{"id":4872,"date":"2010-07-17T05:17:27","date_gmt":"2010-07-17T04:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=4872"},"modified":"2023-06-09T09:07:14","modified_gmt":"2023-06-09T07:07:14","slug":"froesche-im-wohnzimmer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2010\/07\/froesche-im-wohnzimmer\/","title":{"rendered":"Fr\u00f6sche im Wohnzimmer&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und eine Amsel im Bad<br \/>\nEines morgens sa\u00df eine junge, noch flugunf\u00e4hige Amsel auf dem Rasen unseres Gartens. Es sah so aus, als w\u00e4re das\u00a0 arme Amselkind mutterlos. Meine Mutter erbarmte sich seiner, nahm es mit ins Haus und setzte es auf den Handtuchhalter in unserem zweiten, nicht sehr oft benutzten Badezimmer. Was tun mit dem gefiederten kleinen Wesen? Es piepste anhaltend j\u00e4mmerlich nach seiner Mutter und nach Nahrung, w\u00e4hrend es uns nach Amselart misstrauisch be\u00e4ugte.<!--more--><br \/>\nIrgendetwas musste es zu Essen bekommen. Da wir nicht die geringste Lust hatten, den Boden im Garten nach Regenw\u00fcrmern f\u00fcr unseren kleinen Gast zu durchsuchen und es auch nicht \u00fcbers Herz brachten, ihn verhungern zu lassen, ging meine Mutter zum Metzger und kaufte Gehacktes. Dieses verf\u00fctterten wir nun dem kleinen Vogel in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit Hilfe einer Pinzette. Wir h\u00e4tten ihn dauernd f\u00fcttern k\u00f6nnen, denn er hatte st\u00e4ndig Hunger. Er fra\u00df unglaubliche Mengen Fleisch und sonderte auch genauso viel ab. Binnen Kurzem roch das Badezimmer nicht mehr wie ein Badezimmer, sondern eher wie eine Galappagosinsel, nach Guano. Es stank grauslich. Meine Mutter und ich mussten nicht nur st\u00e4ndig f\u00fcttern, nein, wir mussten auch st\u00e4ndig die Hinterlassenschaft des Vogels beseitigen, was sich auf die Dauer als ziemlich anstrengend herausstellte. Was tut man nicht alles f\u00fcr einen aus dem Nest gefallenes Vogelbaby?<br \/>\nDieser Zustand dauerte mehrere Wochen. Der Vogel fra\u00df, fra\u00df und fra\u00df, ohne sich merklich zu einem Vogelhalbstarken zu entwickeln und Anstalten zu machen seine schon gut entwickelten Fl\u00fcgel zu benutzen. Stattdessen begann er pl\u00f6tzlich zu mickern, lie\u00df kr\u00e4nklich den Kopf h\u00e4ngen und kniff traurig seine Augen zu. Sein Appetit blieb ihm jedoch erhalten. Was tun? Nichts als weiterf\u00fcttern, denn es gab weit und breit keine Tier\u00e4rzte, die sich f\u00fcr aus dem Nest gefallene Amseln interessierten.<br \/>\nDie Angelegenheit war zu einem nicht zu untersch\u00e4tzendem Problem geworden, was sich allerdings eines Morgens von selbst gel\u00f6st hatte. Der Vogel war in der Nacht tot vom Handtuchhalter gefallen und wurde von meiner ziemlich unpr\u00e4tenti\u00f6sen Mutter, die nicht lange fackelte, in die Abfalltonne entsorgt.<br \/>\nIm Sommer des gleichen Jahres besch\u00e4ftigte mich ein anderes tierisches Ph\u00e4nomen auf ganz andere Weise. Die doppelfl\u00fcgelige Glast\u00fcr vom Wohnzimmer zum Garten war t\u00e4glich den ganzen Sommer \u00fcber ge\u00f6ffnet und wurde nur zur Nacht geschlossen, was gelegentlich auch zu meinen Aufgaben geh\u00f6rte. Bevor ich also die beiden T\u00fcren schloss, fiel mein Blick auf die der T\u00fcren gegen\u00fcber liegenden Wand. Dort befand sich unterhalb der Tapetenleiste etwas Seltsames auf dem Teppich. Ich konnte es in der D\u00e4mmerung nicht genau erkennen, es schien jedoch lang und schmal zu sein. Als ich mich auf meine Knie begab und es neugierig betrachtete, sah ich, dass dieses lange, schatten\u00e4hnliche Etwas aus lauter kleinen Einzelwesen bestand. Da sa\u00dfen dicht an dicht nebeneinander winzige Babyfr\u00f6sche, mit dem Kopf zur Wand.<br \/>\nDa ich sie dort schlecht sitzen lassen konnte, nahm ich sie einen nach dem anderen und trug sie zur\u00fcck in den Garten. Am n\u00e4chsten Tag jedoch sa\u00dfen sie wieder an der gleichen Stelle. Zun\u00e4chst kostete es mich einige \u00dcberwindung die Fr\u00f6sche in meine Hand zu nehmen, jedoch f\u00fchlten sie sich nicht wie vermutet kalt und eklig, sondern erstaunlich warm und trocken an.<br \/>\nDiese Prozedur wiederholte sich jetzt wochenlang jeden Abend, solange bis die Fr\u00f6sche es aufgaben unser Wohnzimmer als Zufluchtsort zu w\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und eine Amsel im Bad Eines morgens sa\u00df eine junge, noch flugunf\u00e4hige Amsel auf dem Rasen unseres Gartens. Es sah so aus, als w\u00e4re das\u00a0 arme Amselkind mutterlos. 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