Mir war überhaupt nicht klar, was mit mir los war

Richtig begonnen haben meine Wechseljahre 2001. Allerdings bemerkte ich zunächst gar nicht, dass das, was ich da spürte, mit den Wechseljahren zu tun hatte. Ich bekam Angstzustände, die sich zunächst am Körperlichen festmachten. Ich hatte seit einiger Zeit ein Spannen in der Brust, was mit Wassereinlagerungen und Verdickungen einher ging, die über den Tag bis zum Abend wieder verschwanden.
Diese Zustände beunruhigten mich zunehmend, machten mir Angst bis zur Panik, ich konnte sie nicht so recht einordnen. Meine Monatsblutungen hatte ich noch, wenn auch recht unregelmäßig. Monate lagen zwischen ihren Auftritten. Es ging mir ansonsten recht gut. Ich hatte Kraft und Energie genug den Haushalt samt Kindern und drei Urlauben pro Jahr nach Dänemark zu organisieren.
Hitzewallungen hatte ich keine, auch keine Schweißausbrüche. Im Grunde dachte ich, in meinem grenzenlosen Optimismus: “Das wär’s, das sind eben die Wechseljahre.”
Acht Jahre zuvor hatten mich, ohne zu wissen was es war, einige Monate seltsame, allarmierende Symptome im Griff.
Ich fühlte mich schlapp, mir war allgemein zu warm, zu heiß (ich schob es auf den extrem heißen Sommer). Es fühlte sich ähnlich an wie bei meinen Schwangerschaften: eine Temperatur, kurz unterhalb der 37°C. Für eine Schwangerschaft völlig normal, aber ich war nicht schwanger. Also, was sollte das!?!? Die Temperatur blieb wenigstens nur tagsüber hoch, am Spätnachmittag bekam ich dann heftigste Dauer-Schweißausbrüche und am Abend ging es mir wieder ein bisschen besser. Am nächsten Vormittag ging die Tortour wieder von vorne los. Später kamen Herzrasen, Panikattacken und Angstzuständen hinzu.
Mir war überhaupt nicht klar, was los war. Ich bombardierte meine homöopathische Ärztin mit Anrufen.
Zusätzlich zu den o.g. Symptomen hatte ich sehr starke Monatsblutungen, die immer länger dauerten. Zwei Wochen Menstruationsdauer waren keine Seltenheit. Ich blutete wie ein “Schwein”, hatte vormittägliche Panikattacken, Angstzustände und war viel zu schlapp, um etwas im Haushalt zu tun und kam nicht mehr aus dem Bett heraus, denn meine gesamte Energie war mir abhanden gekommen
Zu dieser Zeit war meine Tochter neun Jahre alt und mein Sohn vier. Mein Mann betrachtete dies alles mit zunehmend genervter Verständnislosigkeit oder distanziertrem Entsetzen. Meine Kinder überließ ich größtenteils sich selbst.
Obwohl in homöopathischer Behandlung, fühlte ich mich entsetzlich allein gelassen, denn kein Mittel half wirklich.
Ja, ich wurde von meiner Ärztin ganz sicher als hysterisch eingestuft, denn ich wollte unbedingt herausbekommen, was da los war mit mir und ich wollte, dass das alles aufhörte. Ich wollte wieder ein normales Leben führen.
Ich bin nun nicht gerade ein humorloser Mensch, ganz im Gegenteil, aber während dieses Sommers 1994 verließ mich mein Humor und auch meine ganze Zuversicht.
Ich war und blieb völlig verunsichert.
Bis zum Herbst. Bis zu meinem 46 Geburtstag, den ich im Bett verbrachte. Nach und nach verschwanden alle Symptome, dieser Horror, der mich da überfallen hatte.
Auch der Gynäkologe zu dem ich mich endlich hingetraut hatte, erwähnte die Wechseljahre nur am Rande, fast beiläufig. Von meinen seelischen Problemen wagte ich ihm erst gar nichts zu schildern. Ich glaubte zu recht, ihm damit nicht kommen zu können. Mein Instinkt hielt mich wohl davon ab, richtig auszupacken. Außerdem war ich, muss ich sagen, durch diese massiven, sehr beeinträchtigenden Zustände, völlig eingeschüchtert.
Der Herbst 1994 ging ins Land und der Spuk war vorbei.
Was blieb war ein Schock der tief saß.
Ich versuchte ihn zu bewältigen in der Psychotherapie, die ich begonnen hatte. Versuchte mein Selbstbewusstsein zu erneuern, Dinge aus meiner Vergangenheit zu bearbeiten, abzuarbeiten, mich seelisch etwas freizuschaufeln.
Ich hatte es bitter nötig, wie ich bemerkte. Diese Zustände, wie ich sie da erlebt hatte, kamen nicht so ganz aus dem Nichts, sie hatten zusätzlich, zum klimakterischen Ablauf, eine Vorgeschichte und die hieß seelische und körperliche Überbelastung.
Mein Körper und die Phase, in der ich mich befand, forderten zur Kenntnis genommen zu werden, was ich nicht wollte. Das störte alles störte ungeheuer.
Nun muss ich erwwähnen, dass ich eben zu einer Generation gehöre, zu den sogenannten “68ern”, die glaubte, Kraft ihrer Gedanken und Ideen, die Dinge anders ablaufen lassen zu können, als bei den Generationen zuvor. Vor allem unsere Vater- und Muttergeration war uns ein Greuel, gegen die man anstinken musste….Alles musste neu erfunden werden, dazu gehörte selbstverständlich das Kinderkriegen, die Kindererziehung, das Älterwerden, das nicht stattfinden darf, da man ja ewig fit bleiben kann! – Auch das Klimakterium gehörte dazu…
“Alles kriegen wir in den Griff, – alles wird so wie nie dagewesen.”

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