{"id":87,"date":"2009-11-16T12:22:32","date_gmt":"2009-11-16T11:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2008\/01\/14\/die-zerbrochene-reissschiene\/"},"modified":"2010-02-18T15:18:19","modified_gmt":"2010-02-18T14:18:19","slug":"die-zerbrochene-reissschiene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.kunstgalerie-barbara.de\/blog\/2009\/11\/die-zerbrochene-reissschiene\/","title":{"rendered":"Die zerbrochene Rei\u00dfschiene"},"content":{"rendered":"<p>Mein Vater konstruierte und zeichnetegelegentlich zu Hause Baupl\u00c3\u00a4ne. Er hatte sein Rei\u00c3\u0178brett im Wohnzimmer in Ermangelung eines eigenen Arbeitsraumes aufgebaut. Mein Vater legte trotz allem gro\u00c3\u0178en Wert auf ungest\u00c3\u00b6rtes Arbeiten. Niemand durfte seinen Baupl\u00c3\u00a4nen zu nahe kommen und jeder in der Familie hielt sich daran, schon aus eigenem Interesse, denn er konnte ziemlich ausrasten, wenn es doch jemand versuchte. Nur mein kleiner Muzel wu\u00c3\u0178te nicht, was ihm bl\u00c3\u00bchen konnte, er schlug unbek\u00c3\u00bcmmert seine Kapriolen, <!--more-->turnte und sprang auf alles, was erh\u00c3\u00b6ht war und von dem aus er nach Katzenart einen guten \u00c3\u0153berblick hatte. Dabei landete er pl\u00c3\u00b6tzlich auch auf den Baupl\u00c3\u00a4nen meines Vaters. Die Pfoten meines Katers, nie ganz sauber, hatten h\u00c3\u00a4\u00c3\u0178liche Abdr\u00c3\u00bccke auf dem wei\u00c3\u0178en Bogen hinterlassen. Mein Vater sch\u00c3\u00a4umte vor Wut. Er nahm seine Rei\u00c3\u0178schiene, ein langes T-f\u00c3\u00b6rmiges Lineal und drosch auf den Kater ein. Er versuchte es zumindest, aber es mi\u00c3\u0178lang. Inzwischen hatte der<br \/>\nsich schon in blinder Panik aus dem Staub gemacht und den Raum verlassen. Muzel hatte nichts abbekommen, wohl aber die Rei\u00c3\u0178schiene. Die war bei der Aktion zu Bruch gegangen. Die Abdr\u00c3\u00bccke der Katzenpfoten lie\u00c3\u0178en sich auch<br \/>\ndurch intensives Bem\u00c3\u00bchen nicht wegradieren, mein Vater mu\u00c3\u0178te den gesamten Plan noch einmal neu zeichnen.<br \/>\nVon dem Tag an blieb der Raum verschlossen, wenn mein Vater arbeitete. Gelegentlich neigte, wie schon beschrieben, mein Vater dazu im \u00c3\u0153berma\u00c3\u0178 dem Alkohol zuzusprechen. Es gab Phasen in seinem Leben, in denen er, der nicht viel trinken mu\u00c3\u0178te, um betrunken zu sein, nicht wu\u00c3\u0178te, wann er genug hatte. Ich erfuhr dies, glaube ich, zum ersten Mal mit<br \/>\nvier oder f\u00c3\u00bcnf Jahren, als er eines Abends viel zu sp\u00c3\u00a4t und sturzbetrunken nach Hause kam. Die Reaktion meiner Mutter kam prompt. W\u00c3\u00bctend, nach einem kurzen verbalen Gewitter, nahm sie ihre und meine Matratze samt Bettzeug und deponierte beides auf dem Boden unseres Esszimmers.<br \/>\nEs sollte Protest und Strafe in einem f\u00c3\u00bcr meinen Vater sein. Au\u00c3\u0178erdem wollte sie sich und mich, die ich bei meinen Eltern im Schlafzimmer schlief, nicht die ganze Nacht den Alkohold\u00c3\u00bcnsten meines Vaters aussetzen. Es war das erste Mal von so einigen N\u00c3\u00a4chten, die ich auf diese Weise verbrachte. Dies erste Mal fand ich noch spannend, auf jeden<br \/>\nFall eine andere neue Art, die Nacht zu verbringen. Im Dunklen sah ich Muzel I. \u00c3\u00bcber unser Vertiko geistern. Es gruselte mich schon, aber da meine Mutter bei mir war, hielt sich meine Furcht in Grenzen. Vor M\u00c3\u00bcdigkeit fielen mir schlie\u00c3\u0178lich die Augen zu. In der Eifel war es dann wohl mal wieder so weit. Der innere Druck, der sich bei meinem \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst sensiblen Vater aufgebaut hatte, entlud sich in einem \u00c3\u0153berma\u00c3\u0178 an Bierkonsum. Dies geschah auf einem Betriebsfest, das er mit<br \/>\nseinen Kollegen feierte. Sp\u00c3\u00a4t abends brachten ihn einige dieser Kollegen mit dem Auto nach Hause. Ich wurde geweckt von einem lautstarken Gehupe vor dem Haus. Auch diese Arbeitskollegen schienen nicht mehr ganz n\u00c3\u00bcchtern zu sein.<br \/>\nMein Vater, augenscheinlich der Betrunkenste in der Runde, versuchte aus dem Auto zu steigen, was ihm nur unter gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ter M\u00c3\u00bche gelang. Als er sich dann endlich au\u00c3\u0178erhalb des Wagens befand, dabei aber mit den H\u00c3\u00a4nden an der offenen Wagent\u00c3\u00bcr abst\u00c3\u00bctzte, schlo\u00c3\u0178 einer der M\u00c3\u00a4nner im Autoinneren die T\u00c3\u00bcr, ohne auf die H\u00c3\u00a4nde meines Vaters zu achten. Schnell wurde die T\u00c3\u00bcr von innen wieder ge\u00c3\u00b6ffnet &#8211; zu sp\u00c3\u00a4t, einige Finger seiner linken Hand waren gequetscht und bluteten ziemlich stark. Ich sah meine, zun\u00c3\u00a4chst abwartend in der Haust\u00c3\u00bcr stehende, Mutter eilig zum Wagen laufen, um meinen Vater in Empfang nehmen. Der schien jedoch so betrunken zu sein, da\u00c3\u0178 er noch gar nicht mitbekommen hatte, was da mit ihm passiert war, er schien jedenfalls keine Schmerzen zu haben. W\u00c3\u00a4hrend meine Mutter ihm die verletzte Hand versorgte, sauste eine Schimpf- und Vorwurfskanonade auf ihn nieder. Auch davon wird er in seinem stark angetrunkenen Zustand nicht viel mitbekommen haben. Es schockte mich ziemlich, meinen Vater in diesem desolaten Zustand gesehen zu haben. Mein bis dahin weitestgehend heiles Bild von ihm hatte erste Risse bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Vater konstruierte und zeichnetegelegentlich zu Hause Baupl\u00c3\u00a4ne. 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