{"id":7355,"date":"2011-04-01T07:57:54","date_gmt":"2011-04-01T06:57:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=7355"},"modified":"2011-04-01T07:57:54","modified_gmt":"2011-04-01T06:57:54","slug":"machos-machos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2011\/04\/machos-machos\/","title":{"rendered":"Machos, Machos\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich bei Daimler Benz innerhalb einer reinen M\u00e4nnerdom\u00e4ne mit nur einer Handvoll Frauen arbeiten sollte, betrachtete ich zu Anfang noch als Herausforderung, als Abenteuer.<br \/>\nWas es allerdings bedeutete, von den Umkleidekabinen aus, sich quer durch die ganze Halle an den johlenden und pfeifenden Arbeitern der Lackiererei und der Endproduktion vorbei zur Polsterei durchzuk\u00e4mpfen, war tats\u00e4chlich schon ein Abenteuer f\u00fcr sich. <!--more-->Die Herren der Sch\u00f6pfung taten jeden Tag aufs Neue so, als h\u00e4tten sie just zum ersten Mal in ihrem Leben ein weibliches Wesen gesehen. War ich dann sicher an meinem Arbeitsplatz an meinem angelangt, waren die gierigen Blicke der M\u00e4nner, die in einer Art Glaskasten der Polsterei, die Autositze herstellten, un\u00fcbersehbar. Ich nahm es mit Humor, was sollte ich auch sonst tun? Mich \u00fcber derlei zu \u00e4rgern, fand ich zu dumm, denn das Gestarre und Gepfeife meiner Kollegen war ja auch eine un\u00fcberh\u00f6rbare Anerkennung.<!--more--><br \/>\nAu\u00dfer den weiblichen N\u00e4herinnen gab es auch noch zwei n\u00e4hende M\u00e4nner, ein T\u00fcrke, seines Zeichens Schneidermeister und  nebenbei der Pingeligste, der mir bisher untergekommen war &#8211; und Cherny aus der ehemaligen Tschechoslowakei, hinterm  eisernen Vorhang. Cherney Mitte Zwanzig, hielt sich f\u00fcr einen Womenizer wie fast alle m\u00e4nnlichen Wesen in dieser Werkshalle. Mit gro\u00dfer Klappe klagte er \u00fcber die unzug\u00e4ngliche, spr\u00f6de Bremer Weiblichkeit. Speziell schien er es auf Verk\u00e4uferinnen in Kosmetikabteilungen der diversen Bremer Kaufh\u00e4user abgesehen zu haben. An diesen Damen und nur an diesen, schien er seinen Charme zu testen und zu seinem Leidwesen nicht f\u00fcndig zu werden.<br \/>\nEines Tages stand  Basti, der einzige Lehrling der Polsterei, verlegen neben meinen Arbeitsplatz und druckste merkw\u00fcrdig herum. Sonst war er nicht gerade auf den Mund gefallen und nahm  denselben auch ziemlich voll. Was war los, was wollte er? Er kam nicht raus mit der Sprache\u2026  Sein Gedruckse dauerte an. Ich d\u00fcrfe aber nicht b\u00f6se sei \u00fcber das, was er jetzt sage. Nein, beteuerte ich, ganz gewiss nicht und arbeitete derweil weiter. Mir schwante nichts Gutes. Endlich jedoch r\u00fcckte er damit raus, dass er sich von einem Kollegen der Polsterei habe schicken lassen, um mir auszurichten, er deutete auf den verlegen grinsenden T\u00fcrken hinter der Glasscheibe, ich sei so ziemlich das Tollste und Geilste was ihm begegnet sei und wenn er k\u00f6nnte  wie er wolle, dann w\u00fcrde er mich\u2026.es folgte etwas ganz und gar nicht stubenreines.<br \/>\nBasti sah unsicher auf mich an meiner Maschine eisern weiter Arbeitende herunter und wartete neugierig auf meine Reaktion. Alles hatte ich erwartet, aber nicht das! Ich schluckte schwer. Was sollte ich antworten? Konnte ich darauf \u00fcberhaupt antworten, nein, besser nicht! Ich versuchte, ihn und den mich schief durch die Scheibe Angrinsenden, anzul\u00e4cheln, als sei nichts geschehen. Sollte ich hier auf die Probe gestellt werden, sollte ich hier ver\u00e4ppelt werden? Was war hier los?<br \/>\nEs verging noch einige Zeit, bis ich  kapierte, dass dies was mir da widerfahren war, als eine Art Kompliment gedacht war und dass dies hier halt der  Umgangston zu sein schien.<br \/>\nDie n\u00e4chste Pr\u00fcfung dieser Art lie\u00df nicht lange auf sich warten. Ein paar Wochen sp\u00e4ter, ich machte gerade an meiner N\u00e4hmaschine sitzend Fr\u00fchst\u00fcckspause, fragten mich zwei mir v\u00f6llig fremde M\u00e4nner, ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, ob sie sich zu mir setzen d\u00fcrften. Sie r\u00fcckten zwei St\u00fchle heran und platzierten sich genau vor mich. Angenehm war mir diese St\u00f6rung nicht, denn meine Pause hatte ich mir anders vorgestellt. Ich machte jedoch gute Miene zum b\u00f6sen Spiel. Es dauerte nicht lange und sie r\u00fcckten ohne gro\u00dfe Umschweife mit dem raus, was sie auf dem Herzen hatten: Sie seien Werksfeuerwehrm\u00e4nner, h\u00e4tten mich gesehen, mich beobachtet und der eine der beiden wolle mich fragen, ob ich ihn heiraten w\u00fcrde. Bums, das sa\u00df! Der Antragsteller schien sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein, denn er hatte den Antrag ohne die kleinste Unsicherheit vorgetragen. War ich hier im falschen Film, was ging hier ab? Die beiden wirkten jedoch nicht im Mindesten so, als w\u00e4re dieser Antrag nicht ernst gemeint. Ich musste mich also wohl damit abfinden, in dieser M\u00e4nnerwelt nur ein Objekt zu sein und dass meine Kollegen dar\u00fcber hinaus die Polsterei anscheinend als Heiratsmarkt betrachteten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich bei Daimler Benz innerhalb einer reinen M\u00e4nnerdom\u00e4ne mit nur einer Handvoll Frauen arbeiten sollte, betrachtete ich zu Anfang noch als Herausforderung, als Abenteuer. 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