{"id":37,"date":"2007-07-22T15:41:13","date_gmt":"2007-07-22T13:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/07\/22\/kistenmeier\/"},"modified":"2008-09-01T13:37:15","modified_gmt":"2008-09-01T11:37:15","slug":"kistenmeier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/07\/kistenmeier\/","title":{"rendered":"Kistenmeier"},"content":{"rendered":"<p>In den f\u00c3\u00bcnfziger und sechziger Jahren sammelte meine Mutter gebrauchte Kleidung f\u00c3\u00bcr ihre Freundin Gerdi in der DDR.<br \/>\nDie lebte mit ihrer f\u00c3\u00bcnfk\u00c3\u00b6pfigen Familie, bestehend aus <!--more-->Vater, Mutter und ihren drei Kindern in Stralsund an der Ostsee.<br \/>\nDer Sammelleidenschaft meiner Mutter nach zu urteilen, h\u00c3\u00a4tte die Familie ihrer Freundin allerdings wesentlich gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178er sein m\u00c3\u00bcssen.<br \/>\nAlles, was meine Mutter so im Lauf der Jahre zusammentrug, stammte ausschlie\u00c3\u0178lich aus dem Haus, in dem wir seinerzeit lebten, dem achtst\u00c3\u00b6ckigen Hochhaus.<br \/>\nEs war in unserem Haus bekannt, da\u00c3\u0178 meine Mutter f\u00c3\u00bcr die arme bed\u00c3\u00bcrftige DDR-Bev\u00c3\u00b6lkerung sorgte. Sie mu\u00c3\u0178te nicht von T\u00c3\u00bcr zu T\u00c3\u00bcr gehen; um an, \u00c3\u00bcbrigens sehr gut erhaltene, gebrauchte Kleidungsst\u00c3\u00bccke zu kommen. Meist wurden uns die Klamotten an der Wohnungst\u00c3\u00bcr abgegeben. Wenn uns die abgelegten Hosen, Blusen und R\u00c3\u00b6cke nicht auf diese Weise erreichten, so brauchte meine Mutter nur ins Untergescho\u00c3\u0178 gehen. Dort gab es einen f\u00c3\u00bcr alle Mieter zug\u00c3\u00a4nglichen Raum, in dem abgelegte; f\u00c3\u00bcr die Entfernung gut befundene Gegenst\u00c3\u00a4nde der Mieter deponiert wurden, um schlie\u00c3\u0178lich vom Kl\u00c3\u00bcngelskerl, und nicht von der M\u00c3\u00bcllabfuhr, entsorgt zu werden.<br \/>\nDieser Kl\u00c3\u00bcngelskerl war ein Mann, der mit Pferd und Wagen in der Stadt umherfuhr; um alte M\u00c3\u00b6bel, Kleidung oder andere Gegenst\u00c3\u00a4nde einzusammeln, um Geld mit ihnen zu machen.<br \/>\nSehr viele dieser gebrauchten Hosen, Oberhemden ect. stammten \u00c3\u00bcbrigens von einer Familie Meier, im ganzen Haus nur Kistenmeier genannt. Diese Meiers hatten allem Anschein nach zu viel Geld und einen rasanten Verbrauch an Kleidung, die sie in sch\u00c3\u00b6ner Regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178igkeit, in Kartons verpackt, in dem bewussten dazu ausersehenen Raum im Keller entsorgten. Jene Kartons schleppte dann meine Mutter triumphierend nach oben in unsere Wohnung.<br \/>\nEs war wirklich erstaunlich, wie gut es einigen Menschen, so relativ kurz nach dem Krieg, zu gehen schien; wir geh\u00c3\u00b6rten jedenfalls nicht zu jenen Gl\u00c3\u00bccklichen. Mitunter waren meine Eltern versucht, einige der weggeworfenen Sachen die sich in exzellenten Zustand befanden, f\u00c3\u00bcr unseren eigenen Gebrauch abzuzweigen, trauten sich aber nicht so recht. Es w\u00c3\u00a4re ihnen gundpeinlich gewesen Meiers mit den vor kurzem noch ihnen geh\u00c3\u00b6renden Kleidern unter die Augen zu treten. Also bekam Tante Gerdi und Familie all die sch\u00c3\u00b6nen Sachen.<br \/>\nVon Jahr zu Jahr fiel es meiner Mutter jedoch schwerer, die tollen Klamotten in die DDR zu schicken. Sie fragte sich inzwischen, wohl auch v\u00c3\u00b6llig zu recht, was ihre Freundin mit alledem, und es war wirklich nicht wenig, anfing; ob sie nicht etwa einen eintr\u00c3\u00a4glichen Handel mit dem ganzen Kram aufgemacht hatte. Meine Mutter ging pl\u00c3\u00b6tzlich auf, da\u00c3\u0178 sie die halbe DDR-Bev\u00c3\u00b6lkerung mit Kleidung eingedeckt hatte. Ihre Freundin Gerdi hatte sich immer \u00c3\u00bcberschw\u00c3\u00a4nglich, brieflich f\u00c3\u00bcr all den Kleidersegen bedankt, jedoch nie erw\u00c3\u00a4hnt, was sie damit getan hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den f\u00c3\u00bcnfziger und sechziger Jahren sammelte meine Mutter gebrauchte Kleidung f\u00c3\u00bcr ihre Freundin Gerdi in der DDR. 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