{"id":4426,"date":"2010-05-29T06:00:27","date_gmt":"2010-05-29T05:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=4426"},"modified":"2010-05-30T07:10:04","modified_gmt":"2010-05-30T06:10:04","slug":"schnurriger-vierpfoter-mit-hintersinn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2010\/05\/schnurriger-vierpfoter-mit-hintersinn\/","title":{"rendered":"Schnurriger Vierpfoter mit Hintersinn"},"content":{"rendered":"<p>Heini, von nebenan, der wilde Feger war zwar sch\u00f6n und gut, jedoch war es halt nicht unsere, es war und blieb eben nur die Katze von nebenan. So kam es, als\u00a0  Jutta und Bernd, die Heinieltern, vorschlugen, uns ein Katzenbaby vom Land zu besorgen, wir begeistert zusagten. Eine Woche sp\u00e4ter hatten wir unseren graugetigerten, noch ziemlich ungeschickt durch die Gegend tapsenden und bl\u00f6schig, blau\u00e4ugig dreinblickenden Muzel VI.<br \/>\nUnser Katzenkind stieg sofort einem gerade anwesenden Versicherungsvertreter der uns irgendeine \u00fcberfl\u00fcssige Versicherung andrehen wollte, unbek\u00fcmmert mitten in seinen aufgeklappten Aktenkoffer, und legte sich dort friedlich zur Ruhe.<!--more--><br \/>\nAls die Kleinkindzeit unseres Katers vorbei war, entwickelte der sich zu einem \u00e4u\u00dferst humorvollen,  schnurrigen Vierpfotler mit viel Hintersinn. Beispielsweise sprang er von unserem kleinen Balkon im Erdgescho\u00df unserer \u00e4u\u00dferst \u00fcberraschten und erschrockenen Mitmieterin \u00e4lteren Semesters auf den R\u00fccken. Er benutzte sie ganz selbstverst\u00e4ndlich als Trittbrett um in den Hof zu kommen. Unten auf dem Kiesboden angekommen, trollte er sich dann gelangweilt, um sich Abenteuer mit anderen Hofkatzen zu suchen. Sobald er Heini angesichtig wurde, flogen regelm\u00e4\u00dfig die Fetzen.  Mit Pixi, der ebenm\u00e4\u00dfig grauen Kart\u00e4userkatze zwei H\u00e4user weiter, die nur an Fortpflanzug interessiert war, lieferte er sich niemals auch nur den kleinsten Kampf, sie schien ihm zu langweilig zu sein. Einem hartn\u00e4ckigen Verehrer, einem steingrauen Tigerkater ging er allerdings, warum auch immer lieber aus dem Weg. Der stand des \u00d6fteren drau\u00dfen vor unserer vollverglasten Balkont\u00fcr und himmelte unseren drinnen stehenden Kater an. Der hatte vor dem drau\u00dfen Stehenden solche Muffe, dass er sich vor Angst in die Hosen schiss, ihm entwich des \u00d6fteren ungewollt eine kleinere oder auch gr\u00f6\u00dfere Menge Stoffwechselprodukte.<br \/>\nWenn ich mich mit Frau Geisend\u00f6rfer vom ersten Stock ein Schw\u00e4tzchen hielt, sa\u00df unser Stubentiger kerzengrade auf der obersten Stufe und machte den Eindruck, als schliefe er, Ihm waren die Lider ganz allm\u00e4hlich \u00fcber die Augen nach unten gerutscht, so als langweile er sich gewaltig. Lie\u00df ich ihn jedoch nur einen kurzen Augenblick unbeobachtet, schlug er sich augenblicklich in die B\u00fcsche,  besser\u00a0 in die Wohnung der Geisend\u00f6rfers um sich dort aufs Sofa neben den verbl\u00fcfften alten Herrn, den Gatten der Frau Geisend\u00f6rfer zu legen, als h\u00e4tte er nie etwas  anderes getan.<br \/>\nDieser unsere geliebter Schnurrer nun, war eines Tages verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.<br \/>\nWie konnte das sein? Die Welt seiner Abenteuer war bisher ein f\u00fcnfzig Meter langer Hinterhof gewesen, ein geschlossenes Areal, das keinen\u00a0 Kontakt mit der gef\u00e4hrlichen Strasse zulie\u00df.<br \/>\nAlles war schon zigmal abgesucht, Nachbarn immer wieder vergeblich befragt, Stra\u00dfen rufend auf und abgelaufen. Hatte man ihn am Ende vergiftet? Unser geliebter Muzel schien f\u00fcr immer verschwunden zu sein. Eine Woche verging, die Zweite, die Dritte und Vierte, nichts, er kam nicht nach Hause.<br \/>\nAls wir ihn wirklich f\u00fcr immer verloren glaubten, h\u00f6rte ich nach sechs langen Wochen, eines Abends ein ganz, ganz leises Miauen, eher ein Vispern vor der Kellert\u00fcr, die auf die Strasse f\u00fchrte. Was war das? Mein damals noch nicht Angetrauter meinte, dies sei wenn \u00fcberhaupt eine fremde Katze, ich jedoch ahnte, dies konnte nur unser schon so lange Vermisste sein. Ich zog den Vorhang zur T\u00fcr vorsichtig zur Seite und da sah ich ihn sitzen, die treulose Tomate.  Etwas abgemagert, aber er war wieder da, so als sei nichts geschehen.  Mit keinem Miauer erw\u00e4hnte er, wie er vom Hof auf die Strasse gekommen war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heini, von nebenan, der wilde Feger war zwar sch\u00f6n und gut, jedoch war es halt nicht unsere, es war und blieb eben nur die Katze von nebenan. So kam es, als\u00a0 Jutta und Bernd, die Heinieltern, vorschlugen, uns ein Katzenbaby vom Land zu besorgen, wir begeistert zusagten. Eine Woche sp\u00e4ter hatten wir unseren graugetigerten, noch ziemlich ungeschickt durch die Gegend tapsenden und bl\u00f6schig, blau\u00e4ugig dreinblickenden Muzel VI. Unser Katzenkind stieg sofort einem gerade anwesenden Versicherungsvertreter der uns irgendeine \u00fcberfl\u00fcssige Versicherung andrehen wollte, unbek\u00fcmmert mitten in seinen aufgeklappten Aktenkoffer, und legte sich dort friedlich zur Ruhe.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4426"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4426"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4451,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4426\/revisions\/4451"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}