Allgemeines

Das Zusammenspiel der Naturphänomene auf unserem schönen blauen Planeten ist leider noch nicht genügend erforscht, aber das, was bekannt ist, ist absolut grandios….

Wetterthema

Kieselalgen als Klimaretter

Dass wir atmen können, verdanken wir Lebewesen, die so klein sind, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Lebewesen, von denen die wenigsten wissen, dass es sie überhaupt gibt.

Pflanzen produzieren mithilfe von Photosynthese Sauerstoff. Das ist an sich nichts Neues. Was dagegen überrascht: Mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Luft stammt nicht von Buche, Eiche oder Ahorn, sondern von winzigen Lebewesen in unseren Ozeanen. Unzählige Mikroalgen, zu denen auch die Kieselalgen zählen, wandeln mithilfe von Sonnenlicht Kohlenstoffdioxid und Wasser in Biomasse um, in der das CO2 gebunden wird, ohne dem Klima zu schaden. Als „Abfallprodukt“ entstehen Tonnen von Sauerstoff – jeden zweiten Atemzug verdanken wir den Meeresalgen. Würden sie nicht so viel Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtern, wäre die Klimakrise bereits weit schlimmer als sie aktuell ist.

Die Einzeller sind Teil eines uralten Kreislaufs. Dank ihnen kann in den Meeren tonnenweise Krill, tierisches Plankton, leben. Krill wiederum stellt die Nahrungsgrundlage für größere Meeresbewohner dar: Fische und Wale fressen die Kleinstlebewesen in großen Mengen. Scheiden sie diese schließlich wieder aus, sinken die Überreste zusammen mit abgestorbenen Kieselalgen als „Meeresschnee“ auf den Grund und lagern sich als Sedimentschicht ab. Auf diese Weise wurde in den vergangenen zwei Jahrhunderten über ein Viertel des von Menschen produzierten Kohlenstoffdioxids aus der Luft gefiltert und in Form von Kohlenstoff am Meeresgrund gespeichert.

Hebt sich im Laufe der Jahrmillionen durch tektonische Plattenverschiebung der Meeresboden oder sinkt der Wasserspiegel, so wird die Sedimentschicht an die Oberfläche gebracht. Wie etwa in der Bodélé-Senke im nördlichen Tschad. Stürme peitschen über die weite Fläche und wirbeln den Staub kilometerhoch in die Atmosphäre. Dort wird er von den Passatwinden nach Südamerika getragen und liefert dem eigentlich kargen Regenwaldboden wichtige Nährstoffe. Nicht zuletzt dank Kieselalgen und Co. konnte sich im Amazonasgebiet eine solch reiche Vegetation entwickeln. Der Regenwald wiederum beeinflusst das Klima weltweit, auch den Niederschlag in der Antarktis. Die Eismassen transportieren Geröll und Staub ins Meer. Diesen nutzen dort wiederum die Kieselalgen, um sich ihren Panzer zu bauen, ohne den sie sich nicht fortpflanzen können. An guten Tagen kann die Zahl der Algen geradezu explodieren, ganze Algenteppiche sind dann vom All aus zu sehen. Diese dienen dann den größeren Lebewesen als Nahrung … und der Kreislauf beginnt von vorn.

Durch unseren Einfluss jedoch droht das System aus dem Gleichgewicht zu geraten. Wasserverschmutzung, zu große CO2-Mengen und steigende Wassertemperaturen machen den Algen zu schaffen. In den letzten 70 Jahren hat sich die Masse des Planktons fast halbiert. Was geschieht, wenn irgendwann zu wenige Kieselalgen wachsen und der Kreislauf zum Erliegen kommt, ist nicht mit letzter Gewissheit zu sagen. Zu wenig wissen wir über die fein aufeinander abgestimmten Prozesse auf unserem Planeten. Dass die Folgen weltweit zu spüren sein werden, ist dagegen sicher. Wird das Wasser wärmer und versauert, so könnten die Kieselalgen nicht mehr in der Lage sein, in dem Maße wie bisher Kohlenstoffdioxid aufzunehmen. Gleichzeitig produzieren sie weniger lebenswichtigen Sauerstoff und können größeren Meereslebewesen nicht mehr ausreichend als Nahrungsgrundlage dienen. Das System kommt aus dem Gleichgewicht, der uralte Kreislauf zum Erliegen.

