{"id":79,"date":"2007-12-24T13:44:55","date_gmt":"2007-12-24T12:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/12\/24\/die-chinesin\/"},"modified":"2020-02-14T07:09:40","modified_gmt":"2020-02-14T05:09:40","slug":"die-chinesin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2007\/12\/die-chinesin\/","title":{"rendered":"Exotin&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>So ungern ich kurz zuvor noch zur Schule gegangen war, so gerne ging ich jetzt zur Berufsschule. In Frau Zantops Atelier war ich die Niedrigste in der Hierarchie, ein Nichts. Hier, wo alle Schneiderlehrlinge ganz Essens in einem Jahrgang versammelt waren, war ich Gleiche unter Gleichen. Hier gab es keine hierarchischen Unterschiede. Es machte mir wirklich fast alles Spass, jedes Fach und war es noch so stumpfsinnig, sogar Religion und Hauswirtschaft. Alles war besser, als Dinge tun zu m\u00fcssen, bei denen ich st\u00e4ndig als Versager dastand.<!--more--> Beim Religionsunterricht beispielsweise merkte ich sehr bald, wie ich mir den Religionslehrer, einen evangelischen Pfarrer, ganz besonders gewogen machen konnte, n\u00e4mlich durch besondere Aufmerksamkeit. Ich hing stets an seinen Lippen, nicht weil mich die Thematik so fesselte, nein bewahre, ich wollte lediglich Aufmerksamkeit und Best\u00e4tigung. Auch unter meinen Mitsch\u00fclerinnen tat ich alles, um beliebt zu sein. \u00dcbrigens zum ersten Mal in meinem Leben. In einer Beziehung allerdings fand ich die Einsch\u00e4tzung meiner Mitsch\u00fclerinnen bez\u00fcglich meiner Person \u00e4usserst seltsam. Sie fragten mich ganz offen, ob meine Mutter Asiatin, vermutlich sogar Chinesin sei. Im ersten Augenblick verbl\u00fcfft, glaubte ich noch ver\u00e4ppelt zu werden. Jedoch am\u00fcsierte es mich bald kollossal, dass sie so ungeheuer daneben lagen. Ich gew\u00f6hnte mich schnell daran und genoss meinen Status als Exotin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ungern ich kurz zuvor noch zur Schule gegangen war, so gerne ging ich jetzt zur Berufsschule. In Frau Zantops Atelier war ich die Niedrigste in der Hierarchie, ein Nichts. Hier, wo alle Schneiderlehrlinge ganz Essens in einem Jahrgang versammelt waren, war ich Gleiche unter Gleichen. Hier gab es keine hierarchischen Unterschiede. Es machte mir wirklich fast alles Spass, jedes Fach und war es noch so stumpfsinnig, sogar Religion und Hauswirtschaft. Alles war besser, als Dinge tun zu m\u00fcssen, bei denen ich st\u00e4ndig als Versager dastand.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21261,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79\/revisions\/21261"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}