nicht kaufen konnte und ich ihn auch dann aus Geldmangel nicht bekommen h\u00c3\u00a4tte, baute ich mir selbst einen\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nIch bat meine Mutter um einen Fu\u00c3\u0178schemel und ein St\u00c3\u00bcck wei\u00c3\u0178en Stoff. Des Weiteren organisierte ich mir  zwei Trinkgl\u00c3\u00a4ser, pfl\u00c3\u00bcckte mir Blumen und zeichnete mir etwas Marien\u00c3\u00a4hnliches und stellte es auf den Schemel, fertig war mein Altar.<br \/>\nVon dem Moment an spielte ich nur noch \u00e2\u20ac\u0153Beten \u00e2\u20ac\u0153, zelebrierte dieses Ritual so oft ich konnte. Ich war v\u00c3\u00b6llig gefangen in diesem Spiel, nahm kaum noch etwas um mich herum wahr.<br \/>\nMein Altar stand auf unserem ziemlich gro\u00c3\u0178en hellen Flur, den ich zum Spielzimmer umfunktionierte.<br \/>\nDies passierte alles auf sehr engem Raum und ich mu\u00c3\u0178 meiner Familie hoch anrechnen, da\u00c3\u0178 sie mich dies, f\u00c3\u00bcr sie selbst sehr seltsam anmutende Spiel so lange spielen lie\u00c3\u0178, bis mich meine Lust aufs Beten von selbst verlie\u00c3\u0178.<br \/>\nAls ich eingeschult wurde, war diese Phase weitestgehend vorbei.<br \/>\nDoch auch dies faszinierende Spiel lie\u00c3\u0178 mich niemals meinen geliebten Muzel vergessen, den ich in Berlin hatte zur\u00c3\u00bccklassen m\u00c3\u00bcssen.<br \/>\nIch sehnte mich so sehr nach einer Katze, da\u00c3\u0178 meine Mutter beschlo\u00c3\u0178, mir eine zu besorgen.<br \/>\nIn der Organisation irgendwelcher Dinge ein Meister, hatte sie bald einen Wurf kleiner K\u00c3\u00a4tzchen bei einem Bauern entdeckt.<br \/>\nDies Ganze hatte leider einen gewaltigen Haken, ich sollte allein dorthin gehen und mir ein K\u00c3\u00a4tzchen aussuchen. Dies mir, einem au\u00c3\u0178erordentlich sch\u00c3\u00bcchternen und \u00c3\u00a4ngstlichen kleinen M\u00c3\u00a4dchen, das sich am liebsten hinter seiner Mutter versteckte.<br \/>\nJedoch war es die Voraussetzung um an eine Katze zu kommen.<br \/>\nIch bi\u00c3\u0178 in den sauren Apfel und marschierte mit zitternden Beinen los, mir mein K\u00c3\u00a4tzchen abzuholen.<br \/>\nSch\u00c3\u00bcchtern suchte ich mir aus dem Wurf meinen Muzel den Zweiten aus, einen hellgrau getigerten Kater und marschierte nach Hause, ihn sorgsam in meiner roten Baskenm\u00c3\u00bctze transportierend.<br \/>\nStolz pr\u00c3\u00a4sentierte ich ihn zu Hause meiner Mutter, hielt ihn ihr in meiner M\u00c3\u00bctze unter die Nase. Ich konnte mein Gl\u00c3\u00bcck kaum fassen.<br \/>\nDiese Unachtsamkeit benutzte er und sprang mit einem Satz unter den K\u00c3\u00bcchenschrank. Die folgenden Stunden verbrachte ich damit, meinen kleinen Kater unter dem Schrank hervorzulocken.<br \/>\nMein zweiter Spielkamerad war der zweij\u00c3\u00a4hrige Sohn unserer Vermieter, der jedoch bl\u00c3\u00b6derweise mehr Interesse an meiner Negerpuppe mit Schlafaugen zeigte, als an mir.<br \/>\nMeine geliebte Negerpuppe war das einzige  Spielzeug, das mir geblieben war.<br \/>\nDem kleinen Burschen hatten es vor allem die Schlafaugen angetan. Ich traute mich nicht, seinen akribischen Untersuchungen Einhalt zu gebieten und mu\u00c3\u0178te mit Entsetzen zusehen, wie er meiner geliebten Puppe die Schlafaugen tief in den Kopf dr\u00c3\u00bcckte.<br \/>\nMir blutete das Herz, ob so viel Gemeinheit und lief weinend zu meiner Mutter. Ich dachte, sie k\u00c3\u00b6nne meine Puppe wieder heil machen, sie reparieren.<br \/>\nSie konnte es genau wie mein Vater nicht.<br \/>\nMeine Puppe konnte nun nicht mehr schlafen und sah auch etwas merkw\u00c3\u00bcrdig aus, jedoch liebte ich sie deswegen nicht weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Mutter beruhigte die Tatsache, mich im Kindergarten untergebracht zu haben, mich erf\u00c3\u00bcllte es nicht mit Begeisterung. Zun\u00c3\u00a4chst glaubte ich noch, der Kindergarten sei eine Schulvariante, doch diese Idee wurde mir sehr schnell ausgetrieben. 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