{"id":7503,"date":"2011-03-01T06:16:34","date_gmt":"2011-03-01T05:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/?p=7503"},"modified":"2011-03-01T06:18:53","modified_gmt":"2011-03-01T05:18:53","slug":"nitribit-im-fleischerladen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2011\/03\/nitribit-im-fleischerladen-2\/","title":{"rendered":"Nitribit im Fleischerladen"},"content":{"rendered":"<p>Mitunter begleitete ich meine Mutter zu ihren t\u00e4glichen Eink\u00e4ufen. Es gab so einige Stationen, die wir in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit anliefen. Zum Beispiel waren da das Obst und Gem\u00fcsegesch\u00e4ft, der B\u00e4cker, bei dem meine Mutter nicht nur Brot, sondern auch fast t\u00e4glich Kuchen, meist Plunderst\u00fccken, kaufte. Seltener kaufte sie bei Albrecht, einem ziemlich kleinen Gesch\u00e4ft mit einem Tresen, aus dem sp\u00e4ter die Aldikette wurde, denn das Angebot war dort nicht gerade \u00fcppig.<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig allerdings erstand sie Bohnenkaffee im Kaisers Kaffeegesch\u00e4ft. Auch aus diesen kleinen, eher winzigen, Filialen wurde sp\u00e4ter ein Konzern. Bei Kaisers wurde es auch f\u00fcr mich endlich interessant, denn es gab hier nicht nur Kaffee, sondern auch jede Menge S\u00fc\u00dfigkeiten. Gelegentlich fiel hier f\u00fcr mich, je nach meinen augenblicklichen Vorlieben, Nussschokolade oder Himbeerbonbons ab. <!--more--><br \/>\nMeine Mutter schien in allen Gesch\u00e4ften, die wir anliefen, ein gern gesehener Kunde zu sein, denn sie war meist freundlich und spr\u00fchte vor guter Laune. In jedem Gesch\u00e4ft machte sie ihre Sp\u00e4\u00dfe mit den Verk\u00e4uferinnen. Ihr scherzhafter Umgang mit dem Verkaufspersonal, war ein Instrument, das sie virtuos beherrschte. Wohin sie auch kam, sorgte sie f\u00fcr Stimmung. Langweilig war es nie, meine Mutter auf ihren Einkaufstouren zu begleiten. Solange ich nur Zuschauer war und nicht im Mittelpunkt des Interesses stand, konnte es mir nur recht sein. Meine Mutter war das, was man eine Rampensau nennt, sie zog, wohin sie auch kam, s\u00e4mtliches Interesse auf sich und dies selbstverst\u00e4ndlich nicht nur w\u00e4hrend der Eink\u00e4ufe.<br \/>\nManchmal im Sommer konnte ich auch, wenn wir am Eisladen vorbei kamen, eine Waffel mit ein oder zwei Kugeln zu je zehn Pfennig abstauben. Dieser Eisladen allerdings lag jenseits des Fleischergesch\u00e4fts und dorthin ging es nur, wenn ein Schuhkauf anstand, entweder f\u00fcr mich oder meine Mutter, aber das passierte \u00e4u\u00dferst selten. Also kam ich auch nur h\u00f6chst selten in den Genuss einer Eiswaffel.<br \/>\nNoch weiter, die Gemarkenstrasse hinauf, gingen wir nur noch in der Vorweihnachtszeit und diesmal zusammen mit meinem Vater, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen, genau gegen\u00fcber der katholischen Kirche. Das Fleischergesch\u00e4ft sah meine Mutter fast t\u00e4glich, denn seinerzeit hatten wir noch keinen K\u00fchlschrank und sowohl Fleisch als auch Wurst mu\u00dften schnell verbraucht werden.<br \/>\nGenau hier beim Fleischer stand ich eines Tages ungewollt im Mittelpunkt und hatte meinen Auftritt. Zwei Dinge spielten dabei eine Rolle: Die seinerzeit gerade ermordete Edelprostituierte Rosemarie Nitribit und die allzu rot wirkende, allzu stark mit dem P\u00f6kelsalz Nitrit behandelte R\u00e4ucherwurst. Beides war zur gleichen Zeit zum Skandal geworden. Und beides brachte ich etwas durcheinander, als ich meine Mutter lautstark fragte:<br \/>\n\u201eMutti, ist in der Wurst da Nitribit drin?\u201c<br \/>\nIch bemerkte wie Verk\u00e4uferinnen und Kundinnen mich anstarrten. Meine Mutter, sonst relativ locker, drehte sich sofort wie angestochen zu mir um, und zischte mir zu, ich solle nicht so laut sprechen, es m\u00fcssten doch nicht alle im Laden Anwesenden mitbekommen, was ich da gesagt hatte. In der Wurst sei \u00fcbrigens Nitrit, statt Nitribit. Jetzt hatte sie sich schon wieder gefasst, schien wieder am\u00fcsiert zu sein, und grinste still vor sich hin.<br \/>\n<strong>Mehr Gechichten K\u00f6nnen Sie in meinem Buch &#8220;Storch im Salat&#8221; lesen. Mit einem clik auf das entsprechende Cover rechts, sind sie bei Amazon und k\u00f6nnen sich das Buch kaufen!<\/strong><em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitunter begleitete ich meine Mutter zu ihren t\u00e4glichen Eink\u00e4ufen. Es gab so einige Stationen, die wir in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit anliefen. Zum Beispiel waren da das Obst und Gem\u00fcsegesch\u00e4ft, der B\u00e4cker, bei dem meine Mutter nicht nur Brot, sondern auch fast t\u00e4glich Kuchen, meist Plunderst\u00fccken, kaufte. Seltener kaufte sie bei Albrecht, einem ziemlich kleinen Gesch\u00e4ft mit einem Tresen, aus dem sp\u00e4ter die Aldikette wurde, denn das Angebot war dort nicht gerade \u00fcppig. Regelm\u00e4\u00dfig allerdings erstand sie Bohnenkaffee im Kaisers Kaffeegesch\u00e4ft. Auch aus diesen kleinen, eher winzigen, Filialen wurde sp\u00e4ter ein Konzern. Bei Kaisers wurde es auch f\u00fcr mich endlich interessant, denn es gab hier nicht nur Kaffee, sondern auch jede Menge S\u00fc\u00dfigkeiten. Gelegentlich fiel hier f\u00fcr mich, je nach meinen augenblicklichen Vorlieben, Nussschokolade oder Himbeerbonbons ab.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7503"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7506,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503\/revisions\/7506"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}