{"id":7346,"date":"2011-02-11T06:03:16","date_gmt":"2011-02-11T05:03:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=7346"},"modified":"2011-02-11T06:03:16","modified_gmt":"2011-02-11T05:03:16","slug":"der-exhibitionist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2011\/02\/der-exhibitionist\/","title":{"rendered":"Der Exhibitionist"},"content":{"rendered":"<p>Gerade hatte ich die Eisenbahnunterf\u00fchrung passiert, als sich pl\u00f6tzlich schemenhaft  aus der Dunkelheit eine Gestalt l\u00f6ste. Sie schien mich anzusteuern diese Gestalt. Jeden Morgen musste ich wie gew\u00f6hnlich an einer ziemlich dunklen und laternenarmen Stelle vorbei, einem  kleinen Platz, an der sich vier kleine Stra\u00dfen trafen. Es machte mir nicht besonders viel aus, dass die Stra\u00dfen in diesen fr\u00fchen Morgenstunden meist wie ausgestorben wirkten und  ich selten jemand traf, der wie ich eilig zur Arbeit strebte. Diesmal allerdings verfluchte ich diesen Umstand, als ich diese Gestalt langsam aber zielstrebig auf mich zukommen sah. <!--more-->Dieser Mensch, es schien der Gr\u00f6\u00dfe und der Umrisse nach ein Mann zu sein, der aber noch fast vollst\u00e4ndig von der Dunkelheit verh\u00fcllt war, schien nicht besonders sicher auf seinen Beinen zu sein. Er torkelte etwas, hatte wohl letzte Nacht einen Zug durch die Gemeinde gemacht und war von einem Nachtlokal gegen Morgen ausgespuckt worden.<br \/>\nEr hatte anscheinend, so wie es aussah, geplant, dass ich seinen Weg, ob ich wollte oder nicht, kreuzte. Gerne h\u00e4tte ich jetzt einen Haken geschlagen oder einen Umweg genommen. Ja,  ich w\u00e4re am liebsten  zur\u00fcck zur Haltestelle gelaufen. Angetrunkenen in dieser fr\u00fchen Morgenstunde zu begegnen, erf\u00fcllte mich nicht unbedingt mit Freude.<br \/>\nEs blieb mir jedoch nichts anderes \u00fcbrig, ich musste an ihm vorbei, um in die schr\u00e4g gegen\u00fcber liegende Stra\u00dfe einzubiegen. Die Zeit war entschieden zu knapp f\u00fcr Umwege. Je n\u00e4her ich ihm kam, umso mehr ahnte ich, dass   au\u00dfer seiner angetrunkenen Verfassung noch etwas anderes mit ihm nicht stimmte. Ich hatte ihn fast erreicht, als ich sah, dass ein gro\u00dfes St\u00fcck des unteren Teils seines Overalls, den er trug, zu fehlen schien. Ihn genau zu betrachten wagte ich nicht. Mein Herz h\u00e4mmerte Stakkato, als ich an ihm so schnell ich konnte vorbei lief. Irgendetwas hatte er undeutlich vor sich hin gebrabbelt, w\u00e4hrend er provokativ an seinem trotz der winterlichen K\u00e4lte freigelegten Unterk\u00f6rper herummanipulierte. Ich beschleunigte meine Schritte noch etwas, wollte diesem Kerl nicht den Triumph g\u00f6nnen, mich rennen zu sehen, obwohl mir nach Rennen zu Mute war.  Ich sah mich nicht um, wagte es nicht, lief  eilig weiter die Stra\u00dfe hinunter. Als ich auf H\u00f6he des Hauses war, in dem ich arbeitete, stoppte ich endlich erleichtert, drehte mich um, um die schwach erhellte Stra\u00dfe zur\u00fcck zu blicken, aber nichts mehr von dem Spuk, den ich soeben erlebt hatte, war zu sehen, alles war menschenleer, wirkte so ausgestorben wie gew\u00f6hnlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade hatte ich die Eisenbahnunterf\u00fchrung passiert, als sich pl\u00f6tzlich schemenhaft aus der Dunkelheit eine Gestalt l\u00f6ste. Sie schien mich anzusteuern diese Gestalt. Jeden Morgen musste ich wie gew\u00f6hnlich an einer ziemlich dunklen und laternenarmen Stelle vorbei, einem kleinen Platz, an der sich vier kleine Stra\u00dfen trafen. Es machte mir nicht besonders viel aus, dass die Stra\u00dfen in diesen fr\u00fchen Morgenstunden meist wie ausgestorben wirkten und ich selten jemand traf, der wie ich eilig zur Arbeit strebte. 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