Isabel Kurth
ARD-Wetterkompetenzzentrum

Kieselalgen als Klimaretter

Dass wir atmen können, verdanken wir Lebewesen, die so klein sind, dass man sie mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Lebewesen, von denen die wenigsten wissen, dass es sie überhaupt gibt.

Pflanzen produzieren mithilfe von Photosynthese Sauerstoff. Das ist an sich nichts Neues. Was dagegen überrascht: Mehr als die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Luft stammt nicht von Buche, Eiche oder Ahorn, sondern von winzigen Lebewesen in unseren Ozeanen. Unzählige Mikroalgen, zu denen auch die Kieselalgen zählen, wandeln mithilfe von Sonnenlicht Kohlenstoffdioxid und Wasser in Biomasse um, in der das CO2 gebunden wird, ohne dem Klima zu schaden. Als „Abfallprodukt“ entstehen Tonnen von Sauerstoff – jeden zweiten Atemzug verdanken wir den Meeresalgen. Würden sie nicht so viel Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtern, wäre die Klimakrise bereits weit schlimmer als sie aktuell ist.

Die Einzeller sind Teil eines uralten Kreislaufs. Dank ihnen kann in den Meeren tonnenweise Krill, tierisches Plankton, leben. Krill wiederum stellt die Nahrungsgrundlage für größere Meeresbewohner dar: Fische und Wale fressen die Kleinstlebewesen in großen Mengen. Scheiden sie diese schließlich wieder aus, sinken die Überreste zusammen mit abgestorbenen Kieselalgen als „Meeresschnee“ auf den Grund und lagern sich als Sedimentschicht ab. Auf diese Weise wurde in den vergangenen zwei Jahrhunderten über ein Viertel des von Menschen produzierten Kohlenstoffdioxids aus der Luft gefiltert und in Form von Kohlenstoff am Meeresgrund gespeichert.

Hebt sich im Laufe der Jahrmillionen durch tektonische Plattenverschiebung der Meeresboden oder sinkt der Wasserspiegel, so wird die Sedimentschicht an die Oberfläche gebracht. Wie etwa in der Bodélé-Senke im nördlichen Tschad. Stürme peitschen über die weite Fläche und wirbeln den Staub kilometerhoch in die Atmosphäre. Dort wird er von den Passatwinden nach Südamerika getragen und liefert dem eigentlich kargen Regenwaldboden wichtige Nährstoffe. Nicht zuletzt dank Kieselalgen und Co. konnte sich im Amazonasgebiet eine solch reiche Vegetation entwickeln. Der Regenwald wiederum beeinflusst das Klima weltweit, auch den Niederschlag in der Antarktis. Die Eismassen transportieren Geröll und Staub ins Meer. Diesen nutzen dort wiederum die Kieselalgen, um sich ihren Panzer zu bauen, ohne den sie sich nicht fortpflanzen können. An guten Tagen kann die Zahl der Algen geradezu explodieren, ganze Algenteppiche sind dann vom All aus zu sehen. Diese dienen dann den größeren Lebewesen als Nahrung … und der Kreislauf beginnt von vorn.

Durch unseren Einfluss jedoch droht das System aus dem Gleichgewicht zu geraten. Wasserverschmutzung, zu große CO2-Mengen und steigende Wassertemperaturen machen den Algen zu schaffen. In den letzten 70 Jahren hat sich die Masse des Planktons fast halbiert. Was geschieht, wenn irgendwann zu wenige Kieselalgen wachsen und der Kreislauf zum Erliegen kommt, ist nicht mit letzter Gewissheit zu sagen. Zu wenig wissen wir über die fein aufeinander abgestimmten Prozesse auf unserem Planeten. Dass die Folgen weltweit zu spüren sein werden, ist dagegen sicher. Wird das Wasser wärmer und versauert, so könnten die Kieselalgen nicht mehr in der Lage sein, in dem Maße wie bisher Kohlenstoffdioxid aufzunehmen. Gleichzeitig produzieren sie weniger lebenswichtigen Sauerstoff und können größeren Meereslebewesen nicht mehr ausreichend als Nahrungsgrundlage dienen. Das System kommt aus dem Gleichgewicht, der uralte Kreislauf zum Erliegen.

Isabel Kurth
ARD-Wetterkompetenzzentrum

Jahrgang 1948, werde ich auf dem Gut Groß-Below in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Nach der Flucht aus der DDR, lande ich mit meinem Vater, einem Hochbauingenieur, meiner Mutter und deren Mutter über mehrere Stationen, in Rheinland-Pfalz und der Eifel, schließlich im Ruhrgebiet...

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.