{"id":640,"date":"2021-07-08T06:06:02","date_gmt":"2021-07-08T04:06:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=640"},"modified":"2021-07-09T07:11:45","modified_gmt":"2021-07-09T05:11:45","slug":"erfolgreich-gewendet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2021\/07\/erfolgreich-gewendet\/","title":{"rendered":"Reise in die Vergangenheit&#8230;."},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22410\" aria-describedby=\"caption-attachment-22410\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-22410\" src=\"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-300x226.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"377\" srcset=\"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-300x226.jpg 300w, http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-1024x770.jpg 1024w, http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-768x578.jpg 768w, http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-1536x1155.jpg 1536w, http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087-1140x857.jpg 1140w, http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/PA020087.jpg 1614w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22410\" class=\"wp-caption-text\">Wismar<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left;\">Es war ein weiter Weg zum ehemaligen Gut Gross Below in Mecklenburg Vorpommern, dem Ort, an dem ich das Licht der Welt erblickte.<br \/>\nDa, wo einmal die Grenze zur DDR gewesen sein musste, war nichts mehr, was auf diese hindeuten konnte, kein Stacheldraht, keine Wacht\u00fcrme, keine Soldaten. Trotzdem packte mich die Muffe. Wo waren sie, die Insignien der Willk\u00fcr, der Macht? Konnte es wirklich sein, dass all dies verschwunden war, dass ich so ganz einfach r\u00fcber konnte, niemand mich aufhielt?<!--more--><br \/>\nIch schluckte heftig gegen den Kloss im Hals an, k\u00e4mpfte mit meinen Tr\u00e4nen, die mit aller Macht raus wollten, konnte doch nicht so einfach losheulen, was w\u00fcrden meine Kinder dazu sagen, wenn Mama so einfach die Nerven verlor?<br \/>\nIch f\u00fchlte mich \u00e4usserst beklommen, mein Innerstes konnte nicht glauben, was ich jetzt tat und so viele Jahre nicht ungestraft tun durfte. Langsam gew\u00f6hnte ich mich daran, auf der ehemaligen anderen Seite zu sein. Das ungute und klamme Gef\u00fchl liess nach. Ich bestaunte die kanada-\u00e4hnlichen riesigen Felder, die kein Ende nehmen wollten. Die Abwesenheit von kleinen Kuh oder Pferdeweiden. Die langen Alleen mit unterschiedlichsten Baumarten bestanden. Aber auch das weniger Sch\u00f6ne, die H\u00e4user mit graubeige schmutzigen Fassaden, an dessen Renovierung sich entweder niemand herantraute oder zust\u00e4ndig f\u00fchlte. Die vernachl\u00e4ssigten Plattenbauten mitten auf dem Land. Die Spuren des Sozialismus waren Mitte der Neunziger also noch nicht verschwunden. Alles sah irgendwie runtergekommen, nicht unbedingt einladend aus, so als sei denen, die darin lebten, egal wie es wirkte.<br \/>\nMein Geburtsort hatte keine \u00c4hnlichkeit mehr mit einem prosperierenden Gut oder einer LPG.\u00a0 Statt des Schlosses, das schon Anfang der F\u00fcnfziger abgebrannt war, stand jetzt ein einsamer unspektakul\u00e4rer Plattenbau. Der Hauch von Erinnerung, die ich noch hatte, stimmte nicht mit dem \u00fcberein, was ich jetzt sah. Bis auf ein paar Wirtschaftsgeb\u00e4ude und Stallungen, gab es hier nicht viel womit man Landwirtschaft betreiben konnte, vor allem allerdings fehlten die Menschen. Das Gut schien nahezu entv\u00f6lkert zu sein.<br \/>\nVierzig Jahre war es her, seitdem ich diesen Ort zum letzten Mal gesehen hatte und wenn ich die Erwartung gehabt hatte, etwas Bekanntes wieder zu finden, konnte ich das jetzt endg\u00fcltig abhaken.<br \/>\nZw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter machte ich mich erneut auf ins Land meiner V\u00e4ter und M\u00fctter. Diesmal zusammen mit meiner Tochter. Wir hatten vor, vier Tage in einem Ferienhaus an der Ostsee in der N\u00e4he von Wismar zu verbringen.<br \/>\nVon der ehemaligen Grenze, dem sogenannten &#8220;Eisernen Vorhang&#8221; war noch weniger wahrzunehmen als vor zw\u00f6lf Jahren. Ich sp\u00fcrte keinen Kloss im Hals und auch keine aufsteigenden Tr\u00e4nen mehr, jedoch ein leicht klammes Gef\u00fchl hatte mich doch wieder im Griff.<br \/>\nDie Orte und H\u00e4user auf der ehemaligen anderen Seite, inzwischen neu erbaut oder die Fassaden dem westlichen Vorbild angeglichen, unterschieden sich in nichts von denen in den so genannten alten Bundesl\u00e4ndern. Wo war sie, die ehemalige DDR? Alles schien allzu angeglichen, erfolgreich gewendet. Jede Menge Baum\u00e4rkte und Autoverkaufsh\u00e4user gab es sogar mitten auf dem Land, aber keine normale Infrastruktur, wie zum Beispiel B\u00e4cker oder Fleischer, Superm\u00e4rkte. Einen Geldautomaten konnte ich auch nirgens entdecken.<br \/>\nNur einige wenige bauliche Altlasten, halb verfallene H\u00e4user mit blinden Fenstern im Seebad Boltenhagen und in Wismar erinnerten an eine Zeit, an die sich heute wohl keiner mehr so recht erinnern wollte.<br \/>\nWo war sie geblieben, die alte DDR? Hatte sie sich geschminkt, hat sie Kreide gefressen? Waren die Jahreszeit, die Nachsaison und der ausgiebige Regen daf\u00fcr verantwortlich, dass ich au\u00dfer einem einsamen Fischverk\u00e4ufer in Strandn\u00e4he keinen Einheimischen zu fassen bekam, mit dem ich mich h\u00e4tte unterhalten k\u00f6nnen?<br \/>\nGerne h\u00e4tte ich mich mit dem Vergangenen auseinandergesetzt und fand keinen Ansatzpunkt mehr daf\u00fcr, lediglich die paar \u00fcbrig gebliebenen Bauruinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein weiter Weg zum ehemaligen Gut Gross Below in Mecklenburg Vorpommern, dem Ort, an dem ich das Licht der Welt erblickte. Da, wo einmal die Grenze zur DDR gewesen sein musste, war nichts mehr, was auf diese hindeuten konnte, kein Stacheldraht, keine Wacht\u00fcrme, keine Soldaten. Trotzdem packte mich die Muffe. Wo waren sie, die Insignien der Willk\u00fcr, der Macht? Konnte es wirklich sein, dass all dies verschwunden war, dass ich so ganz einfach r\u00fcber konnte, niemand mich aufhielt?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[1673,1667,1669,1668,1672,1489,1676,1679,1677,1670,1678,1671,1675,1674],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=640"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22412,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/640\/revisions\/22412"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}