Fehlender Gedankenaustausch mit meiner Mutter

In meiner vorklimakterischen Zeit, also der Zeit nach der Geburt meines Sohnes, den ich mit 41 Jahren bekam, beschäftigten mich die Wechseljahre sehr.
Ich sammelte Broschüren darüber, die bei meiner Frauenärztin herumlagen. Ich sammelte Wissen an über die Zeit, die mich demnächst erwartete. Ich wollte nicht unvorbereitet sein.
In diesen Broschüren und Publikationen stand mit unvergleichlich herunterspielendem Optimismus wie “Frau” mit dieser Zeit umzugehen hat, wie alles doch leicht in den Griff zu bekommen sei mit sportlicher Betätigung, gesunder Ernährung und positiven Gedanken. Dann sei es eine Zeit, die man mühelos bewältigen könne, die im Fluge an einem vorbei ginge, ohne sie großartig zur Kenntnis nehmen zu müssen.
Die unangenehmen Begleitumstände, wie Hitzewallungen etc., wurden nur beiläufig erwähnt. Sie spielten keine große Rolle in der so pflegeleichten Übergangszeit, die “Frau” wie gesagt ohne Probleme durchstehen könne.
Nichts stand in diesen Broschüren von seelischen Nöten, Belastungen, von starken körperlichen Beschwerden. Mit dieser im Großen und Ganzen optimistischen Naivität maschierte ich in diese Zeit hinein.
Natürlich hatte ich die Hitzewallungen meiner Mutter im Hinterkopf und auch, dass dieser Umbruch bei ihr nicht so ganz problemlos von Statten gegeangen sein musste, aber ich dachte dennoch: „Mutter ist Mutter und ich bin eben ich.”
Ein gedanklicher Austausch der Gefühle mit meiner Mutter hatte seinerzeit nicht statt gefunden. Sie hatte sich lediglich in Andeutungen darüber geäußert , was sie wohl erleiden musste. Ich muss zu meiner Schande gestehen, es hätte mich auch seinerzeit nicht sonderlich interessiert.
Heute, wo sie schon fast 20 Jahre nicht mehr lebt, könnte ich eine gedankliche Unterstützung ihrereseits sehr gut gebrauchen.
Meine Mutter war keine schweigsame Frau, nein, ganz gewiss nicht, sie war absolut extrovertriert, aufgeschlossen allen möglichen Themen gegenüber, jedoch war das Thema Wechseljahr ein Tabuthema, so wie es das heute auch zu sein scheint.

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