Mut zu(m) eigenem Raum

Der Wunsch zu einem eigenen Raum, nach mehr Raum, wurde je weiter meine Wechseljahre fortschritten größer und größer. Ich wünschte mir eineTür, die ich hinter mir schließen konnte, um mich abzugrenzen, wenn es mir zu bunt wurde. Jedoch wußte ich nicht, wie ich dies verwirklichen sollte. Mir fehlte schlicht der Mut dazu. Meist saß mir meine gesamte oder Teile meiner Familie auf der Pelle. Trotzdem, Famienleben und spielende Kinder um mich herum war etwas, das ich auf gar keinen Fall missen wollte.
Dieser Trubel hat zweifelsohne seine Vorteile, jedoch bekam ich immer häufiger das übermächtige Empfinden, gelegentlich alle zum Teufel zu wünschen. Ich hatte das Gefühl vereinnamt zu werden, nicht mehr ich selbst zu sein, sondern nur dazu da, dem Vergnügen anderer zu dienen.Wie sollte ich die Kurve kriegen?
So zynisch es klingt, ein Unfall meines Mannes änderte dies schlagartig. Wegen eines Oberschenkelhalsbruches benötigte er ein Bett, das er schell und problemlos verlassen konnte. Das Zimmer und Bett meines Sohnes bot sich an. Der hatte von dem Tag ein weitaus größeres und mein Mann und ich jeweils ein eigenes Zimmer.
Jetzt hatte ich plötzlich meinen eigenen Raum und zunächst war dies eine ungeheure Umstellung für mich. Aber ich gewöhnte mich daran ziemlich bald, auch übrigens daran, allein zu schlafen. Ich hätte es mir nie vorstellen können, aber es hat unschlagbare Vorteile seine Nächte allein zu verbringen. Ich konnte jetzt endlich, wenn ich nachts stärkere Schweißausbrüche hatte, meine Kleidung wechseln, ohne dass ich meinen Mann damit störte. Auch konnte ich, wenn ich gelegentlich nachts stundenlang wach lag, mal mit, mal ohne stärkere Herzklopfen,mal mit,mal ohne Stakkatoschweißausbrüchen (übrigens auch ein Symptom der Wechseljahre) endlich tun was ich wollte. Ich konnte lesen, schreiben oder malen oder einfach nur herumliegen ohne irgend jemand zu aufzuwecken.
Mein Mann hingegen konnte jetzt ungehindert seiner Angewohnheit frönen, abends und auch mitunter nachts noch stundenlang zu lesen.
Er, der zunächst nicht so begeistert von unserer Raumtrennung war, begann irgendwann auch die Vorteile zu sehen.
Er konnte, genau wie ich nun zu Bett gehen wann er wollte. Mein Mann ist übrigens ein sogenanntes Nachtlicht und ich jemand der sehr früh morgens aufwacht und auch dementsprechend abends früh müde ist und seine Ruhe haben will.
Jetzt konnte jeder von uns beiden endlich ungehindert seinen Wünschen nach gehen.
Und last but not least kann ich jetzt, wenn mir mal danach ist, meine Türe einfach hinter mir schließen.

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